Kulturspaßguerilla

Lachmuskelministerium

d'Lëtzebuerger Land du 31.01.2014

Heute loben wir die Kulturspaßguerilla. „Was qualifiziert Sie für Ihr Amt?“, fragte ein Fernsehjournalist unvermutet den österreichischen Finanzminister Michael Spindelegger. Der Mann geriet daraufhin wüst ins verbale Schlittern und blieb jede halbwegs verständliche Antwort schuldig. Dabei ist diese Frage nur eine elementare Bitte um Auskunft, die kein hoher Staatsvertreter ausschlagen sollte. Wir, das biedere Fußvolk, möchten doch wissen, was die Herrschaften in der Regierung zu ihrer Befähigung so alles ins Feld führen können. Versperren sie sich unserem staatsbürgerlichen Wissensdurst, müssen wir eben selber nachforschen. Zum Beispiel in den öffentlich zugänglichen Unterlagen über unsere neue Kulturministerin.

She was on faithbook, jedenfalls bis vor kurzem. Und auf ihrer Facebook-Seite gibt es die Rubrik interests, also die Aufzählung ihrer speziellen Vorlieben und Empfehlungen. Kultur im Sinne von Emanzipation kommt dort auf den ersten Blick nicht vor. Ein paar Klunkerläden werden aufgelistet, ein paar liebe Freunde aus der DP, ein kulinarisches Etablissement, eine Handvoll lokaler Vereine, doch der frische kulturelle Wind will einfach nicht wehen. Da muss man schon um sechs Ecken denken und einfach mal die Eintragung Lach Spass anklicken. Bingo! Jetzt kommt die Kultur gleich kübelweise! Jetzt sind wir mitten im intellektuellen Reservat der Frau Ministerin gelandet!

Das deutsche Internetportal Lach Spass, mit dessen Hilfe die Ministerin offenbar ihre schöngeistigen Batterien auflädt, bietet laut Eigenwerbung „Einfach lustige Bilder und coole Sprüche“. Also genau den tiefgründigen Stoff, den sie braucht, um erfolgreich das Kulturministerium zu führen. Machen wir mal die Nagelprobe: „Manchmal hab ich was an der Ratsche, einfach voll einen an der Klatsche, doch ich sag es euch jetzt mal, das ist mir sowas von egaaaal!“ Moment. Wer schüttelt da den Kopf? Hier geht es um nichts anderes als das wichtige Thema der sozialen Ungerechtigkeit, eben locker und flockig auf den volkssprachlichen Punkt gebracht. Und dass Kultur auf den sozialen Ausgleich hinarbeiten soll, will ja wohl keiner bestreiten.

Kein einziges komplexes Thema wird bei Lach Spass ausgespart, die Bandbreite der kulturellen Fragestellungen ist enorm: „Schnell noch etwas zurecht machen, und dann rein ins WE. Hauptsache die Haare sitzen. Dank Drei Wetter-Taft.“ Kein Zweifel, hier stecken wir mitten in der Debatte über den äußeren Schein und die innere Verwahrlosung, über Wochenendtrübsal und stressbedingten Haarausfall. Sogar an den kritischen Disput über sexuelle Ausgrenzung wagt sich Lach Spass unbefangen und forsch heran: „Sie: Schatz, habe ich eigentlich einen Hängebusen? Er: Aber nein, Liebling! Die hängen nicht, die chillen nur…!“ Genau. Auf Tabus sollte sich die Kulturpolitik schon gar nicht einlassen. Vor allem dann nicht, wenn es um Beziehungsgeflechte und Partnerschaften geht: „Wollen wir uns heute Nacht unverbindlich aufeinander legen?“ Kann man Vereinzelung und Einsamkeit, Identitätsverlust und Kommunikationsmangel packender formulieren?

Eigentlich sollte das von der Ministerin empfohlene Lach-Spass-Package zur Pflichtlektüre in den Luxemburger Kulturkreisen werden, sozusagen zum Vademecum für künftige Glanzleistungen des Geistes: „Mit Frauen spielt man nicht – Außer sie sind ans Bett gefesselt.“ So profund und differenziert ist uns selten eine bündige Abhandlung über latente männliche Gewaltbereitschaft dahergekommen. Und die Analyse wird gar noch schärfer: „Ist dein Würstchen länger als unsere Wurst, bekommst du sie gratis.“ Irgendwie muss hier ein ganzes Kollektiv von soziologisch bewanderten Experten an diesen coolen Sprüchen feilen. Natürlich sind diese Kernsätze aus dem Wortschatz einer gestörten Gesellschaft bewusst provokativ angelegt. Wir sollen ja nachdenken. Gemeinsam mit unserer nachdenklichen Kulturministerin.

„Vertraue nur deinem Arsch, denn der steht immer hinter dir!“ Exakt. Dieser vernichtenden Kritik des systematischen politischen Vertrauensbruchs –sehr aktuell, nicht wahr, Herr Wolter? – haben wir keinen einzigen Buchstaben hinzuzufügen. „Ich wäre gern ein Löwe. Bumsen, fressen, geile Frisur.“ Jaja. Die Konsumverblendung lässt grüßen. „Wir können Dumme nicht heilen…, aber wir können sie sedieren.“ Hoppla. Da bricht aber jetzt ein bisschen abrupt die schmerzhafte Diskussion über Euthanasie herein. Aber auch dieser Kontroverse wird die Kulturministerin ganz sicher nicht ausweichen. Ihre Inspirationsquelle namens Lach Spass ist sozusagen wohltuend grenzenlos.

Wir sind jedenfalls heilfroh, nach den exzessiven philosophischen Höhenflügen und den streng wissenschaftlichen Reden und Ansprachen der Frau Modert endlich auf eine Kulturministerin bauen zu dürfen, die mit Herz und Verstand tief im Volk verwurzelt ist. Ja, knietief steht sie aufrecht in jenem besonderen Humus, der zum Beispiel auch so bedeutende Kulturpflanzen wie die RTL-Déckkäpp hervorbringt. Oder, um es mit Lach Spass zu sagen: „Hömma! Bisse bekloppt? Prima! Dann bisse hier genau richtig!“

Guy Rewenig
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