Fundamental Monodrama Festival

« Poisson selon arrivage »

d'Lëtzebuerger Land vom 09.06.2017

Strahlend hält Steve Karier das kleine Programmheft in den Händen. Für den Direktor des Monodrama-Festivals ist es ein Wunder, dass das kleine Festival überhaupt Jahr für Jahr zustande kommt. Ein Festival sei etwas, das sich letztlich nur schwer planen lasse. Um große Namen geht es Karier nicht, das sei auch nicht der Sinn des kleinen Theaterfestivals, sondern um Begegnung: „Ich glaube immer noch daran, dass Kunst durch Zufälle entsteht.“ Ideen entstünden durch Begegnungen, wie Murmeln, die sich anstoßen ...

Sieben Mal fand das Off-Festival bereits in Luxemburg statt – ehemals noch im abgelegenen Kulturhaus Niederanven. Vom 9. bis zum 18. Juni gibt es nun also die 8. Auflage an drei Orten: In erster Linie in der Bannanefabrik in Bonneweg, aber auch im TNL und im Kinneksbond in Mamer werden Kreationen aus 11 Ländern gezeigt. Den Auftakt bildet Out in Africa im TNL. Karier zufolge, der in dem Einpersonenstück selbst die Hauptrolle spielt, ist es ein Stück, in dem es um Kannibalismus, aber auch um Wahrheit geht. Deutsche Touristen werden von islamistischen Rebellen in einem ostafrikanischen Land gefangen genommen und Wochen lang ohne Nahrung eingesperrt, bis es zur Tragödie kommt und einer die anderen zerfleischt. Die Borniertheit des Europäers, der sich in seiner kulturellen Überlegenheit unanfechtbar wähnt, stößt in dem Stück des Südafrikaners Mpumelelo Paul Grootboom, der mit dem Stück erstmals außerhalb Südafrikas inszeniert, an ihre Grenzen.

Arabisches Theater ist etwas, das hierzulande noch zu selten gezeigt werde, erklärt Ka-
rier den Schwerpunkt des diesjährigen Festivals. Im Islam gebe es das Bilderverbot, bildhafte Darstellungen seien extrem reduziert, sodass Theater im arabischen Raum Bilder gewissermaßen ersetze. On the importance of being an Arab spreche somit über vieles, bloß nicht über Poesie. Das Stück gleicht eher einer dokumentarischen Bestandsaufnahme einer Vater-Sohn-Beziehung. Eine gänzlich andere Perspektive nimmt Henry Naylors Angel sein. Inspiriert von einer modernen Legende, handelt das Stück von einer weiblichen Scharfschützin, „dem Engel von Kobani“, die sich in Syrien einer Truppe anschloss, um den IS zu bekämpfen. Sie fand heraus, dass sie eine außerordentliche Begabung zum Schießen hat und tötete über 100 Extremisten Unter Islamisten galt sie als besonders gefürchtet, da sie glauben, wer von einer Frau getötet werde, komme nicht ins Paradies.

Mit Ma nostalgie gibt es auch eine Produktion aus der Großregion. Der kongolesische Schauspieler Richard Mahoungou, der in Metz lebt, hat das Stück bereits in Marseille gespielt. Das Ein-Mann-Stück spiegelt seine entwurzelte Lebensgeschichte wider. Seit 2011 hat er einen anerkannten Asylstatus, und das ist auch gut so, denn sein regimekritisches Stück ist den kongolesischen Behörden ein Dorn im Auge. Menschliche Dramen und Einzelschicksale – auch das ist das Wesen des Monodrama-Festivals. Die Entstehung von Ma nostalgie zeigt einmal mehr, dass sich Theaterprojekte nicht auf dem Reißbrett planen lassen.

Das Monolabo ist in diesem Jahr klein ausgefallen. Es sei ein Freiraum, in dem sich die Leute kreativ austoben könnten, und folge dem Prinzip „Poisson selon arrivage“! Gezeigt werden experimentelle Stücke junger Regisseure, die ihre Ideen kreativ umsetzen. Auf diese Weise ist in diesem Jahr eine Installation entstanden: Mit Mam Punto op Peking dokumentiert Elsa Rauchs die Eindrücke ihrer China-Reise. Anne Simons Stück Alter Ego ist eine Kollaboration mit Hariko. Es sind kleine, spontane autobiographische Performances von Menschen mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund. Mit Herzstück von Heiner Müller inszeniert Tom Dockal erstmals nicht auf Luxemburgisch, sondern auf Deutsch. Das und die Zusammenarbeit mit einer Frau (Catherine Janke) mache ihm ein bisschen Angst. Doch Heiner Müllers Stück sei im Grunde perfekter Bühnenstoff und bringe die conditio humana auf den Punkt. Wer es wirklich abgefahren mag, kann sich schließlich auf den letzten Spieltag freuen. In der Reihe Marvelous things happening in... Berlin kann man in experimentelle Klangwelten eintauchen oder sich von Martin Engler in „Vreneli’s Gärtli“ entführen lassen.

Das Monodrama Festival findet vom 9.-18. Juni 2017 in der Bannanefabrik, dem TNL und dem Kinneksbond in Mamer statt. Programm und Informationen unter: www.fundamental.lu.

Einblicke in die Theaterwelt liefert nicht zuletzt ein Licht-Workshop. Am 12. Juni findet eine Einführung in die Lichttechnik mit Karl Humbug statt, der sich an Theaterschaffende und Interessierte richtet und ein Grundverständnis für szenische Belichtung schaffen will. Die Lichtworkshops finden in zwei Gruppen von 10 bis 13 Uhr und am Nachmittag von 15 bis
18 Uhr statt. Die Gruppen sind auf zwölf Personen beschränkt, der Unkostenbeitrag beträgt 50 Euro. Anmeldung unter: reservation@fundamental.lu.

Anina Valle Thiele
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