Piwel

„Geputzt wird immer“

d'Lëtzebuerger Land vom 10.12.2009

Weißer Kragen, strahlendes Lächeln und eine funkelnde Pfanne: so wirbt Piwel bereits seit Jahrzehnten für geseifte Stahlwollpads, die hierzulande zum Kultobjekt geworden sind. Doch das luxemburgische Unternehmen liefert auch an interna­tionale Firmen, die vor allem die traditionellen Herstellungsverfahren schätzen. Verschiedene Techniken sind sogar einmalig.

Aluminiumwolle, Strickwerk, Kupferlappen, Stahlspäne, Stahlwolle auf Rollen oder in Scheiben, Filter aus Stahlfasern: dies ist nur ein Teil der Produkte, die in Bartringen in der Piwel-Fabrik hergestellt und an Kunden in der ganzen Welt geliefert werden. Ein Stahlwerk in Duisburg, das zu ArcelorMittal gehört, verkauft den Stahl an Drahtzieher, die ihn zu 3,1 Millimeter dicken Drähten schneiden. Aus diesen Drähten stellt Piwel mit speziellen Schneideverfahren Stahlwolle in verschiede­nen Größen her.

Die Qualität des Stahls ist ausschlaggebend für Piwel. „Wir sind gewohnt, mit diesem Stahl zu arbeiten, und wir brauchen ihn auch. Stahl ist zum Beispiel sehr billig in Ägypten, doch mit diesem Stahl könnten wir unsere Produkte nicht so qualitativ anfertigen, wie wir es jetzt tun“, erklärt Tom Welter, Geschäftsführer von Piwel. Die Liste der Kunden ist demnach breitgefächert. Piwel liefert zum Beispiel nach Indonesien, Kamerun, Kanada, Ungarn und auch auf die französischen Antillen. Auf den Inseln Guadeloupe und Martinique sind Piwel-Stahlwollpads seit Jahren gefragt. „Dort gibt es noch nicht so viele Tefal-Töpfe, es muss also noch mehr geschauert werden“, so der Geschäftsführer.

Natürlich ist Piwel auch in der Großregion bekannt. In Frankreich ist Piwel am erfolgreichsten, vor allem mit gröberer Stahlwolle die zum Bearbeiten von Möbeln gebraucht wird; in Belgien verkauft die Firma sowohl Haushaltsprodukte als auch Industrieprodukte. Luxemburg ist 2008 drittbester Kunde gewesen: vor allem Haushaltsprodukte wie das bekannte Piwel-Stahlwollpad mit der integrierten Seife sorgen für den hohen Umsatz hierzulande.

Die Firma, deren Namen sich aus den ersten Buchstaben ihres Gründers Pierre Welter zusammensetzt, fing 1935 klein an. Der Unternehmer hat es damals gezielt auf den Nischenmarkt abgesehen. „Er suchte nach etwas, was es hier in der Großregion noch nicht gab. Mit seinem Erspartem hat er sich dann eine Maschine zur Stahlwollherstellung gekauft“, erklärt sein Enkelsohn, Tom Welter. Anfangs wurden nur gröbere Späne hergestellt, Küchenhilfen wie das bekannte Stahlwollepad mit der Seifenfüllung kamen erst anfangs der Fünfzigerjahre hinzu, als ausländische Firmen ein ähnliches Produkt auf den Markt gebracht hatten.

Piwel wusste sich an die damalige Markttendenz anzupassen und stellte sogar eine Maschine her, die Stahlwollpads automatisch mit Seife füllt. Dass Piwel auch heute noch eigens die benötigten Maschinen baut, liegt am Nischenmarkt, in dem die Firma tätig ist. „Man findet für diesen Markt nicht viel Produktions­material. Kein Maschinenbauer beschäftigt sich mit dieser Art von Maschinen, da er immer nur ein oder zwei Exemplare bauen kann“, so Tom Welter.

Die eigenen Maschinen und der Nischenmarkt, in dem die Firma operiert, ermöglichen es Piwel, sich neben größeren Unternehmen aus Bil­liglohnländern zu behaupten. „Wir stehen in großer Konkurrenz mit asia­tischen Produzenten, die andere Preise fragen als wir. Doch diese Produzenten sind nur erfolgreich, wenn sie Maschinen kaufen können und natürlich die Herstellungstechnik kennen. Ohne die richtigen Maschinen und das Know-how kann die Qualität unserer Produkte – vor allem die der ganz feinen Stahlwolle – nicht erreicht werden“, erklärt Tom Welter.

Trotz der gesicherten Marktposition ist Piwel von der Finanzkrise nicht verschont geblieben. Der hohe Kurs des Euro bereitet Tom Welter ebenso Sorgen. „Wir können im Export nicht richtig Fuß fassen momentan. Wir kaufen unseren Rohstoff in Euro ein und wenn wir nach Australien oder Kanada liefern, sind wir, alleine wegen des Wechselkurses, 20 Prozent zu teuer,“ sagt der Geschäftsführer. Doch auch die Stahlpreise wurden zum Problem. So stieg der Preis im August letzten Jahres plötzlich bis auf 1 200 Euro pro Tonne. Anfang des Jahres bezahlte Piwel für die gleiche Menge noch 800 Euro. „Die Kontrak­te mit den Kunden liefen, und in unserer Branche sind Kunden nicht gewohnt, dass man jeden Monat andere Preise hat. Manchmal mussten wir dann selber noch Geld drauflegen.“

Doch dies hatte natürlich auch Auswirkungen auf den Einkauf. „Ich musste Stahl bestellen für sechs Monate am Anfang des Jahres, ohne den Preis zu kennen. Jede zwei Wochen kriegen wir normalerweise eine Lieferung, und während dieser Krise wurde der Preis festgelegt, wenn der Laster kam. Mein Drahtzieher war natürlich auch nicht Schuld, er hat die Preise ja von ArcelorMittal diktiert bekommen“, so Tom Welter.

Die Stahlpreise sind wieder gesunken, doch solange die Nachfrage nicht steigt, leben viele Unternehmen noch in Unsicherheit. Tom Welter schätzt, dass die Umsätze für Piwel 2009 um 10 Prozent niedriger sein werden als 2008, beschreibt dies jedoch als „nicht dramatisch“. Der Markt in Luxemburg und der Großregion hat sich in der Zeit nicht viel verändert und die breitgefächerte Produktpalette, die folglich verschiedene Kunden anzieht, hat der Firma „sehr geholfen“. Tom Welter erklärt, dass der Verkauf der bekannten Stahlwollpads hierzulande konstant geblieben ist, und dass Luxemburg gerade deswegen weiterhin zu den besten Kunden von Piwel gehört. Die Piwel-Frau, die zwar von Werbefirmen über die Jahre modernisiert, aber immer noch retro aussieht, wird also voraussichtlich weiterhin vergnügt auf den Verpackungen schmutzige Pfannen zum funkeln bringen.

Claire Barthelemy
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