Interview mit Umweltministerin Carole Dieschbourg (Grüne) über die Trinkwasserversorgung in der nahen und ferneren Zukunft und was das mit der Joghurtfabrik und Rifkin zu tun hat

„Fage ist nur ein Beispiel“

Carole Dieschbourg (Grüne), Umweltministerin
Photo: Sven Becker
d'Lëtzebuerger Land du 13.04.2018

d’Land: Frau Ministerin, verbrauchen die Leute zu viel Wasser? In einer Präsentation zum Weltwassertag am 22. März sagten Sie, der tägliche Trinkwasserverbrauch betrage 120 000 Kubikmeter, das seien 200 Liter „pro Person“. In Deutschland liegt der Pro-Kopf-Verbrauch bei 124 Litern und in den meisten EU-Ländern nicht bei 200 Litern.

Carole Dieschbourg: Die 120 000 Kubikmeter Gesamtwasserverbrauch sind unserer spezifischen Situation geschuldet, auch unserer Wirtschaft. Wenn wir ihn auf die Einwohner runterbrechen, hören sich 200 Liter nach viel an. Bedenkt man, dass da auch der Bedarf der 180 000 Grenzpendler inbegriffen ist, und zieht ihn ab, kommen wir auf 137 Liter pro Ansässigem. Damit liegen wir in einem europäischen Schnitt. Aber mit Blick auf die Zukunft ist unser Verbrauch hoch, zu hoch.

Laut EU-Statistikamt Eurostat ist die Nachhaltigkeit der Trinkwasser-Ressourcen in 13 EU-Staaten „relativ gering“, darunter auch in Luxemburg. Das sind Trends, die über 20 Jahre gerechnet werden und anscheinend das Nachhaltigkeitsmaß sind.

Eigentlich hat Luxemburg genug Wasser. Jährlich fallen pro Quadratmeter Landesfläche im Schnitt 800 Liter Regen. Das ist einerseits gar nicht wenig, andererseits können wir nicht für mehr sorgen. Außerdem liegt Luxemburg auf der Wasserscheide zwischen Rhein und Maas und hat kleine Gewässer mit begrenztem Nutzungspotenzial. Die Hälfte unseres Trinkwassers kommt aus dem Stausee. Es käme noch infrage, Flusswasser zu Trinkwasser aufzubereiten, und wir lassen zurzeit studieren, ob das im Moseltal möglich wäre. Wir müssen den Quellenschutz weitertreiben und uns Sparstrategien geben. Sind Ressourcen begrenzt, muss man schauen, wie man sie sinnvoll einsetzt. Deshalb habe ich zum Weltwassertag gesagt, dass unser Sparpotenzial längst nicht ausgereizt ist und wir unsere Hausaufgaben machen müssen.

Wer soll sparen? Glaubt man Eurostat, betrug 2015 der Jahres-Trinkwasserverbrauch Luxemburgs pro Kopf 42,2 Millionen Kubikmeter. Geteilt durch 365 Tage ergibt das rund 116 000 Kubikmeter. Aber die fallen laut Eurostat allein für die Privathaushalte an. Zu Landwirtschaft, Industrie oder Dienstleistungsbranche steht da nichts. Verbrauchen die so wenig oder fehlen Daten?

Die Landwirtschaft verbraucht in Luxemburg tatsächlich wenig Wasser, die Industrie derzeit auch. Die Dienstleistungsbranche wird den Haushalten zugeordnet. Sparen müssen wir dennoch in allen Bereichen. Wir haben sowohl eine Studie über die Entwicklung von Bedarf und Versorgungskapazität mit Horizont 2040 anfertigen lassen, als auch eine über Einsparpotenziale. Da wurde immer auch sektoriell gerechnet. Je nachdem, wie ehrgeizig vorgegangen würde, könnte drei Szenarien zufolge bis 2040 der Verbrauch um 14 Prozent, um 26 beziehungsweise 31 Prozent gesenkt werden. Wobei das dritte Szenario allerdings ziemlich disruptiv wäre. Es würde strenge Restriktionen bedeuten, hohe Investitionen im Baubestand und einen enormen Kraftaufwand. Unternähmen wir dagegen gar nichts, wäre bei anhaltendem Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum Mitte der 2030-er Jahre damit zu rechnen, dass der Spitzenverbrauch die Produktionskapazität übersteigt.

Wobei Spitzenverbrauch heißt?

Bei täglich rund 120 000 Kubikmetern lag 2016 unser Durchschnittsverbrauch. Ihm standen 177 600 Kubikmeter Versorgungskapazität gegenüber, davon 70 000 aus dem Stausee der Sebes, 66 000 aus Quellen und 41 600 aus Tiefbrunnen, die die Sebes und andere Wasserversorger für dringende Fälle in Reserve halten. Schreibt man die Bedarfsentwicklung fort, wofür wir ebenfalls eine Reihe Szenarien angenommen haben, dürfte der Durchschnittsverbrauch 2040 bei 170 000 Kubikmetern täglich liegen. Der Spitzenverbrauch dagegen betrug schon 2016 rund 160 000 Kubikmeter. Deshalb hatten wir in dem trockenen Sommer damals eine „Phase orange“ ausgerufen. Dass wir erst für Mitte der 2030-er mit Problemen zu Spitzenzeiten rechnen, liegt daran, dass 2021 der Ausbau der Sebes-Aufbereitungsanlage fertig wird. Die kann dann pro Tag 40 000 Kubikmeter Trinkwasser zusätzlich bereitstellen und die Gesamtversorgungskapazität steigt auf knapp 218 000 Kubikmeter. Kritisch werden könnte die Lage allerdings schon 2021 unmittelbar ehe der Sebes-Ausbau zum Abschluss kommt – falls der Spitzenbedarf dann ähnliche Formen annimmt wie 2016 und wir weiter wachsen wie bisher.

Trifft es zu, dass im „weiter wachsen“ die neuesten Großverbraucher noch nicht inbegriffen sind – das Datenzentrum von Google mit seinem Kühlwasserbedarf und die Fage-Joghurtfabrik – und es schon 2019 oder 2020 Probleme geben könnte?

Das stimmt. Von Google liegt noch kein konkretes Projekt vor, so dass ich dazu nichts sagen kann. Wird die Fage-Molkerei gebaut, wächst der Durchschnittsbedarf auf einen Schlag um bis zu 3 500 Kubikmeter täglich. Das ist viel, fast so viel wie der Bedarf von 20 000 Einwohnern. Erschwerend kommt hinzu, dass die Tiefbrunnen der Sebes nicht dauerhaft genutzt werden können.

Das sind die Reserven für Notfälle?

Dauerhaft anzapfen können wir die generell nicht, sonst würden diese Grundwasserreservoirs übernutzt. Aber nach dem Unfall, durch den 2014 die Pestizide Metazachlor und Metolachlor in den Stausee gerieten, haben wir umfassende Analysen über Rückstände in allen Reserven durchgeführt und fanden die Pestizide auch in den Tiefbrunnen. Deshalb aktivieren wir die derzeit nicht ganz.

Wie lange wird das noch dauern?

Wir arbeiten daran, sie wieder nutzen zu können. Den Einsatz des Maisanbau-Herbizids Metolachlor haben wir ganz verboten, den von Metaza-chlor stark eingeschränkt. Wir sehen, dass die Belastung der Tiefbrunnen abnimmt, aber es braucht Zeit, bis die Rückstände wieder weg sind.

Wenn 2016 der Durchschnittsbedarf 120 000 Kubikmeter täglich betrug und die Versorgungskapazität 177 600, die aber auf 136 000 Kubikmeter gesunken ist, weil die 41 600 in den Tiefbrunnen nicht nutzbar sind – was folgt daraus?

Dass wir 2021 in den Spitzen eventuell Probleme bekommen könnten, je nachdem, wie wir wachsen, und wir die Leute dann aufrufen müssten, zu sparen – wofür wir einen Maßnahmenkatalog aufgestellt haben. Sparen müssen wir sowieso. Ob es Probleme gäbe, hinge auch vom Wetter ab. Es wären vielleicht ein paar problematische Wochen in einem Jahr. Andererseits fände ich es kein gutes Zeichen, wenn jeder sparen müsste ...

... damit die Joghurtfabrik gebaut werden kann?

Ich meine, es wäre den Leuten politisch schwer zu erklären, dass eine kollektive Anstrengung wegen eines großen Betriebes nötig sein soll. Besser ist es, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, damit so ein Betrieb sich niederlassen kann, ohne dass es zu Problemen führt.

Sie meinen, das Fage-Projekt kommt zu früh, wäre nach der Sebes-Erweiterung besser?

Fage ist nur ein Beispiel. Die Frage stellt sich, wie wir mit unseren Ressourcen umgehen. Wichtig ist, dass wir erkennen, dass wir Prioritäten setzen und konsequente Entscheidungen treffen müssen, wenn wir wollen, dass auch die nächste Generation ihren Wasserhahn aufdrehen und bedenkenlos Wasser von dort trinken kann.

Sie haben aber selber gesagt, es könnte schon 2019 oder 2020 schwierig werden, wenn wasserintensive Betriebe hinzukommen, denn in Ihren Szenarien von „croissance constante“ kommen die nicht vor.

Deshalb arbeiten wir unter anderem auch daran, dass die kommunalen Trinkwasserquellen, die in den letzten Jahren wegen Pestizid- und Nitratbelastungen geschlossen werden mussten, bald wieder genutzt werden können. Dadurch wird der Beitrag aus den Quellen um sieben Prozent zunehmen, was dem Bedarf von 50 000 Personen gleichkommt. Zusammen mit den Gemeinden werden wir auch ermitteln, welche Leckverluste es in den Trinkwassernetzen gibt, womöglich sind sie beträchtlich. Klar muss sein, dass wir vorausschauend planen und alle Hebel in Bewegung setzen müssen, damit die Situation sich verbessert. Und dass man nicht beliebig viele wasserintensive Betriebe ansiedeln kann. Die Spezifik des kleinen Landes muss wirtschaftspolitisch in Betracht gezogen werden. Klar muss auch sein, dass Wasser zu verbrauchen ebenso wie zum Beispiel die Luft zu belasten, einen Kostenpunkt hat. Der muss in politische Entscheidungen mit einfließen. Denn es ist auf die Dauer nicht richtig, wenn die Allgemeinheit – und das ist in Umweltbelangen leider oft so – diese Kosten trägt und die bei den Entscheidungen zuvor nicht berücksichtigt wurden.

Was meinen Sie damit?

Die Joghurtfabrik einzurichten, wird nicht nur ein Challenge, weil sie als Lebensmittel-Produktionsbetrieb auf jeden Fall Trinkwasser braucht, sondern wird auch Infrastrukturkosten verursachen: Man braucht Leitungen, eventuell neue Wassertürme für den Druckausgleich im Netz und so fort. Das hat Auswirkungen für die Leute in der Region. Das Trinkwasser-Syndikat SES wird sich Wasser von der Sebes zukaufen müssen. Da sind wir beim Kostendeckungsprinzip für die Trinkwasserversorgung über den Preis – für die Abwasserbehandlung gilt das auch, von der haben wir noch gar nicht gesprochen.

Kann die Regierung, wenn sie meint, die Joghurtfabrik sollte realisiert werden, mit staatlichen Subventionen helfen oder trügen diese Kosten die Wasserverbraucher?

Im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung zum Fage-Vorhaben, die zurzeit läuft, hat die Gemeinde Bettemburg uns ein Schreiben geschickt, in dem sie schätzt, dass in den 22 Mitgliedsgemeinden des SES-Syndikats die Wasserpreise womöglich schon dieses Jahr um 25 Prozent angehoben werden müssten.

Schon dieses Jahr?

Das hat Bettemburg uns geschrieben. Ich kann nachvollziehen, dass die SES Infrastrukturerweiterungen und einen Zukauf von Wasserreserven, damit sie genug im Netz hat, jetzt schon planen muss.

Wieso importieren wir nicht einfach Trinkwasser?

Das hat der Präsident der Fedil mich auch gefragt.

Es gab schon vor Jahren ein Angebot aus Deutschland an den damals für die Wasserpolitik zuständigen CSV-Innenminister Jean-Marie Halsdorf.

Und die Gemeinde Vianden beispielsweise arbeitet mit einer deutschen Gemeinde jenseits der Our in der Wasserversorgung zusammen.

Das funktioniert also schon?

In dem Fall ja. Für den Rest meine ich: Wasser ist eine natürliche Ressource und wie ich schon sagte, haben wir eigentlich genug davon. Dann ist es unsere Pflicht, unsere Ressource zu schützen und verantwortungsvoll zu nutzen. Nur so können auch künftige Generationen autonom bleiben, das ist eine Frage der Selbstbestimmung. Als Historikerin weiß ich außerdem, dass beim Fall großer Städte, zum Beispiel dem von Rom, stets wer die Macht über die Ressourcen besaß, bestimmte, was geschah.

Man muss sich zurzeit zwar Sorgen über die Zukunft der EU machen, aber wird nicht gerade in Umweltbelangen stark kooperiert? Für grünen Strom und Klimaschutzprojekte zum Beispiel?

Natürlich, und mit Autonomie meine ich nicht Abschottung. Wir arbeiten zum Beispiel mit Belgien sehr eng im Einzugsgebiet der Sauer zusammen. Mit Frankreich und Deutschland kooperieren wir auch. Trotzdem wäre es ein schlechtes Zeichen, wenn wir nicht selber verantwortlich mit unserem Wasser umgehen und uns einem externen Lieferanten ausliefern würden. Wir können heute schon zeigen, dass Prävention besser ist, als belastetes Wasser aufzubereiten: Wo im ländlichen Raum Wasser aufbereitet werden muss, bezahlen die Leute zwischen 30 und 50 Cent pro Kubikmeter mehr, während die Finanzierung von Präventionsmaßnahmen 17 bis 20 Cent kostet. Ist man autonom, kann man außerdem bestimmen, welche Grenzwerte gelten sollen. Wir haben in Luxemburg einen niedrigen Grenzwert für die Abbauprodukte von Pestiziden festgelegt, das begründen wir auch gegenüber der Landwirtschaft. Würden wir Wasser importieren, hätten wir weniger Einfluss auf den präventiven Wasserschutz an der Quelle im Ausland.

Andererseits ist Luxemburg eine Boom-Region. Im Ausland haben Boom-Regionen vermutlich ebenfalls einen hohen Wasserbedarf, doch dank des größeren Hinterlands fällt das weniger auf.

Schon richtig, aber ich bekomme von Umweltminister-Kollegen aus anderen Ländern immer wieder gesagt, sie würden Luxemburg beneiden, weil sich hier offenbar eine Debatte über die Grenzen des Wachstums und den verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen entwickelt. In größeren Ländern, wird mir gesagt, sei die eigentlich auch nötig, werde aber verschleppt. Die Debatte über unseren ökologischen Fußabdruck ist notwendig und eine Chance, unseren Standort nachhaltiger und zukunftssicherer aufzustellen.

Aber ist es nicht so: Luxemburg will kein Standort für Briefkastenfirmen und kein Steuerparadies mehr sein...

... ganz richtig!

Klassische Industriebetriebe verbrauchen uns aber zu viel Wasser, wie die Fage-Fabrik, oder belasten die Luft, wie die Steinwollefabrik von Knauf. Die immaterielle Industrie aber bekommen wir wegen fehlender Arbeitskräfte auch nicht richtig entwickelt: Hört man Etienne Schneider und Claude Meisch zu, könnte man meinen, schon jeder Grundschüler sollte Programmierer werden. Wie soll künftig gewirtschaftet werden in Luxemburg?

Wir leben weltweit und gerade im stark industrialisierten Nordteil der EU über unsere Verhältnisse und beziehen in unsere Entscheidungen die Ökologie zu wenig ein. Dieses Problem ist gar nicht neu, aber selten so ersichtlich wie nun bei uns. Man könnte sagen: Emissionen zu verursachen, ist ein Risiko für einen Betrieb, aber diese Überlegung wird zurzeit nicht ausreichend angestellt. Als Umweltministerin sage ich, wir können kein System wollen, das ökologisch an die Wand fährt. Wir stecken zum Beispiel mitten in einem sechsten Artensterben. Vielfach wird heute behauptet, es schade Luxemburgs Ruf, wenn die Ansiedlung bestimmter Betriebe in Frage gestellt wird. Ich finde diese Aussage paradox, aber die Frage nach dem Image ist gar nicht falsch. Wie ist denn die Reputation eines Landes, das Strafe zahlen muss, weil es seine Gewässer durch veraltete Kläranlagen belastet oder seinen Bürgern nicht genug Trinkwasser zur Verfügung stellen kann? Wollen wir Luxemburg nicht promovieren als einen Standort, in dem die Wirtschaftsentwicklung möglichst entkoppelt wird vom Energieverbrauch, dekarbonisiert ist und ganz ressourcenschonend? Unsere öffentlichen Finanzen haben ein Triple A. Unser Sozialstaat funktioniert. Wir brauchen auch ein Triple A in der Umwelt, müssen uns der Diskussion über lebenswerte Städte stellen, brauchen ein gut funktionierendes öffentliches Gesundheitssystem, gute Infrastrukturen und müssen all das nach außen sichtbar machen. Das sind auch wichtige wirtschaftliche Standortfaktoren.

Jetzt machen Sie Wahlkampf.

Nein, wir brauchen eine Debatte über unsere Optionen. Dazu gehört auch, dass wir uns fragen, was wir auf unseren öffentlichen Industrieflächen ansiedeln, jetzt schon. Als Umweltministerin führe ich vor allem eine Ressourcendiskussion.

Und der Wirtschaftsminister sieht das anders.

Etienne Schneider und ich haben nach einer Regierungsratssitzung gesagt, dass wir uns für die Zukunft bereits vorab Vorgaben geben müssen, was gewollt ist. Und es nicht so sein soll, dass der eine Minister rausgeht und sagt, da kommt ein Betrieb, der investiert so und so viel und schafft so und so viele Arbeitsplätze, und viel später bekommen wir das Dossier, sehen, welcher Wasserverbrauch damit verbunden sein wird, wie viele LKW-Bewegungen, wie viele Emissionen, und dann sagen wir: Oh, das wird aber problematisch! Künftig muss klar sein: Unser Territorium ist begrenzt, unsere Ressourcen ebenfalls. Wir können nicht länger so tun, als planen wir auf einem weißen Blatt. Daraus kann man eine durchaus attraktive Wirtschaftspolitik machen.

Aber wie wollen Sie das kodifizieren? Ein Investor orientiert sich doch an Bestimmungen in Gesetzen und Verordnungen, zum Beispiel über Grenzwerte.

Der Rahmen dafür muss definiert werden. Die Diskussion darüber ist in der Regierung im Gange. In Zukunft soll mit Investoren schon vorab sondiert werden, was ihr Projekt an Emissionen und Ressourcenverbrauch mit sich brächte.

Kann man erwarten, dass ein Investor sich dem aussetzt und diesen Aufwand betreibt, um später womöglich festzustellen, dass es doch nichts wird in Luxemburg und das Geld zum Anentwickeln seines Projekts in den Sand gesetzt wurde?

Dass man sich an Regeln halten muss, ist in jedem Land so, und es gibt Regionen, die bekannt dafür sind, ganz innovativ und Qualitätsstandorte zu sein. Da schafft man eine Nische. Im Space Mining machen wir es ja gerade...

... welches sogar die Wachstumsgrenzen des Planeten sprengen würde.

Ich will dieses Projekt hier nicht bewerten. Aber wenn wir zum Beispiel Klimaschutzziele haben, dann haben wir die Verpflichtung, uns so einzurichten, dass wir sie einhalten, auch mit unserer Wirtschaftsentwicklung. Wenn wir das tun, kann sich daraus eine Chance für eine positive Reputation ergeben,

Sieht Etienne Schneider das genauso?

Das ist die Vision im Rifkin-Bericht zur „dritten Industriellen Revolution“. Etienne Schneider hat Jeremy Rifkin nach Luxemburg geholt. Rifkin hat nichts anderes empfohlen, als eine kluge ökonomische Entwicklung anzustreben, die vom Ressourcenverbrauch entkoppelt und dekarbonisiert ist. Wir hatten in den letzten Wochen immer wieder Diskussionen. Wir sind uns darüber einig, wie wir die Politik zur Ansiedlung von Betrieben in Zukunft ausrichten. Sonst würden wir uns ja nicht mehr an die Ziele halten, die sich die Regierung nach dem Rifkin-Bericht gegeben hat. Die Frage ist eher, wie gehen wir jetzt mit einem Beispiel um, das Rifkin noch nicht entspricht? Ich finde, man kann sich nicht ein Leitbild geben, aber dann etwas anderes wollen. Diese Diskussion führen wir zurzeit.

Peter Feist
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