Tzeedee

Vokale Klangmagie

d'Lëtzebuerger Land du 15.02.2013

Sascha Ley ist und bleibt eine Vollblutkünstlerin. Man hat sie als faszinierende Interpretin der Songs von Kurt Weill und Georg Kreisler bewundert, als Femme fatale in den Projekten Lola Blau, Das mit den Männern und den Frau’n oder Femme totale und natürlich als aus dem musikalischen Leben Luxemburgs nicht mehr wegzudenkende Jazzikone. Derzeit probt sie Strindbergs Der Totentanz – Premiere ist am 20. Februar in der Tetinger Schongfabrik – und stellt am 1. März das neue Album ihrer Trioformation Kalima im Rahmen eines Konzerts in der Neumünsterabtei vor.

Everything within heißt die CD, und der Titelsong, die letzte Nummer des Albums, ist gleich Programm: A child like me – a girl so happy, / Wants to sing wants to dance wants to talk… Bei Kalima ist Sascha Ley in der Tat das verspielte Mädchen, das mit allen Facetten ihrer Stimme jongliert, das einen originellen kammermusikalischen Jazz hinlegt, der bunt und knallig ist, schmeichelhaft und sensibel, mit Einflüssen aus Indien, Afrika, dem Nahen Osten und natürlich Europa und den Vereinigten Staaten, der Heimat von Jazz und Blues. Everything within ist, nach dem Debüt-Album Kalima von 2010, die zweite Scheibe der Band, der neben Sascha Ley die Pianistin Laia Genc und die Saxophonistin und Klarinettistin Anne Kaftan angehören. Mit dieser ungewöhnlichen Trioforma-tion aus Klavier, Sopransaxophon, beziehungsweise Bassklarinette und Vocals, gehen die drei Frauen seit 2008 regelmäßig auf Tour. Neben Auftritten in Luxemburg haben es Sascha Ley, Laia Genc und Anne Kaftan zur Kölner Musiknacht, zum Jazzfestival Prevenza oder zum Tremplin Jazz-Festival nach Avignon verschlagen, wo sie 2009 mit dem Publikumspreis ausgezeichnet wurden.

Wie schon das Debütalbum legt auch Everything within ein unglaublich vielseitiges und abwechslungsreiches Klangspektrum offen, ein Repertoire, das von mystischen Balladen über geistreiche Jazz-improvisationen bis hin zu spritzigen exotischen Rhythmen reicht. Es ist nicht einfach, diese Musik stilistisch zu lokalisieren. Ist es Modern Jazz, Kammerjazz, World music, Blues? Oder, anders gefragt, muss es für jede Musik eine Schublade geben? Die Musik von Kalima macht einfach Spaß. Es ist eine pure Freude, in diesen Klang einzutauchen, zuzuhören wie Sascha Ley die ersten Takte von High Moon wie ein Wiedehopf gurgelt, wie sie, begleitet von Laia Genc am Klavier, mit ihrem Vocal Jazz Spannungen auf- und abbaut, oder wie Anne Kaftan ihrem rauchigen Saxophon und der dunkel-organischen Bassklarinette Leben einhaucht. Die zum überwiegenden Teil von Sascha Ley selbst geschriebenen Songs sind weit mehr als melancholische Balladen: Nummern wie Journeys of Silence sind individuell ausgelegte Kompositionen, die ihren ganz eigenen Charme und Charakter besitzen. Dazu das matt silberne Timbre und die sorgfältig geschliffene Artikulation der Sängerin: Between the world and me / Lies a universe with its mystery.

Das sicher schillerndste Stück der Platte ist die Nummer Bangalore, benannt nach der gleichnamigen Metropole, dem so genannten Silicon Valley Indiens, das im Sommer letzten Jahres in den Schlagzeilen war, weil dort eine falsche Droh-SMS eine Massenflucht tausender Menschen ausgelöst hatte. Gemeinsam mit dem Schlagzeuger Ramesh Shotham gelingt Sascha Ley hier eine berauschend exotische Klangkulisse, die einen in ihren Bann zieht. Das in den Ludwigsburger Bauerstudios für das deutsche Label Neuklang aufgenommene Album ist ein weiterer Meilenstein in der Karriere von Sascha Ley, der das Profil dieser inspirierten Künstlerin erweitert.

Das Release-Konzert des neuen Kalima-Albums findet am 1. März um 20.00 Uhr im Robert-Krieps-Saal der Neumünsterabtei statt. Bestellungen: Tel. 26 20 52-444; www.ccrn.lu; billetterie@ccrn.lu. Weitere Informationen zum Album auf www.jail.lu oder www.kalima.biz.
Marc Fiedler
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