Die kleine Zeitzeugin

Frauentag, uff!, vorbei

d'Lëtzebuerger Land du 15.03.2019

Frauentag, ein bisschen wie Weihnachten, gut wenn es vorbei ist. Was frau an diesem Tag alles zu tun hat, zumindest das Gefühl hat, tun zu müssen. Wie soll sie diesen denkwürdigen Tag gebührend begehen? Mit Kampfgeist, Party aber auch, nur keine dröge Feministin sein, Spaßbremse. Beglückwünschen, sich und Mitfrauen, dass sie frau ist, obschon sie frau ist oder weil oder damit sie noch mehr frau sein kann. Frauwowwow! Likelikelike. Freundinnen anrufen, Frauentagsfrauenfrühstück, Frauentagsfrauenzuprosten, an einem Ort, wo frau Aufbauendes sagt. Powersisters empowern, dann tanzen alle wie die Wilden. Und ja, a billion rising, hätte ich fast vergessen, wo findet das statt? Bis man das alles rausgefunden hat. Da ist der Frauentag schon vorbei. Müsste man einen extra freien Tag kriegen, zum sowieso in kaum welchen Herren Ländern freien Frauentag.

Ah ja, a billion rising. Wegen gegen Gewalt. Das Wichtigste sowieso. Und das mit dem Lohn natürlich, puh, ist das erschöpfend, es gibt so viel, was es nicht gibt, oder kaum.

Das mit dem Lohn, meine Putzfrau putzt gerade, während ich das mit dem Lohn, wegen dem Lohn, aber ich tu das ja auch für sie. Und soll sie auf die Knete verzichten, sie braucht sie ja, sie ist ja nicht festangestellt. Wegen der Demo? Und ich brauch sie, so ergänzt sich das.

Zu allererst mal gedenken. Der Schwestern von gestern, aber auch derer von morgen. Und dann Hi Sisters von heute, Bio oder nicht Bio, es gibt so viele Sorten, alle denken ein bisschen anders anders. Was ist das überhaupt, so eine Fr-Au?! Da fängt es schon an, und es hört nicht auf, es gibt traditionelle Optionen, aber immer fällt einer was Neues ein, plötzlich erschienen uns Sternchenfrauen. Dann wieder Ururaltes, Wurzelzeug, von grün bis bräunlich. Matriarchinnen buddeln Gebärmuttergöttinnen aus und die Ektogenese-Fan_innen vorfreuen sich schon auf Kinder, die nicht weh tun.

Ach, Frauen, vergessen wir das ganze Frauenzeug, frauen wir uns einfach. Bisschen an der frischen Luft sein, sich dabei Luft machen und auf die Pauke hauen. Aber niemand verhauen, bloß nicht Kinder und Männer traumatisieren! Niemand die Augen auskratzen, nicht mit Tampons schmeißen oder den Inhalt von Menstruationstassen über Schädel von welchen kippen, die unempathisch rüber kommen. Nur kein Blut an den Händen. Selbst wenn frau sich für die herbe Variante Frauenkampftag entscheidet, antikapitalista antirassista und zumindest ein Gender null welcome ist. Weil wenn frau in einer größeren Stadt lebt, hat sie ja auch noch die Frauentagsdemoqual, mit welchen Schwestern soll sie dämonstrieren?

In Berlin gibt es farbenfroh-sinnlichen Karneval. Vulva und Klitoris paradieren, Schamlippenblütler_in promeniert, sogar ein Tampon stolziert herum. Nie-Mann-d muss sich das entgehen lassen, die Männer kriegen sogar frauentagsfrei. Die Frauen gendergerecht aber auch. Frauentagsfreiheit gibt es in einigen Weltteilchen ja schon. In der DDR selig gab es ihn, jetzt in Angola, Weißrussland, Kirgisistan. Unter anderem. Und in Berlin. In China ist frauennachmittagfrei.

Frau Frau Frau auf den Titelseiten, in den Frauentagssendungen, in den Frauentagsspezialsendungen voll von voll motivierten Frauen. Jungfrauliches, der Skalp alter weißer Männer wird gefordert, Altweiberrefrains. Immer noch eine Frau, die was zu Frau sagt oder klagt. Nimm Frau!, schluck Fr-au! You too! Es fraut einer während Tagen, sie kriegt ihre Dosis, schluckt Riesenportionen Frau, kriegt sie in allen Mäh- dien serviert, weil für Frauentag reserviert.

Frauen, echt jetzt, wirklich?, schreiben nämlich gleich ganze Literaturbeilagen voll. Sie sind im Weltraum und in der Wüste, sie womanagen Wirtschaftsimperien, danach wird die Hausaufgabe vom Nachwuchs korrigiert. Sie operieren, dirigieren, menstruieren.

Ein Blümchen in Empfang nehmen, dabei kämpferisch-frauentagsfraulich schauen, nicht allzu unversöhnlich. Die Töchter anstupsen, die Söhne auch, eine Ungenügend in Feminismus riskieren.

Dennoch, voll fraubefriedigt frau, war wieder echt super geil nett.

Wenn ich noch mal gläserne Decke höre, gehe ich die Wände hoch.

Michèle Thoma
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