Botzler, Uli; Hoffmann, Guy: Eist Éislek

Käserinnen und Sargschreiner

d'Lëtzebuerger Land du 06.12.2001

Es gibt ein Land, wo es nie regnet, und wo es mehr Pferde als Autos gibt. Es ist das Ösling. Zumindest jenes Ösling, das Guy Hoffmann für das Geschenkbuch Eist Éislek. Begegnungen in den Luxemburger Ardennen fotografiert hat.

Denn das auf Wunsch in Deutsch, Französisch oder Englisch erhältliche Album ist eine Art Fortsetzung von Luxemburg kulinarisch, Eis Musel und D'Stad Lëtzebuerg, die der Verlag Guy Binsfeld rechtzeitig für das Weihnachtsgeschäft mit Präsubskription, Subskription und Werbepartner RTL herausbringt. Wobei "Geschenkbuch" nicht missverstanden werden darf, denn der Ladenpreis ist nicht gerade geschenkt. Dafür bietet es großformatige Farbfotos und schweres Glanzpapier im Schuber satt, und bis auf die Seitenzahlen und Kapitelüberschriften verzichtet es weitgehend auf den üblichen Layout-Kitsch.

Autorin Uli Botzler schien die Erkundung des Öslings aufrichtig Spaß gemacht zu haben, jener im Zentrum und Süden als Reliktgebiet empfundenen Gegend, deren ripuarisch gefärbtes Lëtzebuergesch selbst bei Ministerinnen als Zeichen von Hinterweltlertum belächelt wird. Botzler schwärmt von der rauen Landschaft, macht ihre Themen immer wieder an Porträts einzelner Personen fest, begleitet Bauern und Käserinnen, Briefträger und Viehärzte bei der Arbeit und sucht die schrulligen Charaktere auf, die im ländlich geprägten Norden überlebten oder sich dorthin zurückzogen. In Bauschleiden entdeckt sie Joffer Mariechens "Épicerie wie aus dem Spielzeugkatalog" (S. 10) und in Pintsch Rob Felten, "nicht nur der beliebte Wirt der Konter a Mitt-Gaststätte Beim Schrainer, sondern gleichzeitig Dorfschreiner und Sargmacher" (S. 168).

Doch nicht nur der Stausee, die Vermarktung des Öslings als Ökomuseum, die Rundstedt-Offensive und die Forstwirtschaft werden farbenreich beschrieben. So weit es im Rahmen eines der Idylle verschriebenen Albums gelitten scheint, erwähnt die Télécran-Journalistin auch aktuelle Probleme der Gegend, wie die Krise der Landwirtschaft und die Vergreisung der Dorfbevölkerung. Doch gefolgt von einer Breitseite Schiefer [&] Ginster wirken auch sie noch pittoresk.

Uli Botzler, Guy Hoffmann: Eist Éislek. Begegnungen in den Luxemburger Ardennen, Éditions Guy Binsfeld, Luxemburg 2001, 235 S. 3 975 Fr.

Romain Hilgert
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