True Detective

Katz-und-Maus-Spiel

d'Lëtzebuerger Land vom 08.07.2016

Endlich liegt sie im Briefkasten, die zweite Staffel der Serie True Detective. Wenn sie hält, was die erste Staffel versprochen hat, dann kann man sich auf rund acht Stunden fesselndster Unterhaltung freuen, denn in der ersten Staffel hat alles gepasst.

In dichter Stimmung erzählt Hauptautor und Regisseur Nic Pizolatto von einer grausamen Ritualmordserie, zwei extrem unterschiedlichen Detectives und von politischen Machenschaften. In starkem Kontrast zum sehr engen Fokus auf die Persönlichkeiten der ermittelnden Staatspolizisten Marty Hart (Woody Harrelson) und Rust Cohle (Matthew McConaughey) steht die weite Landschaft Louisianas,

deren Schönheit Industrieanlagen immer wieder Grenzen setzen. Die Bayous haben etwas Geheimnisvolles, Beängstigendes.

Erzählt wird die Geschichte über weite Strecken von Cohle und Hart selbst, die 17 Jahre nach den Ereignissen noch einmal zu dem Fall befragt werden. Allein schon diese Szenen machen die Geschichte sehenswert. Es ist ein Katz-und-Maus-Spiel höchster Qualität, in dem beide Seiten versuchen, die andere auszuloten. Wie Matthew McConaughey den heruntergekommenen, hochintelligenten Polizisten gibt, der es schafft, die gegen ihn ermittelnden Kollegen mit seiner fatalistischen Lebenssicht zu verunsichern, ist hohe Kunst und ein intensiver Genuss. Künstlerisch und dank der unheimlich eindringlichen Dialoge auch intellektuell.

True Detective 1 bietet also eine hohe Vorlage, und man fragt sich, ob True Detective 2 da herankommen kann. Tatsächlich ist die zweite Staffel anders. Zwar ist auch dort der Titel Programm, denn unter „wahrhaften Ermittlern“ versteht das kreative Team Profis, die gegen die Machenschaften und Interessen der Herrschenden in Politik und Gesellschaft ihren Job zu Ende bringen wollen. Und dieser Job ist nun mal, den richtigen Täter zu finden und nicht einen, mit dem die „Würdenträger“ leben können. Und wie in jedem guten Krimi haben die Detectives ihre Probleme, eine konfliktreiche Vergangenheit und manchmal sogar richtig Dreck am Stecken.

Im Gegensatz zur ersten Staffel blickt die zweite nicht auf 17 Jahre zurück, sondern geht stetig vorwärts, was ihr auch einen schnelleren Rhythmus verleiht. Der Zuschauer wird dadurch zum Mitentdecker der Story sowie der Charaktere und ihrer Entwicklung. Wieder gibt es einen Mord, in den Politik und Geschäftswelt verwickelt sind. Schnell wird klar, dass eine Aufklärung des Falls nicht erwünscht ist – die Strippenzieher in der Gesellschaft von Vinci, einem Industrievorort von Los Angeles, in dem auch zwielichtige Geschäftsmodelle florieren, haben kein Interesse daran.

Rachel McAdams, Colin Farrell und Taylor Kitsch verkörpern die Detectives. Die Suche nach dem Täter gestaltet sich ebenso lange und verschlungen, wie sich die Autobahnen durch die bergige Küstenlandschaft von Big Sur ziehen, so geheimnisvoll und schicksalsgeladen, wie die Lieder, die Lera Lynn einsam in einer fast leeren Bar singt, die in ihren dunkel gehaltenen grün-braun-Tönen an Gemälde von Edward Hopper erinnert.

True Detectives 2 ist anders, deswegen aber nicht schlechter, wie manche Kritiker meinten. Es ist wieder eine Geschichte von Ermittlern, die mit sich und gegen das System kämpfen, bei der die Macher sich Zeit dafür ließen, die Entwicklung der Story erfahrbar zu machen. Großes Storytelling, großes Kino.

Jutta Hopfgartner
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