Luxair

Machtkampf

d'Lëtzebuerger Land du 09.12.1999

Donny Calmes, Generaldirektor der Luxair, hat offensichtlich Probleme, die Betriebskultur der Luxemburger Luftfahrtgesellschaft zu ändern. Er stößt auf erhebliche Widerstände und ist zum Buhmann der einheimischen Presse geworden, die ansonsten den sogenannten nationalen Gesellschaften in allen Situationen die Treue hält. Hintergrund der Kampagne gegen den Generaldirektor ist freilich ein Machtkampf zwischen ihm und seinem Vorgänger. Der Machtkampf zwischen Calmes und dem Vorsitzenden des Verwaltungsrates, dem früheren Generaldirektor Roger Sietzen, dürfte auf der für Mitte Dezember einberufenen Verwaltungsratsitzung entschieden werden. Bei der Durchforstung der  Buchhaltung seines Vorgängers stieß Calmes auf Praktiken - u.a. ein Fonds für Zusatzversicherungen, der nicht in den Luxair-Bilanzen auftauchte, sowie bewusst übertriebene Steuerprovisionen  -, die Sietzen zuzuschreiben sind und nicht unbedingt im Interesse der Aktionäre liegen. Calmes, der selbst durch strategische Fehlentscheidungen die Kritik des Verwaltungsrates auf sich gezogen hat, hat die Aktionäre mit einem umfangreichen Sündenregister der Ära Sietzen befasst und den Kopf von Finanzchef JP Walesch gefordert. Wallesch ist einer der beiden noch verbleibenden Mitglieder der Direktionsetage aus Sietzen-Zeiten. Damit hat Calmes indirekt auf Sietzen gezielt. Im Umkreis der Aktionäre wird von einer "deplorablen Situation" gesprochen. Der Verwaltungsrat, der sich letzte Woche in dieser Angelegenheit zweimal getroffen hat, vertagte seine Entscheidung auf Mitte Dezember. Inzwischen machen beide Lager mobil. Wer von Calmes und Sietzen den Machtkampf gewinnt, ist noch nicht abzusehen, da der größte Teilhaber der Luxair, der Luxemburger Staat, sich bedeckt hält. Der Regierungsrat ist heute mit einem Lagebericht von Regierungskommissar Jean Morby befasst.

marc gerges
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