Kultur und Freizeit in Luxemburg und Umgebung

Nur für Szenekenner?

d'Lëtzebuerger Land vom 29.07.2016

Pack die Badehose ein, nimm dein kleines Schwesterlein und dann nichts wie los an den Stausee, könnte man in luxemburgischer Anlehnung an den deutschen Schlager der Berliner Göre Conny Froboess singen, angesichts des Sommers. Im Stauséi zu baden und danach in eines der Restaurants oder Cafés in der Umgebung einzukehren, ist eine wunderbare Freizeitbeschäftigung – wenn die Sonne scheint. Was aber, wenn sich die Wettervorhersage vom strahlend blauen Himmel mal wieder als falsch entpuppt oder einem nicht nach Schwimmen ist? Wo sich über alternative Aktivitäten informieren? Journalisten bekommen diverse Newsletter in die Redaktion geschickt, für jemanden, der sich nicht in der Szene auskennt, ist die Aufgabe kniffeliger.

Also den Test gemacht und eine Freundin gefragt, bitte ein Programm für ein Erlebnis-Wochenende im Ländle zusammenzustellen. Als Hilfsmittel gibt es einen Computer und eine Tasse Kaffee. Ein Blick auf den Verlauf nach zehn Minuten Klicken sagt einiges über die Schwierigkeiten aus, sich im kulturellen und Freizeitangebot in Luxemburg und Umgebung zurechtzufinden. Zunächst hat die Freundin, gar nicht dumm, intuitiv das Office national du tourisme angesteuert. www.visitluxembourg.lu lockt mit Freiluft-Kinoabenden in der Hauptstadt oder Ausflügen zum neu eröffneten Biodiversum bei Remerschen. Es gibt Angebote wie mit dem Fahrrad das Müllerthal zu entdecken oder mit dem Kanu die Sauer.

Doch die Mühen quittiert die Gruppe mit kaum verhohlenen Gähnen: „Kenne mir schon, gëtt ëtt näischt aneschtes, eppes Aktuelles, vläicht Kultur?“ Also eine neue Suchanfrage gestartet, diemal mit den Schlagwörtern „Kultur“ und „Luxemburg“. Ganz oben erscheint www.culture.lu – die Internetplattform für Kulturtermine im ganzen Land. Von Workshops im Naturmuseum über Freiluft-Gratiskonzerte im Kulturhuef Grevenmacher gibt es dort vieles zu entdecken. Konzerte jedoch, die privat organisiert werden und nicht öffentlich subventionierte Kulturveranstalter fallen schnell mal durchs Netz. Außerdem wendet sich das Angebot eher an Kulturschaffende; es gibt Tipps zur Fördermittelsuche, zu Praktika im Kulturbereich ebenso wie Stellenangebote, aber wo das nächste Open-Air-Festival stattfindet, ist nicht direkt ersichtlich.

„Wie wäre es mit einem Musikkonzert in der Großregion, wir haben doch ein Auto oder könnten mit dem Zug fahren?“, kommt ein Zwischenruf. Also „Großregion“ mit „Kultur“ kombiniert, sodann erscheint an erster Stelle www.plurio.net. Die Internetplattform, die 2004 ins Leben gerufen wurde und mit Geldern des Kulturministeriums finanziert wird, führt Kulturangebote aus Lothringen, Luxemburg, dem Saarland, Rheinland-Pfalz und Wallonien zusammen, dies in Zusammenarbeit mit den dortigen Kulturministerien und regionalen Kulturräten. Das gemeinsame Sekretariat hat die Agence luxembourgeoise d’action culturelle ASBL inne, die ihren Sitz in Luxemburg-Stadt hat.

Von nützlichen Adressen in der Großregion über Festivals bis hin zu Stellenangeboten ist auf plurio.net (in drei Sprachen) vieles zu finden. Auch ein eigener Menü-Unterpunkt „Kultur mit Kindern“ existiert. Allerdings gibt es ähnliche Blindflecke wie bei www.culture.lu: Veranstaltungen, die privat organsiert werden, finden kaum den Weg auf die öffentliche Webseite. Im Prinzip können Vereine, die ihre Veranstaltung ankündigen wollen, das tun. Allerdings unter bestimmten Auflagen. Der Prozess ist etwas umständlich, die Registrierung klappt nicht immer reibungslos, berichten Kulturschaffende.

Parteitage und Events von Parteien ebenso wie religiöse Veranstaltungen kommen nicht ins Programm, das ansonsten so komplett ist wie die Zusammenarbeit mit den Koordinatoren in den Regionen: „Wir haben Koordinatoren in jeder Region, die mit den Gemeinden und Kulturinstitutionen zusammenarbeiten. Sie schicken uns ihre Daten“, erklärt die Koordinatorin für Luxemburg, Tessy Fritz. Je nachdem, wie gut diese vernetzt sind, so gut ist das Angebot, das aus dem Regionen in den Kalender gestellt wird. Für Wallonien ist der Hauptlieferant www.wallonie.agenda.lu, für Lothringen ist es www.mylorraine.fr.

Der Kalender wird täglich aktualisiert. Auf der Aufmacherseite gibt es Höhepunkte der vier Regionen. Und sie ist wirklich eine Fundgrube – allerdings muss ein Nutzer wissen, wie er sich am besten durch die Menü-Unterpunkte durchklickt. Seit einiger Zeit gibt es eine Seite für die Jugend, die www.grrrr.eu, wobei ein R für das jeweilige R in Rheinland-Pfalz, Saarbrücken, Luxemburg und Lothringen steht. Das ist aber so sehr um die Ecke gedacht, dass ohne Anleitung kaum jemand auf die Seite stoßen dürfte.

Wer nicht im Internet suchen mag, sondern Veranstaltungstipps auf Papier nachlesen will, kann dieses ebenfalls tun: Das zweisprachige (Französisch und Englisch) City-Mag informiert vor allem Expats über Aktivitäten in der Hauptstadt, Esch-Alzette veröffentlicht jeden Monat einen Veranstaltungskalender. Auch die Wochenzeitung Woxx hat einen eigenen Kulturkalender. Anders als im Land, das im Tablo auserlesene Kultur-Leckerbissen der Woche vorstellt und bewertet, hat die Woxx den Anspruch einen kompletten Veranstaltungskalender zu bieten. Mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg: „Wir sind so gut wie die Informationen, die wir geliefert bekommen“, unterstreicht Woxx-Kulturredakteur Luc Caregari. Kleiner Haken: Um die Agenda zu finden, muss man die Zeitung kennen. Die Woxx-Agenda ist zwar im Netz abrufbar, aber wer die Worte „Kultur“, „Kalender“, „Luxemburg“ eingibt, erhält von der größten Suchmaschine keinen Hinweis darauf.

Ines Kurschat
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