Films made in Luxembourg

Ein letztes Mal Trouble

d'Lëtzebuerger Land vom 02.04.2010

Wenn Punkrocker und Politiker sich im Kino zum selben luxemburgischen Film treffen, kann fast nur Regisseur Andy Bausch dahinter ­stecken. So auch am vergangenen Mittwoch, als Trouble No More Pre-miere feierte. Der letzte Teil der bekannten Gauner-Trilogie ist unterhaltsam, selbstironisch und vor allem eine gelungene Hommage an Thierry van Werveke.

Jacques Guddebuers letzter Raubüberfall war ein Fiasko: Die Bank, in die er bewaffnet herein stürzte, wurde kurz vor seiner Ankunft bereits überfallen. Die Beute, die übrig geblieben ist, hätte nicht einmal für eine Kaution gereicht. Jacques rennt los. Auf der Flucht gelangt der Ganove dann ausgerechnet in eine ­Polizei-Parade, steht plötzlich vor einer Menschen-Pyramide aus Polizisten, die ihre akrobatische Darbietung sogleich unterbrechen und die Waffen zücken. Die ersten Schüsse sind zu hören. Jacques wird von etlichen Kugeln getroffen und so wird der missglückte Raubüberfall zum Ende des „Johnny Chicago“.

Diese Geschichte macht vor allem in Gefängnissen die Runde, wo Chicago als Legende gefeiert wird. Die Menschen, die Jacques zurückgelassen hat, werden aber immer noch mit seinem Ruf konfrontiert. Vor allem seine Tochter Tess (Nora Koe-nig), die heute als Polizistin arbeitet, muss sich dauernd Bemerkungen sowohl von Kollegen, als auch von Kriminellen anhören. Jonnys Frau Jenny (Nicole Max) hat es ebenfalls satt, in neue kriminelle Geschichten verwickelt zu werden.

Kein Wunder also, dass beide Jacques’ Asche nicht Chuck Moreno (Ender Frings) überlassen wollen, der aus dem Gefängnis ausgebrochen ist und die Überreste seines ehemaligen Komplizen nach Chicago bringen will. Das Geld für die Reise besitzt Chuck Moreno natürlich nicht, doch für einen erfahrenen Bankräuber ist für finanzielle Probleme bekanntlich schnell eine Lösung gefunden. Den großen Coup kann Moreno allerdings nicht selbst ausführen: Er sucht nach seinem Ausbruch sofort Jacques’ Bruder Ray Guddebuer (Marco Lorenzini) auf, der bei der städtischen Müllabfuhr tätig ist und keine krummen Dinger mehr drehen will. Doch der Gefallen, um den ihn Moreno bittet, klingt doch sehr verlockend. Die Ganoven sind jedoch leicht aus der Übung geraten, und so kommt es zu einem letzten Überfall, der der Trouble-Trilogie ein tragisches Ende setzt.

Trouble No More steht, wie erwartet, ganz im Zeichen von Johnny Chi­cago, der bekanntesten Rolle von Schauspielerlegende Thierry van Werveke, der im Januar 2009 verstarb. Es war van Wervekes Wunsch, diese Trilogie fertig zu stellen, und so nahm Bausch verschiedene Änderungen im Drehbuch vor. Van Werveke besetzt 22 Jahre nach seinem Trouble-Debüt durch clevere filmerische Tricks weiterhin die Hauptrolle, oft in einer makaberen Art und Weise, die dem Schauspieler sicherlich gefallen hätte. Doch Andy Bausch hat auch junge Schauspieler rekrutiert: Nilton Martins spielt Jorsch, der ebenfalls in der Müllabfuhr arbeitet und zusammen mit Zisou (Hervé Sogne) den Altganoven Moreno und Ray Guddebuer beim letzten Überfall hilft. Auch Nora Koenig ist in der Rolle der Tess Guddebuer Teil der neuen Trouble-Generation.

Die Stärken des Films liegen, wie bei Troublemaker (1988) und Back in Trouble (1997), bei der oft skurrilen Darstellung luxemburgischer Kultur. So muss sich Ray für einen Gelegenheitsjob als Superjhemp verkleiden, um in einer Cactus-Filiale Flugblätter zu verteilen. Dass er in dieser Aufmachung zufällig zwei Banditen das Handwerk legt, sorgt sowohl bei Bekannten als auch bei Polizisten für Erstaunen. Arbeitskollegen setzen ihm ein Töpfchen Kochkäse in den Spind; ein Detail, das im Kinosaal für viel Gelächter sorgt. Auch die gewagte Anspielung auf die großherzogliche Familie und die Entspannungsmethoden der Großherzogin gehören zu den komischeren Momente des Films, bei dem jedem klar wird, dass Trouble No More luxemburgischer wohl nicht sein könnte.

Die Drehorte des Films befinden sich, bis auf wenige Ausnahmen, größtenteils in Luxemburg. Andy Bausch hat hier ganze Arbeit geleistet: Die anrüchige Bar, in der Ray auf Jenny trifft, die Industriebrache und die dunklen Gassen, die nichts Gutes verheißen, bilden ein ästhetisches Gesamtbild von Andy Bauschs luxemburgischer Unterwelt, in der manchmal sogar die Beute nicht glitzert. Trouble No More spiegelt die landesübliche Sprachenvielfalt auf gewohnte Art und Weise wider: Es wird nicht nur auf Luxemburgisch geflucht und geschimpft, sondern auch auf Französisch und Portugiesisch. Die Dialoge im letzten Teil der Trilogie sind, wie bei den Vorgängern, rau und vulgär, und obwohl meistens lustig, erinnern verschiedene Gespräche jedoch sehr an den biederen Humor einer Déckkäpp-Sitzung.

Hinzu kommt, dass die Bösewichte des Films ein wenig einseitig daherkommen, da ihnen außer ihrer Gemeinheit nicht viele Charakterzüge zu eigen sind. Doch alles in allem ist Trouble No More ein unterhaltsamer Film, der wie schon die vorigen Trouble-Filme vor luxemburgischer Selbstironie nur so strotzt und damit in der Luxemburger Filmwelt noch allein auf weiter Flur steht. Auch die humorvollen Szenen mit Thierry van Werveke und die nostalgischen Rückblicke im Film, setzen der Schauspielerlegende ein würdiges Denkmal.

Claire Barthelemy
© 2017 d’Lëtzebuerger Land