Das Naturmusée wird umgebaut

Evolution einmal anders

d'Lëtzebuerger Land du 17.05.2013

An diesem Samstag und Sonntag um 16 Uhr ist es soweit: Dann können Interessierte die Pläne zum Umbau der Dauerausstellung des Naturmuseums in Augenschein nehmen. Und zwar nicht einfach hinter einem Vitrinenfenster abgelegt, sondern von Chefgestalter Wieland Schmid und den Experten des Museums persönlich erklärt.

Schon länger planen Naturmuseumsleiter Georges Bechet und sein Team, die Dauerausstellung und ihre Räume zu erneuern. Zum einen ist die technische Infrastruktur, die noch aus den 90-er Jahren stammt, veraltet und muss modernisiert werden. Auch die Klimatisierung wird generalüberholt. Insgesamt sind drei Bauphasen veranschlagt, im Herbst soll es losgehen.

Mit der baulichen Umgestaltung eng verbunden, ist die inhaltliche Umstrukturierung. Wobei nicht alles komplett auf den Kopf gestellt wird: „Der Mensch und das Leben auf der Erde ist immer noch eines der Themen, das im Mittelpunkt stehen wird“, erklärt Museumssprecher Patrick Michaely. Es gehe darum, die große Kollektion besser in Szene zu setzen. „Wo wir in der Vergangenheit vielleicht keinen durchgängigen roten Faden hatten, soll nun einer entstehen“, sagt er. Ziel sei es, neben neuen auch regelmäßige Besucher neugierig auf das vielfältige Programm und die Aktivitäten des Museums zu machen, das eine eigene Forschungsabteilung hat. Und Exponate besser sichtbar zu machen, die aus Platzmangel bisher nicht gezeigt wurden, etwa faszinierende Mineralsteine. Sie sollen nun ihren festen Platz bekommen.

Damit das gelingen kann, hat sich das Museum Hilfe von außen geholt. Wieland Schmid ist in der Museumsszene in Luxemburg kein Unbekannter, er und sein Atelier haben sich schon einen Namen bei der Gestaltung des Rosporter Museums gemacht. Dort ihn auch Georges Bechet kennen und schätzen gelernt. „Was ich dort gesehen habe, die szenische Umsetzung, hat mir gut gefallen“, lobt der Direktor.1,6 Millionen Euro stehen für die inhaltliche Neugestaltung zur Verfügung. Das ist kein überdimensioniertes Budget, aber erlaubt schon größere Veränderungen.

„Die größte Veränderung wird sein, dass wir uns von der Schaufensterausstellung wegbewegen“, verrät Wieland Schmid am Telefon mit dem Land. Das ist nicht abfällig oder böse gemeint. Es ist nicht lange her, da war es in vielen Museen durchaus üblich, Besuchern Exponate quasi zu servieren, garniert mit mehr oder weniger ausführlichen und verständlichen Texten. Als das Luxemburger Naturkundemuseum im Dezember 1996 seine Türen im Grund für die Öffentlichkeit wieder eröffnete, sei der pädagogische Ansatz durchaus innovativ gewesen, meint Leiter Bechet. Es wurden Filme gezeigt. Die robust gebauten Vitrinen waren so aufgestellt, dass sie flexibel bestückt werden konnten.

Doch in 17, 18 Jahren hat sich vieles verändert, besonders auf technischer Ebene. Was früher noch begeistern konnte, etwa per Knopfdruck eine Stimme zu hören, sorgt heute eher für Achselzucken. „In vielen Kinderzimmern steht mehr Technik, als wir im Museum haben“, sagt Bechet. Es gehe ihnen nicht darum, „jetzt alles auf neue Medien umzustellen, die so neu nicht mehr sind“, betont er. Botschaften und Fragestellungen, etwa zur Evolutionstheorie, sollen mit Hilfe von besser in Szene gesetzten Exponaten an die Frau und den Mann gebracht werden. Technik wird gezielt eingesetzt, um verschiedene Ebene zu vernetzen, auch Datenbanken und andere Auskünfte sollen den Besuchern zur Verfügung stehen. „Wir denken an eine Art Kodierkartensystem“, sagt Wieland Schmid. Genaueres will er nicht verraten, die Idee lieferte das British Natural Museum in London. Dort können Besucher sich zu verschiedenen Themen Informationen zusammenstellen und diese zuhause nachbereiten.

Das Publikum des Luxemburger Naturkundemuseums besteht, anders als viele glauben, längst nicht nur aus Luxemburger Schulklassen und Familien. Ein Drittel, so hat eine vom Museum in Auftrag gegebene Umfrage ergeben, ist über 40 Jahre alt. Sie interessieren sich für Landeskunde, manche bezeichnen sich selbst als natur- und wissenschaftsinteressiert. Die meisten kommen aus Luxemburg und der Großregion, Touristen sind darunter, aber sie machen nur einen kleinen Teil aus.

Das ist auch eine Aufgabe des Museums: Die Natur, die Biodiversität des Herzogtums und ihre Veränderung im Laufe der Zeit zu zeigen. Dafür hat das Museum eine Datenbank angelegt, in der interessierte Naturfreunde ihre Beobachtungen einstellen können. Sie soll Teil der Ausstellung werden. „Wir wollen unsere Forschungsaktivitäten bekannter machen“, sagt Patrick Michaely.

„Der große Anteil der Erwachsenen war auch für uns überraschend“, räumt der Museumssprecher ein. Sie sollen mit der Erneuerung gezielt angesprochen werden. Ist es ein schwieriger Spagat, Kinder und Eltern gleichermaßen für eine Ausstellung zu begeistern? „Nicht wirklich“, findet Wieland Schmid. Wichtig sei, beide, Groß und Klein, neugierig zu machen, mehr erfahren zu wollen. „Wir geben den Anstoß und den Rahmen. Vertiefen kann dann jeder nach Belieben“, erklärt Georges Bechet.

Wie das am besten gelingt, beraten darüber Experten des musealen Service éducatif, der Direktion, Wieland Schmid und Architekten des Bautenministeriums gemeinsam in Arbeitsgruppen. Die Räume im ersten Stock, wo sich die permanente Ausstellung befindet, sollen auch technisch flexibler gestaltet werden, so dass Schulklassen in einer Ecke arbeiten können oder Filme und andere Projektionen gucken können.

Drei Jahre soll der Umbau dauern. Das Vorgehen in Etappen ermöglicht, den Museumsbetrieb zumindest teilweise aufrecht zu erhalten. Für die Unannehmlichkeiten entschädigen soll später eine Schwerpunktausstellung rund um das Thema Katzen. Damit ist nicht nur die niedliche Hauskatze gemeint, die auf Youtube ein Millionenpublikum entzückt. Wie bei der Bärenausstellung, dem Ausstellungs-Schlager schlechthin bislang, sollen Hintergrundinformationen und entsprechende Exponate zu finden sein. „Auch Großkatzen“, verspricht Georges Bechet. Klingt, als wäre der nächste Publikumsrenner schon sicher.

Ines Kurschat
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