Eurozone

Währungskrise

d'Lëtzebuerger Land vom 15.04.2010

Durch die Aufregung um die Tripartite war in den letzten Tagen fast übersehen worden, dass wir uns auch in einer Währungskrise befinden. Und so wurde vielleicht die Tragweite des Manövers unterschätzt, das am Wochenende beschlossen wurde, um den Euro und nebenbei den griechischen Staatshaushalt zu retten. Denn seit Februar 1982, als die belgische Regierung ziemlich einseitig den belgisch-luxemburgischen Franken um satte 8,5 Prozent abwertete, war in Vergessenheit geraten, dass sich Sonntage für drastische währungspolitische Einschnitte aufdrängen, bevor an den frühen Montagen die ersten Börsen in Asien öffnen.

Damals, 1982, gehörte Luxemburg zusammen mit Belgien einer Währungsunion an und musste folglich die Zeche mit dafür zahlen, dass die gemeinsame Währung im Vergleich zu den Staatsfinanzen und der Produktivität des größeren Partners überbewertet schien. Heute gehören Luxemburg und 15 andere Staaten einer Währungsunion mit Griechenland an, dessen Staatsfinanzen und Produktivität ebenfalls eine Abwertung der gemeinsamen Währung nötig machten. Aber weil Griechenland diesmal der kleinere Partner ist, kann es sie nicht, wie seinerzeit Herr Martens ohne Rücksicht auf Herrn Werner, durchsetzen. So steuert es nun auf einen Krach zu wie vor anderthalb Jahren die mächtigsten Banken.

Am Wochenende war der Krach schon so nah, dass 16 Euro-Staaten nach langem Zögern nicht mehr umhin kamen, sich öffentlich bereit zu erklären, Griechenland 30 Milliarden Euro zu einem Zinsfuß von etwa fünf Prozent zu leihen. Das lange Zögern insbesondere Deutschlands spiegelt auch ein wenig die Renationalisierung anderer Bereiche europäischer Politik wider, wie sie mit dem Vertrag von Lissabon abgemacht wurde. Der improvisierte Charakter des Unternehmens rührt daher, dass der Euro seinerzeit nur als Schönwetterwährung beschlossen werden konnte. Währungskrisen sind deshalb im Maastrichter Vertrag nicht vorgesehen oder vielmehr ganz einfach verboten. Die Europäische Zentralbank beschränkt sich ihrerseits darauf, den Preis des Geldes hoch zu halten im Interesse jener, die davon besitzen. Deshalb sollen nun nicht die Zentralbank, sondern die einzelnen Euro-Staaten jeweils bilateral Griechenland Geld leihen. Jene Länder, die zu weniger als fünf Prozent geliehen bekommen, machen sogar ein Geschäft bei der Stützung ihrer Währung. Luxemburg, das bis zu 100 Millionen Euro bereit stellen soll, könnte zu ihnen gehören – wenn die Regierung aus Rücksicht auf ihre steigende Schuldenquote nicht lieber der Sparkasse eine Staatsgarantie ausstellt, um Griechenland Geld zu leihen.

Doch auch wenn der akute Teil der Krise im Augenblick abgewendet scheint, bleiben Griechenlands hohe Schulden. Soll der Staat nicht unter der Last der Zinszahlungen zusammenbrechen, dürften die 16 Partner in den nächsten Jahren noch das eine oder andere Mal bei einer Umschuldung zu Hilfe kommen und so faktisch eine fremde Staatsgarantie für griechische Staatsanleihen ausstellen. Denn das kleine Griechenland sich selbst zu überlassen, wäre das Signal, dass auch die größeren Euro-Staaten, wie Italien oder Spanien, in einer Währungskrise sich selbst überlassen blieben. Damit aber ginge das Abenteuer der bisher immerhin sehr erfolgreichen gemeinsamen Währung zu Ende. Bei der Suche nach Schuldigen böten sich dann an: das Produktivitätsgefälle innerhalb der Euro-Zone, der Laxismus der Südländer, der Integrismus der Nordländer, die Löcher im Maastrichter Vertrag, das mangelnde Verantwortungebewusstsein für die gemeinsame Währung, ein Komplott der Kerneuropäer, die einen Kern­euro wollen, und manche andere Schuldigen noch.

Romain Hilgert
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