Leitartikel

Rückschlag

d'Lëtzebuerger Land vom 14.08.2015

„Given that all defined measures are fully implemented, a red zero Ebit can be achieved“, schrieben die Berater von Roland Berger 2013 in ihrem Bericht über die Situation im Linienfluggeschäft von Luxair. Im Jahr zuvor hatte die Sparte ein Defizit von 19,4 Mil­lionen Euro verbuchen müssen. Die „rote Null“ hätte man dieses Jahr erreichen können, sagt Luxair-CEO Adrien Ney, wenn nun nicht Lufthansa dazwischen gefunkt hätte. Der deutsche Noch-Aktionär – Lufthansa hat angekündigt, seine 13-prozentige Beteiligung an Luxair verkaufen zu wollen – hat die Code-Share-Abkommen auf den Routen nach Frankfurt und München gekündigt und wird diese Routen ab dem Winterflugplan selbst bedienen. Luxair, die bisher viermal täglich Passagiere zum Lufthansa-Kreuz am Main und zurück geflogen hat, stellt den Betrieb nach Frankfurt ein. Die Route Luxemburg-München will die Firma verteidigen.

Es ist das zweite Mal binnen weniger Jahre, dass Luxair umstrukturiert, um das Liniengeschäft profitabel zu machen und kurz vor dem Ziel scheitert. Building a new airline hieß das vorherige Programm, und als der Ausgleich zu greifen nahe war, brach die Finanzkrise aus. Der Business-Kundschaft wurden die Spesen gestrichen. Den Freizeitkunden das Urlaubsgeld. Als sich die Konjunktur ein wenig erholte, stiegen die Geschäftskunden zu den Urlaubern in die Economy Class um.

Wenn Luxair nun nicht mehr nach Frankfurt fliegt, wirkt sich das zu allererst negativ auf die Passagierzahlen aus. Vergangenes Jahr transportierte Luxair 120 000 Kunden auf der Frankfurt-Route, elf Prozent ihrer Kunden insgesamt. Darauf, dass man die Millionenmarke geknackt hatte, war man besonders stolz gewesen. Durch diesen Passagiereinbruch werden die Einnahmen sinken und die Fixkostenverteilung wird schwieriger werden. Dennoch dürfte sich der Schaden finanziell in Grenzen halten. „Leicht positiv“ sei das Ergebnis auf der Route, sagt Adrien Ney. Noch vor drei Jahren hatte das operative Ergebnis ein Defizit von 3,7 Millionen Euro ausgewiesen. Das lag daran, dass die Mehrzahl der vielen Passagiere – 85 Prozent 2014 – in Frankfurt in ein Großraumflugzeug steigen, um ihre Reise mit einer anderen Airline fortzusetzen. Fast 60 Prozent der Kunden flogen mit der Lufthansa weiter, sie verkaufte deshalb die Ticktes.

Auf der München-Route ist die Situation anders. Dort hat die Luxair in den vergangenen Jahren ein Wachstum von 15 Prozent jährlich verzeichnet. Und auf den Tickets auch Geld verdient, weil dort sowohl Geschäftsleute als auch Urlauber unterwegs sind. Das war den Lufthansa-Vertretern im Verwaltungsrat nicht verborgen geblieben, weshalb der Aktionär vor Jahren angefangen hatte, die Route selbst zu bedienen. Dennoch galt das Code-Share-Abkommen noch – von den 90 000 München-Passagieren der Luxair 2014 waren 30 Prozent Lufthansa-Kunden im Transit. Bayern-Fans wird es es freuen, wenn sich Luxair und Lufthansa künftig Konkurrenz machen, denn bei acht Rotationen täglich müssen die Preise fallen. Ein Preiskampf, der Luxair empfindlich treffen wird.

Das ist ungünstig für die Luxair-Gruppe insgesamt, die im Winter auch den Betrieb der Flughafen-Shops verliert, was wiederum ein Problem bei der Verteilung der Fixkosten darstellt, die der Verwaltungsapparat der Luxair verursacht. Es ist aber auch ungünstig für die Airline, deren Verantwortliche nach Jahren endlich verstanden hatten, dass viel Kleinvieh in der Economy Class auch Mist macht. Und dass die Kunden – das belegen steigende Passagierzahlen – gerne Tickets kaufen würden, wenn sie der Betrieb denn hergeben würde: Mit einer verständlichen Tarifstruktur, über eine übersichtliche Internetseite, für die er auch noch Werbung macht. Allein bei den Verkaufssonderaktionen um den Nationalfeiertag wurden 9 000 Tickets verkauft, sagt Ney. Die positive Entwicklung der vergangenen Jahren in denen sich Luxair aus dem wirklich tiefen Finanzloch hochgerappelt hat, ein bisschen positive Energie mit verbesserten Ergebnissen einhergingen, wird durch die Entscheidung der Lufthansa erst einmal abgebremst werden. Wenn bis 2015 kein ausgeglichenes Betriebsergebnis erreicht werden könnte, hatten die Roland-Berger-Experten 2013 gemeint, brauche man auch die Flotte nicht zu erneuern.

Michèle Sinner
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