Frauen bei den Gemeindewahlen

Steter Tropfen

d'Lëtzebuerger Land vom 13.10.2017

Von 1 279 Frauen, die sich bei den Gemeindewahlen aufgestellt hatten, wurden 277 Frauen gewählt gegenüber 842 Männern. Das entspricht einem knappen Viertel. Kein großer Sprung, aber eine Verbesserung um 3,25 Prozent gegenüber dem Vorjahr, nachdem der Frauenanteil bei den Wahlen 2011 stagniert war, teilte der nationale Frauenrat in einer ersten Analyse mit.

Noch steht die Gesamtzahl der Bürgermeisterinnen nicht endgültig fest, es dürften kaum mehr als die bisherigen 13 werden. Eine Personalie sticht hervor: Mit Natalie Silva in Fels schaffte die erste Tochter kapverdischer Einwanderer es an die Spitze einer Luxemburger Gemeinde. Hilfreich für die in Ettelbrück geborene Luxemburgerin war, dass sie unter Bürgermeister Pierre Wies, der nicht wieder kandidiert hatte, kommunalpolitische Sporen sammeln konnte. Zudem war sie seit 2004 Beraterin bei den Christlich-Sozialen, stammt also aus dem Parteiapparat.

Vera Spautz’ Amtszeit als Bürgermeisterin von Esch-Alzette endete dagegen mit einem Paukenschlag. Die Sozialistin (4 325 Stimmen), die den Bürgermeisterposten von Lydia Mutsch übernommen hatte und zum linken Flügel der LSAP zählt, wurde von CSV-Wahlsieger Georges Mischo mit 4 498 Stimmen geschlagen. Ihre Niederlage liegt nicht nur am allgemeinen Rechtsruck. Sondern auch an mangelndem Rückhalt in und Intrigen aus den eigenen Reihen.

Nicht ganz so spektakulär, aber für die DP schmerzhaft ist die Niederlage von Joëlle Elvinger in Walferdingen, die ihren Posten räumen muss. Auch der Bürgermeisterstuhl von Christine Schweich in Monnerich ist weg: Die 33-Jährige führt zwar die Liste der Gewählten vor CSV-Kontrahent Jeannot Fürpass an, aber ihre LSAP verlor die absolute Mehrheit und wurde von CSV und DP in die Opposition geschickt. Auf CSV-Seite war es eine Frau, die Schweich Paroli bot: Die Abgeordnete Nancy Kemp-Arendt, im Parlament eher unauffällig, aber beliebt und durch ihre Tätigkeit in Sportsvereinen gut vernetzt. In Sandweiler sind nicht alle Würfel gefallen: Bürgermeisterin Simone Massard-Stitz (CSV) hat angekündigt, alle Koalitionsoptionen zu prüfen, der schwarz-rote einzige weibliche Schöffenrat landesweit dürfte aber Geschichte sein.

Wie viel politische Erfahrung und Bekanntheitsgrad auch bei Frauen spielt, zeigt sich in der Hauptstadt: Lydie Polfer wurde Erstgewählte; an die Spitzenwerte eines Xavier Bettels reicht das politische Urgestein trotzdem nicht heran. Mit Erfahrung punktete auch Octavie Modert. Die CSV-Politikerin und Ex-Ministerin kandidierte in Stadtbredimus, konnte aus dem Stand den Bürgermeister übertrumpfen und übernimmt die Gemeindeführung. Françoise Hetto-Gaasch in Junglinster sowie Diane Adehm in Hersperingen, beide CSV, wurden jeweils Zweitgewählte.

In der Hauptstadt sieht es in punkto Frauen bei der CSV durchwachsen aus: Martine Mergen fliegt aus dem Gemeinderat, dafür verbesserte die Zweitgewählte der CSV, und Ehefrau des CSV-Spitzenkandidaten Claude Wiseler, Isabelle Wiseler-Santos Lima, ihr persönliches Resultat um fast 37 Prozent. Mit Elisabeth Margue, die Mergen den Rang ablief, zieht ein junges Gesicht in den Rat ein, die, wie viele vor ihr, vom Namensbonus profitiert haben dürfte: Die Präsidentin der CSV-Jugend stammt aus einer bekannten CSV-Politikerfamilie, ihr Vater war Vizerektor der Uni Luxemburg. Besser ist die Lage bei den Frauen der Grünen. In der Hauptstadt verliert Sam Tanson nach dem Wahlsieg der CSV wohl ihr Amt als Erste Schöffin, aber ihr persönliches Ergebnis konnte die Anwältin verbessern. Markant: Viele grüne Frauen schnitten bei den Wahlen gut ab, auch neue Gesichter wie Tanja Frank aus Bonneweg, die mehr Zuspruch erhielt als Staatsrat Mike Mathias.

Frisches Blut bringen die Linken, bei denen sich die Kombination von paritätischer Liste plus Rotationsprinzip nun auszählen könnte: In Esch schaffte Line Wies, Soziologin und Tochter eines stadtbekannten Optikers, direkt den Sprung in den Gemeinderat, in Luxemburg-Stadt dürfte die junge Ana Correira de Veiga per Rotation schon bald erste kommunalpolitische Erfahrungen sammeln. Ob das allerdings hilft, um dauerhaft eine politische Laufbahn einzuschlagen, ist nicht sicher. Carole Thoma, die seit 2011 für déi Lénk im Düdelinger Gemeinderat saß, musste sich einem männlichen Mitbewerber, einem Schachspieler, geschlagen geben.

Ines Kurschat
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