CD Ever de Maggie Parke

Die Liebe und die Reife des Lebens

d'Lëtzebuerger Land du 10.08.2006

Sie ist eine der ganz Großen der Luxemburger Musikszene. Aus den Achtzigern und dem Anfang der Neunziger kennt man sie als Sängerin der Band Park Café, auch durch ihre Songs in Filmen wie Andy Bauschs A Wopbopaloobop A Lopbamboom, die originelle Rockoper Smalltime und ihre zahllosen Auftritte an der Seite ihres Mannes Gast Waltzing. Seither war es ruhig um die Musikerin geworden. Die kreative Phase hat sich gelohnt: Nun hat Maggie Parke mit ihrem ersten Soloalbum seit fast zehn Jahren und 14 unterschiedlichen und vielseitigen Songs, die ganze Bandbreite ihrer stil- und gefühlvollen Musik offengelegt. Ever heißt das Projekt, und es geht um die Liebe. Nicht um plärriges Schwelgen eines Teenagers. Nein, um die waschechten Gefühle einer Frau in der Reife des Lebens. "Ever wishful still I dream you'll let me close to you", heißt es im Titelsong, und weiter: "All this love, becomes a bitter brew. / I drink it down, along with my dreams of you". Die Liebe, die sie besingt, kommt ohne rosa Brillengläser aus – und wirkt gerade deshalb unverblümt real. Sie ist Zuneigung und Anbetung, Melancholie und Trauer, Hass und Auflehnung zugleich. Die verschiedenen Facetten der Liebe hat Maggie Parke versucht, mit einem vielseitigen Sound zu unterstreichen. Gast Waltzing hat die meisten der Melodien vertont und arrangiert. Dabei ist, wie kürzlich auch in Walzings Album Largo, ein erfrischender Jazz mit klassischen Wurzeln entstanden, der ständig nach neuen Wegen und Horizonten sucht, sich dem Hip Hop und der World Music geöffnet hat, und diese Vielzahl akustischer Möglichkeiten mittels brillanter Soli auf der akustischen und der elektrischen Gitarre, den Drums und freilich der Trompete ausgemalt hat. Waltzing spielt, mal mit lyrisch anschmiegsamen Linien, mal mit flatternden Höhen auf der Trompete, etwa im von Maggie Parke selbst vertonten Helpless in your Hands. Bei A deeper love kontrastieren der Gitarrist David Laborier mit akustischem Sound und Remo Cavallini auf der Elektro-Gitarre effektvoll miteinander und liefern sich zusammen mit dem Schlagzeuger Rainer "Elute" Kind ein inspirierendes Gefecht. Maggie Parkes Stimme klingt hierzu, bei Textstellen wie "I felt a deeper need in you", feinfühlig und weich, fast unterwürfig, um einige Songs später mit "I believe there can be life after you" entschlossen und mit Härte aufzutrumpfen. Ihr Album Ever ist ein interessanter Blick auf eine große musikalische Laufbahn und ein schöner Kompromiss zwischen groovigem Jazz und lyrischer Melancholie.

Maggie Parke: Ever / WPR Music, Nr. 2006 002

 

Marc Fiedler
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