Hofberichterstattung

Vom Säbelrasseln

d'Lëtzebuerger Land du 04.05.2012

Heute loben wir die Hofberichterstattung. Sehr geehrter Herr Großherzog! Bis vor kurzem gehörten wir zu jenen Landsleuten, die sich kopfschüttelnd fragten: Wieso nur besteht unser Staatsoberhaupt darauf, wie besessen immer wieder seine Sandhurst-Vergangenheit aufzufrischen? Warum will er unbedingt als Soldat durch unsere lieblichen Kantone stolzieren? Ist er ein unheilbarer Uniformfetischist? Wer hält ihn eigentlich zurück, ganz konkret in den Krieg zu marschieren? Es gibt doch viele heroische Schlachtfelder, wo er friedenswirksam den Säbel schwingen könnte. Warum läuft er ständig in der Uniform umher und meidet gleichzeitig die Schützengräben wie die Pest? Ist der schmutzige, blutige Dienst an der Waffe am Ende nur ein Privileg des Prekariats? Ist der Aristokrat stets nur auf virtueller Ebene ein Kämpfer? Oder hat das alles ganz andere Gründe?

Heute meinen wir: Ja, es hat ganz andere Gründe. Sie, Herr Großherzog, sind im Grunde Ihres Herzens ein ausgezeichneter Friedensaktivist. Militärische Protzerei ist einem zutiefst sanften Menschen wie Ihnen offenbar ein Gräuel. Dass Sie trotzdem ununterbrochen ins Militärkostüm schlüpfen, kann also nur eine raffinierte Finte sein, eine dissonante Kundgebung der eigenen Befindlichkeit. Sie erinnern uns ein bisschen an den tollen Filmschauspieler Sasha Baron Cohen, der sich die Militäruniform nur überstreift, um den militärischen Wahnsinn zu bebildern.

Beim geringsten Gefechtslärm steht Ihnen wahrscheinlich vor Schreck das Herz still. Das ist ausdrücklich als Kompliment gemeint. Sie sind ganz einfach kein kriegerisches Temperament. Wenn Sie zum Beispiel beim Staatsbesuch in Berlin die Ehrenfront der Bundeswehr abschreiten, versuchen Sie zwar, grimmig und wild entschlossen dreinzuschauen, aber es gelingt Ihnen nicht. Das sieht eher nach einer Verlegenheitsgrimasse aus. Sie müssen da etwas tun, was Ihnen sichtbar nicht liegt. Wir haben übrigens den Eindruck, dass auch Ihre Monarchenrolle Sie auf eine Weise belastet, die sich in einer merkwürdigen Steifheit äußert. Das ganze verlogene und heuchlerische Staatszeremoniell, all die grotesken Rituale, die Ernsthaftigkeit nur simulieren, weil ein Monarch in einer Demokratie ja ein fundamentaler Widersinn ist, haben auf Dauer dazu geführt, dass Sie sich in Ihrer Soldatenverkleidung buchstäblich verkriechen. Was sollen wir friedliebenden Bürger, denen jegliches martialische Auftreten zutiefst verhasst ist, eigentlich von Ihrer provozierenden Konfektion halten?

Allerdings ist dies die falsche Frage. Uns treibt eine ganz andere Vermutung um. Mit Ihrer auffälligen Uniformfixiertheit verkörpern Sie eine Art offizielle Karikatur des militärischen Denkens. Sie führen in aller Öffentlichkeit vor, wie profund lächerlich der Aufmarsch in kriegerischen Klamotten ist. Indem Sie die Militäruniform förmlich als Requisit aus dem Theaterfundus ausstellen, parodieren Sie den befremdlichen Bekleidungswahn der echten Armee. Ihnen gelingt es, den hochheiligen battledress herabzustufen auf das Niveau einer Operettentracht zwischen Fastnacht und Feuerwehrball. Das ist eigentlich große Klasse. Seit jeher schlägt der begabte Satiriker seine Feinde mit deren eigenen Waffen. Die Monarchie als fortgesetzte Satire: allein diese Kunst rechtfertigt Ihr fürstliches Staatsgehalt.

Trotzdem wär es schön, wenn Sie für einmal den satirischen Impetus auf die Spitze treiben könnten. Zum Beispiel am kommenden Nationalfeiertag. Wie wäre es denn, wenn Sie bei der starren und sturen Militärparade unvermutet in der Kleidung des gewöhnlichen Volkes auftreten würden? Mit Strohhut und Sonnenbrille, falls das Wetter gnädig ist, dazu passt ein knallfarbener Bermudashort, ganz klar, und ein Paar schneeweißer Tennisschuhe. Sollten Sie sich zudem für ein lockeres T-Shirt entscheiden, empfehlen wir Ihnen ein Exemplar mit der lustigen Aufschrift „Vive la République“. Ihre aufgemotzte Armee würde stante pede ins ungläubige Stolpern verfallen. Da kein Krieg vor der Tür steht und auch sonst keine Bösewichte unsere nationale Oase bedrohen (außer den Finanzhaien natürlich, aber die sind ohnehin nur schwer an ihren Kleidern zu erkennen), wäre es nicht weiter schlimm, wenn die bewaffnete Macht iwwert hir eege Féiss trëllen würde. Im Gegenteil, wir hätten alle gemeinsam eine neue Qualität der Volksbelustigung erreicht. Der Großherzog im demonstrativen Strand-Outfit: das wäre Ihrerseits ein bedeutender Beitrag zur Festigung der friedlichen Sitten in unserem kleinen Land.

Sehr geehrter Herr Großherzog, Sie haben Ihre Lehrzeit an der Militärakademie Sandhurst auf subversive Manier genutzt. Es ging Ihnen nur darum, in Ihrem späteren Monarchenleben das militaristische Brimborium ad absurdum zu führen. Am schärfsten wirkt Ihre Uniform natürlich im Chor der Kathedrale. Indem Sie im vollen Wichs vor dem Allerheiligsten erscheinen, geben Sie uns allen ein überdeutliches Signal: Gott der Herr, der ewige Friedenssimulant, war schon immer ein unschlagbarer Meister des Krieges.

Guy Rewenig
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