CD High End de Zn'shñ

Transautechre Atlantikität

d'Lëtzebuerger Land vom 30.07.2009

Das ist ja wohl wieder so eine CD, für die sich kein Schwein interessieren würde, wenn nicht, ja, wenn nicht jemand daran beteiligt gewesen wäre, der zufälligerweise in Luxemburg wohnt. Nämlich Elvire Bastendorff, andere Hälfte von Franck Smith, ich meine, Zn’shñ, jenem musikalischen Ufo, das vor Monaten bereits an gleicher Stelle gewürdigt wurde als Hauskapelle des Kirchbergs gelegenen Kulturtempels (sagt mal, welche Sprache schreibt der da eigentlich?). Trotz beachtlichem Arsenal an Effektgeräten litt die damalige Performance doch sehr am Desinteresse vieler Anwesender. Das wird sich nun, im Duell Einzelner gegen Heim-Stereoanlage, ändern. Hoffen wir’s.Sehr ästhetisierend das schicke, jugendstilverspielte Cover, auf dem man die Bäume vor lauter Wald nicht sieht. Das passt zu den Vorurteilen; eine vage Erinnerung an Ambient für Snobs. Bei genauerem Hinhören dann fallen die Scheuklappen zum Glück ab. Erste Eindrücke gemahnen an deutsche Avantgarde vor anderthalb Jahrzehnten: Microstaria. Pita Rehberg und das andere experimentelle Zeugs vom seligen Mego-Label. Musik aus Störgeräuschen. Knacken und Knarzen. Auch als nerdiges Gefrickel bekannt. Der Anfang vom Laptop-Boom. Die Produktion ist High End. Muss sie auch bei dieser Art Musik, bei welcher auch gemäßigte Bekannte dann anfangen zu zweifeln, ob das noch Musik ist – der Hinweis auf John Cage lässt sie zwar verstummen, aber überzeugt sie nicht. Aleatorische Struktur, volle Konzentration auf (durchgängig bearbeitete) Klangfarben. Melodien tauchen nur zufällig auf und werden sofort wieder totgeschlagen. Aha! Drone Ambient! Klappe zu, Affe tot. Wobei das ein Genre ist, bei dem es wahnsinnig einfach ist, ein Album zu machen, das einfach nur langweilig ist; zum Beispiel dadurch, dass man permanent nur den einen Effekt nutzt. Diese Klippe haben sie schon mal gekonnt umschifft.Erstaunlich nur, dass das Zeug, auf CD gepresst, gleich viel besser in die heimische Fauna und Flora passt als live, in hoch­kulturellem Ambiente. Keine Frage, diese CD gehört ins Regal mit der Luxem­­burgensia, irgendwo neben, Achtung Namedropping, die Ergüsse von Blue Dressed Man, Steve Kaspar, all die frühen soundzfromnowhere-CD-Rs die man sich heute gratis down­loaden kann. Oder aktuelles Schnurstrax-Zeug wie How Do You Get Your Inspiration. Schwere Mucke für stolze Kopfhörerbesitzer. 

 

Fern Laures
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