15 Schulen haben sich zu einem Netzwerk zusammengefunden. Vom Ministerium unterstützt, sollen sie die Vorhut der Reform des unteren Sekundarunterrichts bilden

Wind of Change

d'Lëtzebuerger Land du 26.05.2011

Die Speerspitze der Reform des unteren Zyklus im Sekundarunterricht sollen die 15 Schulen sein, die sich unter dem Label Lycées pionniers zusammengetan haben. Die Plattform, die vom Unterrichtsministerium im vergangenen Jahr zeitgleich mit der Vorstellung der Eckpunkte der geplanten Reform ins Leben gerufen wurde, vernetzt all jene Schulen, die Teile der Reform vorwegnehmen und in ihrem Gebäude testen werden.

Ganz vorn mit dabei: die acht so genannten Proci-Schulen (projet cycle inférieur). Sie haben seit Beginn des Modellversuchs im Jahr 2003 Erfahrungen gesammelt mit den Hauptachsen der Reform, wie der kompetenzorientierte Unterricht, das automatische Weiterkommen von siebter in die achte Klasse, eine verbesserte Orientierung nach der Neunten oder das Tutorat, bei dem Schüler vom Klassenlehrer betreut werden. Das Engagement zahlt sich aus: Bei der internationalen Bildungsstudie Pisa schnitten Proci-Schüler deutlich besser ab als ihre Altersgenossen in den anderen Schulen – und dienen jetzt gewissermaßen als Vorbilder.

Aber nicht nur sie. Andere Schulen feilen ebenfalls seit Jahren an ihrem Profil, haben Instrumente entwickelt, um ihre Schüler besser zu fördern und neue pädagogische Wege zu gehen. So fördert beispielsweise das Lycée technique Michel Lucius in der Hauptstadt besondere Talente etwa durch Japanisch- oder Spanisch-Sprachkurse und bietet eine Musikklasse in der Siebten an. „Ich hätte es nicht gedacht, aber die Kurse erfreuen sich großer Beliebtheit“, sagt Pascale Petry. Die frisch gebackene Direktorin, die zuvor die Weiterbildungsabteilung im Unterrichtsministerium geleitet hatte, verspricht sich von den Pionierschulen „Impulse für Änderungen, die sowieso kommen müssen“. Damit meint Petry unter anderem Anstöße für einen Unterricht, der der Vielfalt der Schüler besser gerecht wird und weniger Sitzenbleiber produziert. Erstmals übersteigt der Anteil der Nicht-Luxemburger an den Grundschulen den der Luxemburger. „Auch darauf müssen wir Antworten finden“, mahnt sie.

Diese könnten beispielsweise so ausfallen wie im Schengen-Lyzeum. Im Bereich der Differenzierung bietet die Schule dreimal wöchentlich so genannte Tutorenstunden an, in denen Schüler Methoden trainieren. Es geht um Strategien, wo und wie man sich brauchbar über ein Thema informieren kann, wie diese Informationen zu bewerten und bearbeiten sind. Aber auch Zeit- und Arbeitsplanung werden geübt. Die deutsch-luxemburgische Schulinitiative, die Elemente aus beiden Schulsystemen in sich vereint, ist nicht im gleichen Maße wie die Luxemburger Schulen von den Reformen betroffen, aber von der Vernetzung profitiert die Schule allemal: „Ich freue mich sehr, dass wir dabei sind, denn wir können sicher viel voneinander lernen“, schwärmt Vizedirektorin Marion Zenner.

Eine solche Vernetzung ist für die Luxemburger Schullandschaft geradezu revolutionär. Zwar hat es auch schon früher schulübergreifenden Ideenaustausch gegeben, aber dieser blieb, abgesehen von den Proci-Schulen, vereinzelt und währte zudem oft nicht lange. „Es gibt viele tolle Ansätze i

Ines Kurschat
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