Tzeedee

Zurück aus Kalifornien

d'Lëtzebuerger Land du 01.07.2011

Selten ist in Luxemburg eine Band so stark in den Medien vertreten wie Iborn! – und das schon Monate vor der Veröffentlichung ihres neuen Albums. Grund dafür ist nicht nur PR-Arbeit, sondern auch die Entstehungsgeschichte des neuen Werks. Nach eigenen Angaben wurde die Band von Star-Produzent Ross Robinson entdeckt, der sie zu Aufnahmen in sein Studio in Venice Beach in Kalifornien einlud.

Für diese Chance unterbrachen die Musiker ihr Studium und zogen zusammen in eine Wohngemeinschaft in Brüssel, wo sie über Monate an neuen Songs arbeiteten. Auch mussten die nötigen finanziellen Mittel aufgebracht werden: Aufnahmen bei Robinson, der unter anderem Alben von Korn, The Cure, At the Drive-in, Limp Bizkit und Korn produzierte, kosten eine Stange Geld. Dank einer Hilfe des Kulturministeriums, der Crowd-sourcing-Seite FansNextDoor, die mehr als 10 000 Euros einbrachte, und mit eigener Beteilung wurde der Traum jedoch wahr. Im September letzten Jahres reiste die Band nach Venice Beach und verbrachte fast zwei Monate im Studio.

Nun ist Inborn! zurück, und die zehn Songs auf Persona fallen beim ersten Hinhören tatsächlich durch ihre professionelle Produktion auf. Auch machen elektronische Sounds und Effekte einen großen Teil des Albums aus. Der Übergang von grungigem Stoner zu elektronischem Disco-Rock war schon stellenweise auf der EP En Vogue auszumachen. Mit Persona scheint die Band nun am Ziel angekommen zu sein.

Das kurze Eröffnungsstück Mirrorscapes kündigt den Sound des Albums an. Die Basslinie und Cédric Kaysers hauchende Stimme sind stark verzerrt, und statt des Drumming sorgt schnelles Händeklatschen für den Rhythmus. Das Appetitshäppchen klingt ein wenig wie ein sanfteres Intro von Marilyn Mansons The Beautiful People, doch dieser Gedanke ist beim zweiten Stück schnell wieder vergessen: Hier klingen die jungen Luxemburger nuancierter. Chicago Heart Machine ist überdies eines der überzeugendsten Stücke des Albums. Die Chorus-Zeile „My radiophonic Lover“ wiederholt der Sänger flehend; vermutlich wird der Refrain schnell von Fans aufgegriffen und mitgesungen.

Später bringen unerwartet groovige Gitarrenriffs und tanzbare Schlagzeug-Rhythmen ein verspieltes Element zum melancholischen Gesang hinzu, und es wird schnell klar, dass das Songwriting von Inborn! seit der letzten EP reifer geworden ist.

Aber obwohl Cédric Kayser seinen Gesang weiterentwickelt hat und eingängigere Melodien singt als zuvor, hat man nach dem Durchhören des Albums den Eindruck, fast nur gehauchte Lyrics gehört zu haben. Auf die Dauer ist das recht anstrengend. In Stücken wie Vogue oder Textures (In Reminiscence of Robert Mapplethorpe) zum Beispiel wünscht man sich gesanglich mehr Abwechslung oder wenigstens einen Gesang, der neben dem rockigen Soundbett weniger zurückhaltend wirkt. In Thrash is the New Glam, einem der besten Songs des Albums, ist das Cédric Kayser gelungen: Sogar Screamo-Elemente sind hier zu hören, und ein Hintergrundgesang vervollständigt gekonnt den Refrain.

Das treibende Schlagzeugspiel von Max Thommes, das variierter denn je klingt, trägt die Lieder souverän und wechselt fließend von Disco-Beats zu basslastigen Rockdrums, auch öfters in einem einzigen Song. Die Stimmung des Albums ist vor allem wegen der düsteren, atmosphärischen Synthie-Klänge und etlichen Effekten sehr mitreißend und passt zum Konzept des Albums.

Der Suizid von Dorothy Hale, eine Schauspielerin und Freundin der surrealistischen Malerin Frida Kahlo, wurde auf Auftrag des Verlegers von Vanity Fair auf einem der Bilder der Malerin verewigt. Ein Poster dieses Werkes hing in Cédric Kaysers Studentenbude in Paris und inspirierte ihn, Scheinwelten und Realitätsverlust in der modernen Facebook-Welt zu thematisieren. Dieser Gedanke wurde auch am Cover verdeutlicht: bei genauerem Hinsehen erkennt man, dass es sich auf dem Foto nicht um eine junge Frau handelt, sondern dass sich der Sänger unter einer blonden Perücke versteckt. Die Hälfte seines Gesichts ist mit einer Art Pixel-Muster verdeckt.

Das erfrischende Cover passt zu einem Album, das für Inborn! und – man wage es zu behauten – gleichtzeitig für die luxemburgische Musikszene einen großen Schritt nach vorn bedeuten wird. Dass Ross Robinson das Album produziert hat, ist bemerkenswert, doch hoffentlich wird sich die Aufregung über „die einheimische Band beim Star-Produzenten in Kalifornien“ bald wieder legen, so dass die Musik des neuen Albums für sich sprechen kann. Persona beweist, dass Inborn! etwas zu sagen haben.

Claire Barthelemy
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