Zeitgenössische Kunst

Feeding the meter, again

d'Lëtzebuerger Land vom 01.12.2017

Die Galerie Ceysson & Bénétière setzt sich von der Galerielandschaft Luxemburgs ab durch ihren dezidierten Schwerpunkt auf die Künstlergruppe „Supports/Surfaces“, die sich Ende der 1960-er Jahre in Frankreich bildete, und auf den von ihr beeinflussten Generationen an Malern und Bildhauern. Auch die Ausstellung Feed the meter von 2015 entstand unter diesem Einfluss und präsentierte New Yorker Künstler, die sich an der Konstruktion und Dekonstruktion von Bildträger und Oberfläche abarbeiten. Aktuell widmet die Galerie der Ausstellung eine zweite Ausgabe in ihrer Einrichtung von fast musealer Größe auf dem Wandhaff.

Genau wie in der ersten Edition traf der US-amerikanische Künstler Wallace Whitney die Werkauswahl. Whitney prägte auch vor zwei Jahren den Titel (Feed the meter), um auf die Parkuhren zu verweisen, die er bei seinen Besuchen in den New Yorker Ateliers mit Dollars fütterte. Er selbst bezieht sein Atelier in einer alten Synagoge in der Bronx. Für ihn versteht sich Malerei als Prozess, bei dem nicht selten der künstlerische Gemütszustand den Farbauftrag mitbestimmt. Auf Basis dieses Kunstverständnisses suchte er die Werke seiner Kollegen für die aktuelle Ausstellung aus.

Die zweite Ausgabe von Feed the meter befasst sich sowohl mit der Materialität in all ihren Ausprägungen als auch dem konzeptuellen künstlerischen Ansatz und ergründet die engen Verbindungen zwischen Malerei, Relief und Skulptur. Die Ausstellung vereint Werke von rund 20 New Yorker Künstlern, von denen einige (wie Sadie Laska, Adrianne Rubenstein oder Annette Wehrhahn) schon in der Schau von 2015 präsent waren.

Feed the meter versucht, eine große Bandbreite der aktuellen New Yorker abstrakten Malerei abzudecken. Während Russell Tyler die Möglichkeiten der geometrischen hard edge-Malerei, die an Josef Albers angelehnt ist und die er mit viel Pastosität auf der Leinwand bearbeitet, untersucht, kristallisiert Nancy Haynes in ihren nahezu monochromen schwarzen Bilder unterschiedliche Farbnuancen aus dem Spiel zwischen Licht und Dunkelheit heraus. Steve DiBenedetto hingegen zieht seine oft wiederkehrenden Motive, wie den Oktopus, aus dem Sciencefiction-Bereich. Seine großformatigen Gemälde überarbeitet er mühsam über mehrere Monate hinweg und trägt Ebene um Ebene auf, sodass ein kondensiertes Geflecht entsteht, das sich jedem zu schnellen Blick des Betrachters entzieht. Auch Keltie Ferris ergründet die aus unterschiedlichen Farbebenen bestehende Oberfläche. Sie arbeitet vor allem mit Stilmitteln wie der Unschärfe oder dem Pixel, die aus der digitalen Welt stammen und die sie mit Hilfe von Ölmalerei und Sprayfarbe auf die Leinwand appliziert, um feine Abstufungen der Farbtöne zu erzielen.

Die Ausstellung präsentiert auch Künstler, wie Fabienne Lasserre, die sich ausgiebig mit dem Medium der Skulptur oder der Kollage beschäftigten. So führt Katherine Bernhardt in ihren Kollagen Textilien aus unterschiedlichen Ländern zusammen und appliziert Symbole, die unsere Konsumgesellschaft evozieren, aber von ihrem ursprünglichen Kontext losgelöst und befreit erscheinen. Fast surreal hingegen wirken die filigranen Skulpturen von Michelle Segre. Für Driftloaf (2016) zum Beispiel hat sie eine einfache Toastscheibe in knallige blaue Farbe getunkt und mit einem roten Draht an einem Ziegelstein befestigt.

Aktuell ist eine Wiederkehr der künstlerischen Beschäftigung mit der Materialität zu verzeichnen. Diese wird über die Malerei und vereinzelt Skulptur in der Schau Feed the meter sichtbar und erlebbar. Die Ausstellung richtet sich in erster Linie an Anhänger der abstrakten Malerei, die das Ringen des Künstlers mit dem Medium selbst zum Ausdruck bringt. Sie wird aber auch einem prächtigen Farberlebnis gerecht, dem man sich beim Durchqueren der Galerie nicht entziehen kann.

Die Ausstellung Feed the Meter, Vol. II ist noch bis zum 16. Dezember 2017 in der Galerie Ceysson & Bénétière, 13-15, rue d‘Arlon, Wandhaff, L-8399 Koerich, zu sehen; Öffnungszeiten: mittwochs bis samstags von 12 bis 18 Uhr;
www.ceyssonbenetiere.com.

Florence Thurmes
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