Made in Happyland

Kabinettstückchen

d'Lëtzebuerger Land vom 13.09.2013

Heute loben wir die heiße Wahlkampfphase. Sollte die CSV mit Gottes Beistand und Maître Vogels Segen, also dem lärmenden Sukkurs von Kanzeln und Kanzleien, nach den Oktoberwahlen noch einmal den stärksten Koalitionspartner stellen, hätten wir eine ziemlich klare Vorstellung davon, wie der neue Premier aussehen könnte. Das Juncker-Modell hat gründlich ausgedient, soviel ist klar. Einen leichtfertigen Selbstverliebten mit deutlicher Neigung zur Lügenrechtfertigung können wir uns nicht mehr leisten. Herr Juncker hat das Prinzip der Majestätsbeleidigung – lies: der unerlaubten Junckerbeanstandung – in die Politik eingeführt und möchte mit nichts als diesem Taschenspielertrick die Wahlen gewinnen. Soviel despotische Unverschämtheit lassen wir uns nicht bieten. Wir brauchen einen Anfänger, oder, um einen schillernden Wahlkampfbegriff zu bemühen: einen Neuanfänger. Zur Zeit schwanken unsere Sympathien zwischen Jean-Marie Halsdorf (CSV) und Felix Eischen (CSV).

Jean-Marie Halsdorf verfügt über einen unbestreitbaren Bonus: Er ist der Mensch, der nicht bis sechs zählen kann. Das ist nicht etwa ein billiger Witz, sondern das Resultat einer pragmatischen Erhebung, wie der folgende Faktencheck zeigt. Im Memorial vom 16. Juli 2013 lesen wir diese ministerliche Verfügung: „Pour les besoins de l’inspectorat des services d’incendie et de sauvetage communaux, le territoire du Grand-Duché de Luxembourg est subdivisé en six régions.“ Dann werden die sechs Regionen peinlichst genau aufgezählt: „La région NORD (1), la région CENTRE (2), la région SUD (3), la région EST (4).“ Moment. Das sind ja nur vier. Wo bleiben die anderen zwei? Wir zählen noch einmal geduldig nach und kommen wieder nur auf vier Regionen. Kann der Herr Innenminister tatsächlich nicht zählen? Nein, er kann nicht zählen und demonstriert stolz seine Zählunfähigkeit per „bulletin officiel“.

Welchen Reim sollen wir uns auf diese Kaalwerei machen? Der primitive, politikunkundige Bürger würde sagen: Da schmeißt einer kostbare Steuergelder zum Fenster hinaus für falsche Gesetzentwürfe. Immerhin wurde das Sechs-Regionen-Modell von ausländischen Experten ausgetüftelt, die sich ihre kostbaren Dienste teuer bezahlen lassen. Zum Glück arbeitet der Innenminister nicht in einem sensiblen Beruf, zum Beispiel als Apotheker. In dieser Domäne könnte es nämlich schnell zu fatalen Auswirkungen führen, wenn der Herr der Pillen und Tabletten nicht bis sechs zählen kann.

Der gescheite Bürger hingegen urteilt weit nüancierter: Ja, genau, hier tritt uns ein aufgeklärter Mensch entgegen, der uns die CSV-Politik in ihrer ganzen Pracht erschließt. Wer in dieser Partei Minister ist, muss sich nicht mit Kinkerlitzchen wie Kompetenz oder technischem Verstand herumbalgen. Es genügt vollauf, dass er CSV-Mitglied ist. Seine Mitgliedschaft, am besten de père en fils, macht alle anderen Fähigkeiten auf einen Schlag überflüssig. Allein die CSV-Mitgliedskarte wirkt wie ein allumfassender Doktortitel. Insofern wäre Jean-Marie Halsdorf der ideale Premier. Unbelastet von aller Sachkenntnis könnte er unser schönes Land punktgenau und souverän repräsentieren.

Noch lieber wäre uns allerdings Felix Eischen. Dieser strahlende Newcomer ist als hauptberuflicher Versicherungsagent ein unschlagbarer Garant für de séchere Wee. Aber damit sind seine politischen Talente noch längst nicht erschöpft. In der August-Ausgabe des Kehlener Gemengebuet, wo er als „Conselljen“ auftritt, entwickelt er seinen ideologisch beeindruckenden Heimatbegriff. Wir sollen uns alle mehr um unsere idyllischen Landschaften und malerischen Dörfer kümmern, fordert er mit programmatischer Leidenschaft. Seine Begeisterung für den sozialen Zusammenhalt aller Luxemburger gipfelt im Aufruf: „Firwat net spontan eppes op de Grill geheien an zu e puer eng gutt Fläsch opmaachen?“

Das ist profund, systemrelevant, wirtschaftlich produktiv und kulturell zukunftsweisend. Uns beeindruckt vor allem das dynamische und energiegeladene Wort geheien. Wir Grillbanausen sind schon froh, wenn es uns gelingt, ein Steak einigermaßen verbrennungsfrei auf den Grillrost gleiten zu lassen. Doch Felix Eischen ist in der Lage, das Grillgut zu geheien, durch die Lüfte, wahrscheinlich sogar über sechs Hecken und vier Apfelbäume hinweg. Da steckt Kraft dahinter, Wagemut und innovativer Geist. Wenn dieser vorwärtsstürmende, politische Gestaltungswille Schule macht, kommt künftig kein CSV-Familienfest mehr ohne Schwéngskotelettewäitworfmeeschterschaft aus. Gemeinsam geheien, kann es eine treffendere Parole geben für das unbedingte Zukunftsvertrauen der CSV?

Ja, Felix Eischen ist unser Mann für das hohe Amt des künftigen Premiers. Wir Stimmbürger sollten ihn mit vereinten Kräften an die Spitze der kommenden Regierung geheien. Der CSV-Parteislogan „Mir mam Premier“ müsste übrigens nur geringfügig umgeschrieben werden: „Mir mam Bifdeck a mat der Fläsch“. Die Verankerung der immerwährenden Grillparty in unserer Verfassung wäre ein erster Beweis politischer Intelligenz. Damit wir uns gutgelaunt in die Zukunft geheien dürfen.

Guy Rewenig
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