Der Außenminister sagt, was er denkt

Nazis raus!

d'Lëtzebuerger Land vom 13.01.2017

Und jetzt eben die Österreicher. Der Außenminister, der altbackene Jüngling mit dem akkurat angeklebten Haupthaar, der mit seinen geschliffenen, wohl durchdacht wirkenden Äußerungen beeindruckt, und sich berauscht von seinem frühen Ruhm immer Tollkühneres einfallen lässt, will Inseln mieten und Flüchtlinge einpferchen. Jedenfalls verrät unser

Außenminister das dem Spiegel. Den Österreichern mit ihrem rechtsnationalen Gedankengut hat er die Tür noch nicht gezeigt. Noch nicht.

Es ist eben wegen der Nazis. Nazi tut man nicht; Nazi ist man nicht, nicht mal ein bisschen. Deswegen ist unser Außenminister außer sich. Er echauffiert sich sehr, er ist ja auch ein glühender Europäer. Er hat das Herz am linken Fleck, und es wird einer warm ums Herz, wenn er redet; manchmal greift sich die Zuhörerin aber an den Kopf, etwas Kühlung erhoffend. Er redet frei von der Leber, von der Lunge auf die Zunge, so sagt man bei uns, er kommt ja aus einem kleinen Land. Er sagt schöne und gute Sachen und kanzelt die unrechten Rechten ab, von der Medienkanzel. Immer mit Werten, über das schöne alte Märchen Europa, das sich die Urväter, müde von all den Kriegen, in der Uucht erzählten und das immer mit „Nie wieder!“ endete, die Enkel gähnten. Europa darf keine Festung der Gleichgültigkeit sein, sagt er dem Spiegel, er ist gern pathetisch. Und sentimental, etwas Anheimelndes in dieser kalten Welt.

Regelmäßig nimmt er als galanter Gast in deutschen Talking-Head-Shows Platz und erklärt „Madamm Illner“ und den andern Deutschen die Welt und das kleine Land. Und Europa natürlich, weil die Luxemburger ja die zwei großen Sprachen können und deshalb EU verstehen.. Manchmal muss er grob werden, er sagt es unverblümt, wie er sagt. Manchmal wird er sehr grob, nachher sagt er „Pardon, Madamm“ zu seiner Interviewpartnerin. Er sagt, was er denkt, aber er meint es nicht so. Eben doch Kavalier der alten Hollywood-Schule, die Interviewerin lächelt milde. Säße er in einer Fernsehrunde, würde er ein Knie tätscheln und väterlich in seinen Schnurrbart schnurren. Körpersprachlich ist er auch gut.

Im Ausland wird D-Jang-o allerdings oft missverstanden. Dass sein Temperament mit ihm durchgeht, lässt man ihm nicht so durchgehen. Mangelnde Diplomatie und grobes Maßregeln über Medien hält man nicht für eine politische Tugend. Die Steueroase möge doch zur Insel der seligen Flüchtlinge werden, heißt es in österreichischen, aber auch deutschen und luxemburgischen Leserkommentaren. Von luxemburgischen Clowns ist die Rede, ein Poster nennt ihn grenz-debil.

Vielleicht hat er ja recht und sie sind alle rechts? Aber wenn er sie alle rausschmeißt, sind wir dann ganz allein? Wir mit ihm, er mit uns, wir unter uns? Weil wir so gut sind. Zu gut für diese Welt, zu gut für dieses Europa.

Dann sind nur noch wir Europa? Und alles ist gut. Und die Letzeboier_innen freuen sich, endlich mal. Michèle Thoma

ephemera d’Armand Quetsch a été réalisé grâce à la Bourse CNA- Aide à la création et à la diffusion photographique, il est publié chez www.peperoni-books.de. L’exposition Extraits sans titres sera ouverte jusqu’au 31 octobre au centre d’art Nei Liicht à Dudelange ; www.centredart-dudelange.lu.
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