Bausparen

Von wegen verstaubt

d'Lëtzebuerger Land vom 28.11.2014

Vor einem Jahr fuhr deutschen Bausparer ein Schrecken durch die Glieder: Damals kündigte die Bausparkasse Wüstenrot 15 000 Kleinsparern ihren über viele Jahre laufenden Bausparvertrag, mit der Begründung, sie hätten sich „überspart“. Damit war nichts anderes gemeint, als dass Wüstenrot die Zinsen auf den Guthaben zu hoch waren. Laut ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen kann die Bank Verträge kündigen, sobald Guthaben und Bonuszinsen die Bausparsumme übersteigen. Ältere hochverzinste Bausparverträge mit hohem Renditeversprechen bedeuten für Banken finanzielle Belastungen. Gleichzeitig können sie diese nicht durch hohe Darlehenszinsen aus dieser Zeit ausgleichen, weil Kunden zu günstigeren Hypothekendarlehen wechseln. Der Attraktivität der Geldanlage bei deutschen Sparern tat es dennoch keinen Abbruch, der Bausparvertrag gilt als eines der beliebtesten und sichersten Anlageprodukte überhaupt.

In Luxemburg ist das nicht anders, auch hier ist der Zuspruch zum Barsparvertrag ungebrochen. Die Raffeisenbank, die mit der Schwäbisch Hall zusammenarbeitet, verzeichnet weiterhin eine große Nachfrage, die bei „mehr als zehn Prozent“ im Vergleich zum Vorjahr liegt. Wie viel genau wollte die Bank auf Nachfrage aber nicht sagen. Anders als in Deutschland, wo die Bankenaufsicht Bafin im vergangenen Jahr eine Risikowarnung für Bausparkassen ausgesprochen hat, gab es diese für Luxemburg nicht. Das liegt daran, dass für die drei deutschen Bausparkassen, die in Luxemburg aktiv sind – Wüstenrot, BHW und Schwäbisch Hall – die Bundesfinanzaufsicht für die Risiko- und Stabilitätsbewertung zuständig ist, und nicht die hiesige CSSF.

Gleichwohl, von Aufregung oder Sorgen ist hierzulande nichts zu bemerken. Massenkündigungen wie in Deutschland gab es in Luxemburg nicht. Die Raffeisenbank, ein bekannter Anbieter für Bausparverträge in Luxemburg, betont, man habe selbst „keine Verträge aufgekündigt“. Vertragsanpassungen seien, wenn, dann „immer im Gespräch mit dem Kunden erfolgt“ und nur, „wenn die Tarife zuungunsten des Kunden waren“, heißt es von Seiten der Bank. Der Bausparvertrag gilt nach wie vor als gute Wertanlage: Weil die Zinsen sehr niedrig liegen, scheint der Traum von Eigenheim greifbarer. Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank sorgt dafür, dass auch die Darlehenszinsen beim Bausparen so niedrig sind wie lange nicht mehr, zum Teil unter zwei Prozent. Das eigene Haus zu finanzieren, wird also erschwinglicher. Allerdings sind die Guthabenzinsen bei Bausparverträgen eben auch niedrig.

Dass die Attraktivität des Bausparens ungebrochen ist, führt Jean-Louis Modert von der Marketingabteilung der Raiffeisenbank noch auf einen anderen Aspekt zurück: die steuerlichen Vorteile. Die Zinsen lassen sich in der Höhe von 672 Euro jährlich pro Alleinstehenden von der Steuer absetzen. Der Bausparvertrag ist also nicht nur interessant für Menschen, die Geld für die eigenen vier Wände zurücklegen wollen, sondern auch für Bankkunden, die gezielt steuerliche Begünstigungen suchen. Wer erstmals Haus- oder Wohungseigentümer wird, kann zudem mit weiteren staatlichen Vergünstigungen, wie Bau- und Architektenprämie oder kommunale Beihilfen rechnen.

Im Normalfall liegen die Laufzeiten eines Bausparvertrags bei zehn bis zwölf Jahren, die Mindestlaufzeit von zwei Jahren und die Maximallaufzeit von 15 Jahren werden dagegen äußerst selten nachgefragt, teilt die Raiffeisenbank mit. Bausparverträge werden von jungen Kunden, die ein Eigenheim finanzieren wollen, oft mit einem klassischen Darlehen kombiniert, so die Spuerkees. So können sich Spar- und Kreditphase schon mal auf 30 Jahre addieren. Mit dem Bausparvertrag sichert sich der Sparer ein fixes planbares Zinsniveau für das Darlehen über die komplette Laufzeit. Ein weiterer Pluspunkt für den Kunden – wenn er richtig beraten wird. In Luxemburg gibt es leider kaum öffentlich zugängliche Qualitätskontrollen zur Bauspar-Kundenberatung, die Geldanlage ist, anders als viele Anbieter suggerieren, kein einfaches, sondern ein komplexes Produkt.

Kunden sollten sich beispielsweise davor in Acht nehmen, sich allein an den niedrigen Darlehenszinsen zu orientieren. Der Sollzins pro Jahr ist allein nicht aussagekräftig, weil den niedrigen Darlehenszinsen auf der einen Seite möglicherweise ein realer Kapitalverlust über die Jahre gegenübersteht. Auch können bei der Auflösung Abschluss-, Konto- und Zuteilungsgebühren anfallen, die nicht auf dem ersten Blick ersichtlich sind, die Zinsgewinne aber auffressen können. Außerdem bedeuten hohe Bausparsummen in der Regel auch höhere Provisionen für die Berater.

Ines Kurschat
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