Schon nächste Woche könnte eine Absichtserklärung mit einem neuen Betreiber für das Hotel Alfa abgeschlossen sein

Großer Streit ums Grand Hotel

d'Lëtzebuerger Land vom 31.03.2017

Schon nächste Woche könnte eine Grundsatzvereinbarung mit einem neuen Betreiber getroffen werden, so Pierre Metzler, Anwalt und Mitglied im Verwaltungsrats von Alfa Gestion, der Firma, der die Pacht auf dem Hotel Alfa gegenüber dem Hauptbahnhof in Luxemburg gehört. Alfa Gestion ließ das Hotel Alfa am 15. März vom Gerichtsvollzieher zwangsräumen, um den bisherigen Mieter und Betreiber des Hotels nach langjährigen Streitigkeiten mitsamt Kunden und rund 80 Angestellten vor die Tür zu setzen.

„Wir sind in Verhandlungen mit Hoteliers“, so Metzler diese Woche gegenüber dem Land. Danach wären zwei Szenarien möglich. Entweder das Hotel Alfa werde schnellstmöglich wiedereröffnet und etappenweise renoviert. Oder es bleibe bis zum Herbst geschlossen, um erst die Renovierungsarbeiten durchzuführen und dann den Betrieb wieder aufzunehmen. Auf jeden Fall, bekräftigt Metzler, solle das Gebäude auch in Zukunft als Hotel genutzt werden.

Der Investor, den Metzler vertritt, Établissement Trican SA, beziehungsweise Werner Würgler, der zeichnungsberechtigte Schweizer Anwalt dahinter, glaube daran, dass das Hotel eine rentable Investition sei und der Umsatz nach der Renovierung auf zwischen acht und neun Millionen Euro steigen könne. Der letzten verfügbaren Bilanz zufolge machte das Hotel Alfa, bei der lokalen Kundschaft wegen seiner Brasserie beliebt, einen Umsatz von unter fünf Millionen Euro.

Nach der Renovierung strebe man für das Alfa einen Standard von vier Sternen Plus an, sagt Pierre Metzler. Bei der Hotelkette Accor, erklärt er, entspreche das der Hotelkategorie M Gallery, knapp unter der auch in Luxemburg vertretenen Marke Sofitel. Bei anderen Ketten, fügt er hinzu, habe dieser Standard einen anderen Namen. Laut Accor-Webseite sind die M-Gallery-Hotels eine „Kollektion eleganter Boutique-Hotels für Kulturliebhaber“, deren Herzstück eine „behagliche Lobby“ ist, und in denen es eine Sauna, ein Spa sowie ein Yoga und Fitnessprogramm gibt. Ob der neue Betreiber das Personal übernehmen werde? Das liege in der Hand des neuen Betreibers, umgeht der Anwalt die Frage.

Dass das Hotel renovierungsbedürftig ist, ist wohl der einzige Punkt, in dem sich die Streitparteien in der vielschichtigen Sache Alfa Hotel einig sind. Auf der einen Seite des Disputs steht: Rolphe Reding, Geschäftsführer von Alfa Hotel Sàrl, der das Hotel seit den Neunzigern betreibt. Dazu mietete er einerseits die Räumlichkeiten von Alfa Gestion und zahlte andererseits Gebühren an die Hotelgruppe Accor, um deren Marke Mercure und ihr Buchungssystem nutzen zu dürfen. Das Hotelpersonal, mit Ausnahme der Direktion, die von Accor gestellt wurde, war bei Alfa Hotel unter Vertrag.

Auf der anderen Seite stehen: Alfa Gestion, die Firma, der die Pacht und das Nutzungsrecht auf dem Gebäude gehören. Und Alfa Place de la Gare, die Firma, der die bloßen Eigentumsrechte an der Immobilie gehören. Alfa Gestion und Alfa Place de Gare sind beide im Besitz von Établissement Trican und der Firma Nicinvest. Étabilssement Trican erwarb Anfang 2014 jeweils 51 Prozent an den beiden Firmen. Doch die genauen Besitzverhältnisse sind derzeit nicht nachvollziehbar. Das liegt daran, dass Trican der Firma Nicinvest, hinter der Unternehmer Nico Rollinger steht, Kredite in Millionenhöhe gewährt hat, die mit den Aktien an den Alfa-Firmen besichert waren. In den Jahresbilanzen von Trican sind Kredite von rund vier Millionen Euro nachzuvollziehen, deren Laufzeiten kürzlich zu Ende gingen. Sicherlich genug, um Druck ausüben zu können. Dass Trican die Sicherheiten eingefordert hat, will Metzler nicht bestätigen. Er räumt aber ein, dass die Besitzverhältnisse sich verändert haben.

Das ist nicht ganz unwichtig, denn Nico Rollinger, der sich nicht äußern will und auf Metzler verweisen lässt, steht wohl irgendwo zwischen den Fronten. Er war es, der 2010, einerseits von Rolphe Reding und seiner Gesellschaft Alfa Hotel, die Nutzungsrechte am Gebäude mit der zu diesem Zweck gegründeten Alfa Gestion erwarb, die Reding der Familie Lefèvre Jahre zuvor abgekauft hatte. Und gleichzeitig mit Alfa Place de la Gare das Gebäude an sich kaufte, das bis dahin weiterhin in Familienbesitz war. Warum Rolphe Reding, nachdem er, wie die Bilanzen zeigen, Ende der Neunziger rund 25 Millionen ins Hotel investierte, die Nutzungsrechte überhaupt veräußerte, und warum Rollinger 2014 die Mehrheit an Trican verkaufte, erklärt Reding durch Geldnot. Weitere Immobiliengeschäfte und die Finanzkrise führten dazu, dass neue Investoren gebraucht wurden. Nach rund zehn Jahren Hotelbetrieb seien erneut Renovierungsarbeiten notwendig gewesen. Fünf Millionen Euro seien dafür gebraucht worden, so Reding, die er zusammen mit Rollinger aufbringen wollte. Was Reding zufolge nicht gelang. So kam, wie er erzählt, 2014 Trican ins Spiel. Doch auch danach sei kein Geld ins Hotel investiert worden. Deshalb sei es nicht mehr möglich gewesen, die besten Zimmerpreise zu erzielen und rentabel zu arbeiten. Was laut Reding auch Rollinger eingesehen und ihm eine Mietminderung zugesagt habe.

Doch einen schriftlichen Beleg dafür konnte Reding auch während der Prozesse, die zur Zwangsräumung vor zwei Wochen führten, nicht vorlegen. Reding redet von mündlichen Zusagen. Pierre Metzler sagt, wohl habe Nico Rollinger von Unterredungen berichtet, aber nicht von einem abgeschlossenen Abkommen. Noch bevor Trican überhaupt in die Alfa-Gesellschaften einstieg, hatte schon Nico Rollinger, das geht aus den Gerichtsurteilen hervor, Rolphe Reding davon in Kenntnis gesetzt, dass der 2010 abgeschlossene Mietvertrag mit Enddatum Ende 2013 nicht verlängert werde. Vor Gericht hatte Reding argumentiert, Rollinger habe diese Entscheidung dann rückgängig gemacht. Doch am Ende hielten die Richter fest, dass es weder einen Beleg für die Mietminderung gab, noch ein gültiger Mietvertrag für die Zeit ab 2014 bestanden habe.

Im Dezember 2014 hatten die Parteien eine Konvention unterzeichnet, die Reding einen Teil seiner Mietschulden erließ, wenn er das Hotel Ende Januar 2015 räumen würde. Alle unterschrieben, auch Reding. Er, wie er später vor Gericht geltend machte, unter der Bedingung, dass einer seiner Geschäftspartner den Hotelbetrieb übernehmen werde. Doch in der Version der Konvention, die unterzeichnet wurde, war diese Bedingung, wie das Gericht befand, eindeutig nicht festgehalten. Reding ließ das Datum zur Räumung verstreichen, woraufhin seine Vermieter vor Gericht zogen. Sie bekamen Recht, sowohl in erster, als auch in zweiter Instanz. Zwischen 2010 und 2017 habe er insgesamt 5,5 Millionen Euro Miete bezahlt, sagt Reding, doch seine Vermieter forderten 7,5 Millionen Euro. Am Ende fehlten fast zwei Millionen.

Alfa Hotel hatte Ende 2015 fast acht Millionen Euro Verluste angehäuft. Gewinne hat die Firma in den vergangenen Jahren nur selten gemacht, obwohl das Hotel, wie Reding sagt, eine Auslastung um die 70 Prozent erreichte. Doch das Gros der Verluste, 7,5 Millionen Euro, entstanden 2010, als Reding die Pacht für 25 Millionen Euro an Alfa Gestion verkaufte und hohe außerordentliche Einnahmen verbuchte. Doch im gleichen Jahr lagen die außerordentliche Ausgaben bei 32 Millionen Euro; wie Reding erklärt, handelte es sich dabei um die Mieten aus den Vorjahren, die alle auf einmal beglichen wurden.

Nico Rollinger nahm seinerseits mit den Alfa-
Firmen 2010 Bankkredite auf, um die Immobilie die Nutzungsrechte daran zu kaufen. Auf insgesamt 34,6 Millionen Euro beliefen sich die langfristigen Schulden von Alfa Gestion und Alfa Place de la Gare Ende 2015.

In seiner Verzweiflung suchte Rolphe Reding, der überzeugt ist, dass hinter seinen Problemen Trican und Werner Würgler stecken, nach einem neuen Investor, der entweder Trican aus den Alfa-Gesellschaften herauskaufen beziehungsweise sie ganz übernehmen würde. Er wurde fündig, unter anderem bei dem in Luxemburg angesiedelten Immobilienfonds Aina, der auf einer Evaluierung von 42 Millionen Euro minus die Bankschulden ein Angebot von 25 Millionen Euro vorgelegt und das Geld bei der Bank habe blockieren lassen. Reding sagt, sein Vermieter habe ihn glauben lassen, er sei zum Verkauf bereit, und sieht das dadurch belegt, dass es am 2. März eine Unterredung zwischen dem Kaufinteressenten und Pierre Metzler gab. Dabei ist Metzler gegenüber dem Land formal: Es habe weder die Absicht zu verkaufen, noch ein Mandat gegeben, einen Käufer zu suchen.

Gegen diese Einschätzung versucht Reding vorzugehen. Er sieht laufende Verkaufsverhandlungen unrechtmäßig unterbrochen. Und will herausgefunden haben, dass hinter seinem Rücken direkt mit Accor über eine Übernahme des Hotelbetriebs diskutiert worden sei. Er glaubt, noch eine Chance zu haben, wenn er seine bisherigen Partner Accor davon überzeugen könne, ihn nicht zu hintergehen. Denn wer immer das Hotel schnell wiedereröffnen wolle – und davon geht er aus –, brauche sein Personal. Doch, dass sich seine Vermieter nach der Zwangsräumung davon beeindrucken lassen, ist eher unwahrscheinlich.

In der Zwischenzeit fehlen in der Hauptstadt Hotelbetten. Rund 36 000 Übernachtungen verbuchte das Alfa vergangenes Jahr. Auf der Buchungsseite Booking.com waren die meisten Hotels in Luxemburg „sehr gefragt“ und hatten nur noch wenige Zimmer für das Wochenende verfügbar.

Michèle Sinner
© 2017 d’Lëtzebuerger Land