De Klunibald huet zougespaart

Gewürzte Seitenhiebe, schaler Beigeschmack

d'Lëtzebuerger Land du 23.07.2009

Der Bousser Theaterverein De Schan­kemännchen lud am 16. Juli zum Freilichttheater in den örtlichen Prommenhaff. Rund einhundert Amateure aus Grosbous tragen bis zum 25. Juli auf und vor der Bühne zur Entstehung der von Jemp Schuster verfassten mittelalterlichen Sage um den Geistlichen Klunibald bei, der vergebens versucht, die Jungfräulichkeit seiner von Nachbarssöhnen des Groe Steen umworbe­nen Nichten vom Roude Fiels mit allen Mitteln zu verteidigen. Dabei legt sich im Verlauf der Geschichte die unvermeidbare Unterwanderung kirchli­cher Zügelung durch das Volk frei. 

Während sich die Organisatoren vergangener Freilichtspektakel in Erpel­dingen, Bourglinster oder Wiltz der vorhandenen Architektur als Kulisse bedienen konnten, bemüht sich das Bousser Ensemble um eine sehr aufwändig errichtete mittelalterliche Dorf- und Festungskulisse, die zugleich in eine durchaus farbenfrohe und rhythmisierte Lichtshow eingebettet ist. Jung und Alt der beschaulichen Gemeinde nehmen vom Statisten zur Haupt- und Nebenrolle mit Leib und Seele am Geschehen teil.

Den Schattenseiten dieser Inszenierung sind wohl die schauspielerischen Auftritte der ersten Viertelstunde zuzuordnen. Vor allem die textreichen Hauptrollen bereiten den Darstellern anfangs so manche Schwierigkeit. Spielen sie sich im Verlauf des Stücks zusehends warm, so verraten die ersten Dialoge die sowohl reichliche als auch nachvollziehbare Nervosität der Mimen.

Vor allem aber stört die platte Komik der ersten Hälfte der Inszenierung. Ist so mancher Lacher darauf zurückzuführen, dass man soeben den Nachbarsjungen auf der Bühne identifiziert hat, so beschränkt sich der überwiegende Teil der Komik auf vulgärste sprachliche Plumpheit. Wenn mit „Arsch“ und „Flaus“ auf das üppige Gesäß der Wirtin und ihren Keuschheitsgürtel hingewiesen wird, wenn gegrölt wird, wenn ihr das Metallkondom mit sexuellen Gebärden wie auf dem Gynäkologentisch entfernt wird, lässt sich als Zwischenbilanz festhalten, dass Humor platter wohl nicht sein kann. Trotz allem dörflichen Charme und dem tief beeindruckenden Engagement der Darsteller entpuppt sich die erste Stunde der Historien-Komödie als zähe Plattitüde. Der Hinweis im Pressetext, man habe sich an alten Monthy-Python-Filme orientiert, ruft da nur ein Stirnrunzeln hervor: Mit dem britischen Humor von Cleese [&] Co hat De Klunibald huet zougespaart nun rein gar nichts zu tun.

Und doch: Wo Schatten ist, da ist auch Licht. So zieht Schuster seinen Karren in der zweiten Hälfte mit einigen interessanten, keineswegs neuen Seitenhieben gegen die Sexual- und Doppelmoral der Kirchenvertreter, gegen die Frondienste des Feudalsystems oder aktuelle Erziehungsfragen zu Laisser-Faire und autoritärer Züchtigung Schritt für Schritt aus dem Dreck. Auch die Parallele zu King Lear, der – genau wie der Patriarch des Groe Steen – sein gerechtestes Kind verbannt und unter dieser Schuldenlast dem Wahnsinn verfällt, erweitert die Facetten der Märe. Die anfangs seichte Klamotte wird im weiteren Verlauf zu einem Handlungsstrang verwoben, der sich inhaltlich nicht nur auf die hormonellen Eskapaden der männlichen Hauptfiguren beschränkt, sondern das Geschehen mit musikalischen Einlagen und sozialkritischen Hieben vertieft. Dramaturgisch und inhaltlich nimmt die Handlung zu diesem Zeitpunkt die Form eines mittelalterlichen Fastnachtsspiels à la Hans Sachs an. 

Sein sprachliches Fingerspitzengefühl offenbart uns Schuster mit einigen, leider zu wohl dosierten Wortspielen: Vor allem die Verwirrung mit luxemburgischen Homonymen („verbannen“: zu deutsch „verbinden“ oder „verbannen“; „ech gin op“: zu deutsch „ich gehe hoch“ oder „ich gebe auf“) hat es ihm angetan und sorgt für textuelle Subtilität.

Die Zielsetzung eines solchen Abends soll es sein, das Publikum zu unterhalten. Obwohl Regisseur Clod Thommes und der musikalischen Untermalung von Frank Möller wohl kaum etwas angelastet werden kann, wird Klunibald dieser Anforderung aufgrund der anfänglich unerträglich platten Komik zu wenig gerecht. Somit gilt der andauernde Applaus des Publikums wohl eher der aktionsreichen und sozialkritischen zweiten Hälfte, die aus einer zähen Posse ein nettes „Fräiliichtspektakel“ macht.

De Klunibald huet zougespaart; Produktion: De Schankemännchen/Spektakel; Regie: Clod Thommes; Text: Jemp Schuster; Musik; Frank Möller; Darsteller u.a. Romain Schleimer, Carlo Stein, Marc Pletschette; weitere Vorstellungen am 24. und 25. Juli um 21 Uhr; Karten unter www.luxembourgticket.lu; weitere Informationen unter www.schankemaennchen.lu

Claude Reiles
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