Pätterchen D.

Wenn der Tod zum Märchen geht

d'Lëtzebuerger Land vom 08.11.2007

Das Beste, das das Kulturjahr für ein größeres Publikum anbie-ten konnte, waren Programme für Kinder und Jugendliche und großangelegte Ausstellungen. Das Capel (Centre d’animation pédagogique et de loisirs) der Stadt Luxemburg hat nun mit einer wunderbaren Ausstellung für Kinder und ihre Familien zu einem wahrlich nicht ganz einfachen Thema – dem Tod – einen weiteren Höhepunkt in den Veranstaltungsreigen in der Rotonde 2 gesetzt. Déi lescht Rees, eine Zusammenarbeit mit dem Kindermuseum Berlin, lädt die Besucher auf eine Reise zur spielerischen Ergründung der vielfältigen Erscheinungsformen des Todes in unserer und in anderen Gesellschaften ein. Das aus Deutschland importierte Konzept funktioniert ausnehmend gut und kann, trotz des traurigen Themas, einen unterhaltsamen, gar lustigen Nachmittag bescheren. Diese Ausstellung, die nur noch bis zum 11. November zu sehen ist, sollte man sich nicht entgehen lassen.Glücklicherweise haben sich die Verantwortlichen nicht mit der Errichtung einer Ausstellung begnügt, sondern das Thema „Erzähl mir was vom Tod“ mit einem ergiebigen Rahmenprogramm versehen. In dieses Programm gliedert sich ein kleines Kunstwerk der Kinderkultur, das Theaterstück Pätterchen D. ein. Das Stück, das am vergangenen Sonntag Premiere feierte, ist eine Produktion des Capel mit dem Kulturhaus Mersch, unter der Regie des Traffik Theaters. Regisseurin Ela Baumann und Textverfasser Daniel Tanson haben sich der weitestgehend unbekannten Gebrüder-Grimm-Gechichte Gevatter Tod angenommen. Was die Ausstellung auszeichnet, gebührt auch der Ehre dieses Kinderstückes: mit viel Intelligenz und sanftem Humor, mit ganz viel Liebe zum Detail und mit dem Verständnis, wie Kinder ihre Welt erleben, wird das bierernste Thema des Todes angegangen. Das Grimm-Märchen ist an sich düster und traurig, und mit der überkommenen Moral des 19. Jahrhunderts versehen. Es sind die gelungene Inszenierung, die Erzählkunst von Daniel Tanson, sowie die fantastische Musikkompositionen von Michel Boulanger die Pätterchen D. brillieren lassen. Und letztendlich auch beim Zielpublikum, den Fünf- bis Zehnjährigen, Gefallen finden. In schlichtem Luxemburgisch, ins heutige Luxemburg transportiert und in langsamen Erzählrhythmus – so wird Grimm spannend und unterhaltsam. Und der Tod ein ganz verträglicher Zeitgenosse. 

Pätterchen D. mit Michel Boulanger, Maurice Cassiers, Norbert Pflanzer und Daniel Tanson, unter der Regie von Ela Baumann, mit einem Bühnenbild vom Künstleratelier Coopérations Wiltz. Weitere Vorstellungen am 11. November um 15 Uhr, am 12. bis zum 15. November jeweils um 10 Uhr und am 12. und am 14. November um 14h30 im Kulturhaus Mersch. Reservierung: www.kulturhaus.lu, Tel: 26 32 43. Weitere Informationen unter www.traffiktheater.com.

 

Anne Schroeder
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