Die Botschaft in Luxemburg bleibt das kleine Dankeschön der US-Präsidenten für ihre Wahlkämpfer und Wahlkampfspender

Operettenbotschafter

d'Lëtzebuerger Land vom 28.10.2011

Vergangene Woche hieß der Senat die Ernennung von Bob A. Mandell zum neuen US-Botschafter in Luxemburg gut. Der 63-jährige Mandell ist kein Berufsdiplomat und hat auch sonst von Außenpolitik wenig Ahnung. Er ist vielmehr Mitinhaber der Meritage Homes, die Grundstücke erschließt und darauf Wohnsiedlungen im Süden und Westen der USA baut, so dass sie mit über 70 000 Einfamilienhäusern zu den größten Baufirmen des Landes zählt.

Weil das Immobiliengeschäft stärker von politischen Entscheidungen abhängig ist als andere Branchen, gehört Mandell zu den wichtigen Wahlkampfspendern von Präsident Barack Obama. Seit 1992 spendete er der Demokratischen Partei mehrere hunderttausend Dollar, oft im Namen der Firma. 2008 gab er 30 000 Dollar für Obamas Kampagne und danach 50 000 Dollar, um Obamas Amtseinführung zu feiern. Außerdem sammelte er als „bundler“ bei Geschäftspartnern, Freunden und Bekannten Spenden, die er dann als Scheckbündel an Obama weiterreichte. Dieser belohnte bisher zwei Dutzend seiner Wahlkampfspender mit wichtigen Bot[-]schaftsposten. Aber die US-Botschaft in Luxemburg hat in diesem Geschäft eine besonders lange und reiche Tradition.

Die USA erkannten das auf dem Wiener Kongress 1815 geschaffene Großherzogtum erst am 31. Mai 1878 an, wenige Monate nach dem Ende des Großen Sioux-Krieges und dem Tod von Häuptling Crazy Horse. Hier[-]zulande war gerade die Fabrikar[-]-beit für Kinder unter zwölf Jahren verboten worden.

Zuerst war der US-Botschafter beim niederländischen Thron auch für das durch Personalunion verbundene Großherzogtum zuständig. Doch 1890 erlosch mit der Dynastie auch die diplomatische Vertretung für Luxemburg. 1903 stellten die USA dann diplomatische Beziehungen zu Luxemburg selbst her und ernannten ihren Botschafter in den Niederlanden, Stanford Newel, zum ersten US-Gesandten für Luxemburg. Newel (1839-1907) war kein Berufsdiplomat, sondern ein einflussreicher republikanischer Anwalt aus Saint Paul, Minnesota. Die US-Botschafter in den Niederlanden blieben 20 Jahre lang Gesandte für Luxemburg, ehe 1923 die Botschafter in Belgien für Luxemburg zuständig wurden.

Die Tochter des Ölmagnaten und Hotelunternehmers William Balser Skirvin, Witwe und Alleinerbin des Stahlbarons George Mesta, Perle Mesta (1889-1975), wurde 1949 die erste US-Gesandte, die in Luxemburg residierte, auch wenn sie noch nicht den Rang einer Botschafterin genoss. Das Time-Magazin widmete ihr am 14. März 1949 seine Titelseite als „Washington hostess Perle Mesta“, vier Monate später belohnte sie Präsident Harry S. Truman mit der Gesandtschaft in dem kleinen europäischen Operettenstaat dafür, dass sie in Washington großartige Empfänge organisiert hatte, um Wahlkampfspenden für ihn und seine Demokratische Partei zu sammeln.

Die Saturday Evening Post berichtete am 7.1.1950 unter dem Titel „Party girl in Paradise“ über die Gesandte in Luxemburg. Im gleichen Jahr schrieb Irving Berlin das Musical Call me Madam über die quirlige US-Botschafterin Sally Adams, die in dem euro[-]päischen Zwergstaat Lichtenburg mit Großherzog Otto, Großherzogin Sophie und Premierminister Sebastian um die Wette sang. Das Musical wurde mehr als tausendmal am Broadway und in London aufgeführt und 1953 von Walter Lang verfilmt. Musical und Film prägten wohl bei vielen ausländischen Zuschauern das Bild von Luxemburg als Alpenmonarchie, wo die männlichen Einwohner in Lederhosen herumlaufen.

Das war vielleicht der Grund, weshalb die nächsten beiden US-Botschafter weniger schillernde Figuren waren. 1956 wurde nämlich die diplomatische Vertretung der USA in den Rang einer Botschaft erhoben. Der damalige Gesandte Wiley T. Buchanan Jr. (1914-1986), ein ranghoher Beamter während des Kriegs und späterer Protokollchef von Präsident Eisenhower, überreichte am 21. September 1956 als erster US-Botschafter in Luxemburg sein Beglaubigungsschreiben. Ihm folgte Vinton Chapin (1900-1982), der schon in Haiti und den Niederlanden gedient hatte.

Unter den bisher 22 amtierenden und designierten US-Botschaftern für Luxemburg waren gerade drei Berufsdiplomaten. Die Mehrheit erhielt den im US-Außenministerium wohl für ziemlich überflüssig gehaltenen Posten, weil sie überdurchschnittlich für den Wahlkampf der Präsidenten spendete, Spenden sammelte oder den Wahlkampf organisierte. Diese Praxis des Ämterkaufs war hierzulande vor allem unter dem Ancien régime gängig.

So war der Geschäftsmann und Finanzberater Allingham Burks Summers (1898-1977) aus Maryland, der 1960 Botschafter in Luxemburg wurde, vor allem als Großwildjäger bekannt. The Paris News (21.6.1960) fragten deshalb, warum Präsident Eisenhower ihm und nicht seiner Ehefrau den Titel verlieh, „because the male half of this genial couple has allowed his missus to hold all the limelight in Republican fund-raisings. Burks Summers not only has been self-effacing but on numerous money-raisings has erased himself entirely.”

Burks Nachfolger, James Wilmer Wine (1918-1990), war während John F. Kennedys Wahlkampf für die Beziehungen des Nationalkomitees der Demokratischen Partei zu den verschiedenen Einwanderergemeinschaften verantwortlich und wurde 1961 mit dem Botschaftsposten in Luxemburg belohnt. Sein Nachfolger, William R. Rivin (1919-1967), hatte Kennedys Wahlkampf im Mittleren Westen koordiniert.

Kingdon Gould Jr. (*1924) war Partner der Washingtoner PMI Parking Management Inc. und gehörte während Jahrzehnten zu den großzügigsten Spendern der Republikanischen Partei, so dass der Immobilienunternehmer 1969 Botschafter in Luxemburg wurde. Seine Nachfolgerin wurde 1973 Ruth Lewis Farkas (1906-1996), Ehefrau des Gründers der Kaufhauskette Alexander’s. Sie hatte den Botschafterposten in Luxemburg mit einer Wahlkampfspende von 300 000 Dollar für US-Präsident Richard Nixon gekauft. Im Senat hatte es deshalb Widerstand gegen ihre Ernennung gegeben, doch Senator Gale W. McGee aus Wyoming meinte: „The money – that’s par for the course. It used to be a cheaper price – but that’s Nixon inflation.“ Trotzdem trat sie 1976 zurück. Zu ihrer Nachfolgerin machte Präsident Ford die Präsidentin eines Verlags aus Columbia und Vertreterin von Missouri im republikanischen Nationalkomitee, Rosemary Lucas Ginn (*1912).

Im März 1989 ernannte Präsident George Bush den Inhaber einer Washingtoner Consulting Firma, Frederick Morris Bush (*1949) aus Maryland, zum Botschafter für Luxemburg. Seine Eignung für den diplomatischen Posten wurde in einer offiziellen Mitteilung beschrieben: „Since 1979 Mr. Bush has been principal professional fundraiser for George Bush, serving as deputy finance chairman for the George Bush for President Committee; finance director of the Fund for America’s Future; executive cochairman of the Presidential Trust and Victory ’88 for the Republican Natio[-]nal Committee; and senior adviser for the Team 100 Program for the Republican National Committee.“ Das war dann doch zu schön, um wahr zu sein: Der Senat lehnte die Ernennung im August 1989 ab, der Präsident zog sie zurück und schickte einen Beamten, Edward Morgan Rowell (*1931).

Der demokratische Präsident Bill Clinton ernannte 1997 den Erben von Hormel Foods, Hersteller des Dosenfleischs „Spam“, James Hormel (*1933), zum Botschafter in Luxemburg. Die republikanische Rechte blockierte die Ernennung zuerst zwei Jahre lang, weil Hormel sich öffentlich zu seiner Homosexualität bekannte.

Präsident George W. Bush hatte 2002 mit der Ernennung von Peter Terpeluk (1948-2011) zum Botschafter in Luxemburg mehr Glück als sein Vater mit Frederick Morris Bush. Der vor zwei Monaten verstorbene Terpeluk, Inhaber einer Consulting-Firma, organisierte ab 1987 den Wahlkampf für Vater und Sohn Bush, sammelte Wahlkampfspenden für sie und war Schatzmeister der Republikanischen Partei.

Keinerlei außenpolitische Erfahrung hatte auch Ann Louise Wagner (*1962), die 2005 nach Luxemburg kam. Dafür war sie aber schon 1992 Wahlkampfdirektorin von Präsident George H. W. Bush und Vizepräsident Dan Quayle in Missouri. 1999 wurde sie die erste Frau an der Spitze der Republikanischen Partei in Missouri.

Cynthia Stroum aus einer Millionärsfamilie in Seattle, mit Beteiligungen in Starbucks Coffee, Biotech- und Elektronikfirmen, zählt zu den größten „bundlers“ von Präsident Barack Obamas Wahlkampf, jenen, die mehr als eine halbe Mil[-]lion Dollar Spenden sammeln. Für Obamas Antrittsfeier spendete sie 10 000 Dollar. Sie musste Anfang dieses Jahres zurücktreten, als das Außenministerium in Washington einen Bericht über „Dysfunktionen“ am Boulevard Emma[-]nuel Servais veröffentlichte, in dem sie allzu rücksichtslosen Umgang mit den Beamten und den Finanzmitteln der Botschaft vorgeworfen bekam. Trotzdem kommt mit dem Immobi[-]lienunternehmer Robert Mandell nun der nächste „bundler“ von Wahlkampfspenden des Präsidenten nach Luxemburg.

Biografische Angaben: Office of the Historian des State Department und Nekrologe der New York Times
Romain Hilgert
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