Luxemburgensia

Bilder eines Engagements

d'Lëtzebuerger Land vom 16.03.2018

Anlässlich ihres vierzigsten Jubiläums hat die Vereinigung Amis des Musées im Oktober vergangenen Jahres ein umfangreiches Buch mit dem Titel Histoires d’une passion herausgegeben. Es erläutert die Geschichte(n) des Freundeskreises und hebt seine Mission und sein vielseitiges Engagement hervor. Was waren die Motivationen hinter dem Einsatz der Amis des Musées in den vergangenen 40 Jahren, welche Meilensteine gab es, und welche Schwerpunkte verfolgt die Vereinigung heute?

Freundeskreise fördern Museen durch verschiedene Maßnahmen finanzieller und ideeller Art. Die wichtigste Mission der Amis des Musées besteht darin, Museen für Menschen attraktiv und beliebt zu machen, sei es über die Organisation von speziellen Führungen und Vorträgen oder über Besuche musealer Institutionen im In- und Ausland. Darüber hinaus tätigt und vermittelt der Freundeskreis auch Ankäufe für die Museen und hilft so, die Bestände für die Zukunft zu sichern. Die Amis des Musées wickelten so in 40 Jahren über 200 Ankäufe ab, unter anderem 1978 das Gemälde Deux Demoiselles von Michel Sinner fürs Musée national d’histoire et d’art oder 2006 eine Arbeit ohne Titel von Michel Majerus für das Mudam.

Die Geschichte des privaten kulturellen Engagements in Luxemburg reicht aber weiter als 40 Jahre zurück. Schon 1926 wurde eine erste Société des amis des musées gegründet. Dieser Kreis sollte dem Zweck dienen, die schon bestehenden einzelnen öffentlichen Sammlungen in einem neuen Haus – dem ersten Museum in Luxemburg – zu vereinen. Der Verein musste allerdings 1941 wieder aufgelöst werden, nachdem die Nationalsozialisten in Luxemburg eingefallen waren und ihre eigenen Pläne für die kulturelle Entwicklung in Luxemburg verfolgten. Unter der Ägide von Joseph-Emile Müller, Konservator am Nationalmuseum, wurde 1977 erneut eine Gesellschaft der Freunde ins Leben gerufen, die Association des amis du Musée national d’histoire et d’art. 20 Jahre später, unter dem Einfluss einer sich breiter entwickelnden Kunst- und Kulturszene, wurde der Freundeskreis in Les Amis des Musées d’art et d’histoire, Luxembourg umgetauft und nahm auch das Casino – Forum d’art contemporain, das Lëtzebuerg City Museum, die Villa Vauban, das Musée Dräi Eechelen und später auch das Mudam in seine Förderung auf.

Der Verein, der von Florence Reckinger präsidiert wird, zählt heute um die 1 800 Freunde – eine beachtliche Zahl, wenn man sie beispielsweise mit deutschen Freundeskreisen vergleicht. Diese hohe Mitgliederzahl lässt sich über den niedrigen regulären Jahresbeitrag erklären, der bei lediglich 70 Euro liegt, dafür aber unter anderem freien Eintritt in alle beteiligten Museen bietet.

Warum aber sind Freundeskreise und private Förderbereitschaft im Allgemeinen so wichtig? Sie stehen nicht nur für eine finanzielle Unterstützung und somit für eine Sicherung der Zukunft des kulturellen Erbes ein. Sie tun dies jenseits eines politischen Einflusses. Öffentliche museale Sammlungen sind zumeist jenseits eines personellen Geschmacks und ortsspezifisch angelegt, zeugen dementsprechend von der Vergangenheit und Gegenwart einer Region oder eines Landes und sind identitätsstiftend. Bedingt durch die staatliche Subvention, die in den meisten europäischen Ländern einen beachtlichen Teil des Gesamtbudgets ausmacht, unterliegen die Museen immer einer gewissen Beeinflussung durch die Politik. Welche Ausmaße sie annehmen kann, sieht man in Polen, wo unlängst mehrere Museumsdirektoren entlassen wurden, weil ihre Ansichten sich nicht mit denen der Regierung deckten. Auf einer anderen Ebene, aber doch schwerwiegend: 2014 zog die Luxemburger Regierung in Erwägung, das Gemälde Paysage de Cannes au crépuscule von Picasso zu veräußern, um die Staatskasse aufzustocken. Unter den Stimmen, die sich gegen den Verkauf des einzigen Picassos in einer öffentlichen Sammlung in Luxemburg aussprachen, war auch die von Marie-Françoise Glaesener, der ehemaligen Präsidentin des Freundeskreises.

Über diesen wichtigen Beitrag des Freundeskreises zum kulturellen Leben und seiner Vielfalt in Luxemburg gibt das in mehrere Kapitel gegliederte Buch Histoires d’une passion Auskunft. Im Vordergrund stehen auch Interviews mit Verantwortlichen der Museen wie Kevin Muhlen, Danièle Wagner, Clément Minighetti, François Reinert und Michel Polfer. In seinem Text über die Rolle der Museen erläutert Julien Anfruns, Mitglied des Conseil d’État in Frankreich, die Wichtigkeit der musealen Institution als Botschafter unserer Gesellschaft und Vermittler zwischen den Kulturkreisen. Die Expertin für Neuroästhetik Arielle Kliffer beschreibt ihrerseits, wie das Gehirn das Schöne wahrnimmt und wie Kunst eine Produktion des Geistes ist. Delphine Munro, Leiterin der Arts & Culture der Europäi-schen Investitionsbank, geht wiederum auf die Banken und Firmen, die Kunst sammeln, ein und auf ihre Strategien, diese Sammlungen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Ein weiteres Kapitel gibt Einblicke in die historische Entwicklung der Museen in Luxemburg (Jean-Luc Mousset), die mit dem finanziellen Wohlstand des Landes (1980 bis 2008) einherging, in die Rezeption der Fotografie hierzulande (Paul di Felice), in die aktuelle Entwicklung der musealen und kulturellen Landschaft (Jo Kox) und in die Debatte um eine Luxemburger Kunstgeschichte (Christian Mosar). Mosar hebt in seiner Analyse hervor, dass aktuell 35 Künstler vom Künstlerstatus in Luxemburg Gebrauch machen (dass es sich hier um eine sehr geringe Zahl handelt, muss wohl nicht hervorgehoben werden), dass es zum Beispiel aber keine offizielle Online-Plattform gibt, die ihre Produktionen vorstellt.

Ein Teil des Buches ist den privaten Sammlern in Luxemburg (josée hansen) und der Fondation La Marck (Philippe Champ) gewidmet. Unter den privaten Sammlern kann man guten Gewissens das Ehepaar Patrick und Stephanie Majerus hervorheben, die für einen jungen Geschmack in ihrer Sammlungsaktivität stehen und die dem Mudam über die letzten Jahre (und bis zum Weggang von Enrico Lunghi) mehrere wertvolle Kunstwerke geschenkt haben. Der letzte Teil des Buchs beschäftigt sich schließlich mit den Schenkungen, einer Auswahl an historischen Dokumenten und Auszügen aus der Presse über die Amis des Musées.

Insgesamt verspricht das Buch Histoires d’une passion eine gute Dokumentation über die Vereinigung. Viele Themen werden angerissen und die Breite der kulturellen Landschaft Luxemburg vorgestellt.

Amis des Musées: Histoire(s) d’une passion; in Französisch und in Englisch; 228 Seiten,
50 Euro; www.amisdesmusees.lu

Florence Thurmes
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