Die Scheune der Dieschbourgs

Die Eselscheune von Jean-Paul Dieschbourg steht auf einer Betonplatte
Photo: Yves Wengler
Actualité du 27.09.2019 16:05

Folgt nach der Gartenhaus-Affäre eine Scheunen-Affäre? Der Bürgermeister von Echternach, Yves Wengler (CSV), will vor etwa einem Jahr Vergehen bei der Errichtung eines Viehunterstands auf der Specksmillen festgestellt haben. Als er am Samstag, den 24. November 2018 an der Mühle von Jean-Paul Dieschbourg, dem Vater der Umweltministerin, mit seinem Rad vorbeifuhr, entdeckte er Bagger und einen neuen Viehunterstand auf einer Betonplatte (Foto: Yves Wengler). Er konnte keine Genehmigung für dieses Gebäude ausfindig machen und fragte sich auch, wie es möglich sei, dass in einer zone verte eine Scheune auf einer Betonplatte errichtet werden kann. Also richtete er ein Schreiben an das Umweltministerium. 

Tatsächlich ist die Genehmigung für den Bau des Viehunterstands auf der Moulin Dieschbourg zu spät angefragt worden, bestätigt das Ministerium. Die Eselscheune stand bereits am 24. November, die Autorisierung wurde erst am 29. November von Herrn Dieschbourg angefragt und am 11. Januar 2019 von Umweltministerin Carole Dieschbourg erteilt. Ein Vergehen.

Projekt gegen Überschwemmungen 

Der Hintergrund ist jedoch, dass es sich um ein Renaturierungsprojekt in der Lauterburerbaach handelt. Nach den schweren Überschwemmungen im Sommer 2018 entschied die Regierung, Sofortmaßnahmen zu unternehmen und den Lauf des Bachs zu verbreitern. Das ging jedoch zu Lasten der Grundstücke von vier Mühlen. Die Besitzer waren alle bereit, Grundstücke abzutreten, der Staat verpflichtete sich dazu, mögliche Gebäude abzubauen und an anderer Stelle neu zu errichten. So auch die Scheune der Dieschbourgs. Das Problem: Jean-Paul Dieschbourg hatte vergessen, die zuständige Genehmigung einzuholen. 

Und die Betonplatte? „Es gibt kein Gesetz, das eine Betonplatte in einer Zone Verte verbietet“, sagt Mike Wagner, Erster Regierungsrat im Umweltministerium auf Land-Nachfrage. In diesem Fall habe man sich zudem dazu verpflichtet, das Gebäude nach dem Abbau in seinem Ursprung wiederherzustellen. Will heißen: Die frühere Scheune hatte eine Betonplatte, die neue also auch. Außerdem sei es aus statischen Gründen notwendig gewesen, eine Betonplatte zwei Meter in der Tiefe zu verankern, sonst würde Gefahr bestehen, dass die Scheune bei Hochwasser an Stabilität verliere. Das Umweltministerium sieht also „null Problem“ in der Geschichte. 

Angelegenheit für die Staatsanwaltschaft 

Und Wengler? Während er in einer ersten Reaktion sich noch mit den Antworten aus dem Ministerium zufrieden gab, hat er seine Meinung mittlerweile revidiert. „Dass in einer urgence vergessen wird, eine Genehmigung einzuholen, kann schon mal passieren“, so der CSV-Bürgermeister. Aber die Sache mit der Betonplatte will er nicht so stehen lassen. Denn die ursprüngliche Genehmigung des Umweltministeriums vom 26. Mai 2003 legt explizit fest, dass die Eselscheune der Moulin Dieschbourg eben nicht auf einer Betonplatte errichtet werden darf: „La construction sera réalisée en bois et placée sur le sol nu, sans dalle en béton ni maçonnerie.“ 

Für Wengler stimmt hier also etwas nicht. „Mir scheint es so, als wolle das Umweltministerium rückwirkend irgendwelche Erklärungen nachschieben, um die Sache zu rechtfertigen“, so Wengler. Er sieht nur zwei Möglichkeiten: Entweder es gab bei der ursprünglichen Scheune keine Betonplatte – dann aber würde der Erste Regierungsrat „lügen“. Oder es wurde dennoch „illegal“ eine Betonplatte gegossen – dann sei laut Wengler aber auch die aktuelle Platte nicht rechtens. In Absprache mit der CSV-Fraktion hat er sich jedenfalls dazu entscheiden, die Angelegenheit an die Staatsanwaltschaft weiterzuleiten. 

Pol Schock
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