Häuserkampf

Photo: Sven Becker
Actualité du 08.11.2019 11:20

Wird der Ettelbrücker Pfarrer bevorzugt behandelt, weil die Gemeinde das 220 Quadratmeter große Pfarrhaus an ihn für nur 400 Euro monatlich vermietet - während eine 100 Quadratmeter große Kommunalwohnung 1 200 Euro kostet? Mitte Oktober war die Frage Thema im Ettelbrücker Gemeinderat. Man könnte sie aber auch in anderen Gemeinden aufwerfen, wo Pfarrer mitunter sogar kostenlos in kommunalen Wohnungen logieren.

Wurde in dem 2018 verabschiedeten Gesetz, das die kommunalen Kirchenfabriken auflöste und sie dem neugschaffenen Kierchefong beim Bistum zuschlug, etwas zu regeln vergessen? Gut möglich, denn in der Öffentlichkeit wird gerade dieses Gesetz als dasjenige angesehen, mit dem es der liberale Koalition in der vorigen Lesgislaturperiode gelungen sei, die Trennung von Kirche und Staat durchzusetzen. Doch heute zeigt sich, dass es beispielsweise nicht so klar ist, ob Pfarrer einen öffentlichen Dienst erbringen, auf den hin sie eine kommunale Wohnung preiswerte oder sogar kostenlos nutzen könnten: Die Innenministerin sagt, dass dem nicht so sei; den Einzelfall aber überlässt sie der Gemeindeautonomie.

Gleichzeitig stellt das Bistum sich dumm auf Fragen, wie groß sein Immobilienvermögen ist,  und der Kierchefong des Bistums versucht an der Vermietung staatlich bezuschusster Sozialwohnungen zu verdienen, um so den Kirchenbetrieb und den Religionsunterricht mitzufinanzieren.  Als diesen Sommer die damalige Wohnungsbauministerin Sam Ttanson (Grüne) die Frist, aber der bezuschusste Mietwohnungen auf dem freien Markt verkauft werden dürfen, von zwanzig auf vierzig Jahre anhob, reagierte der Kierchefong besonders erbost.

Peter Feist
© 2019 d’Lëtzebuerger Land