Blut, Ausdauer und Idealismus

Cathy Goedert, Konditoreibesitzerin in Luxemburg
Foto: Sven Becker
Aktuelle Meldung vom 08.01.2020 00:00

Was benötigt ein Unternehmer, um in Luxemburg erfolgreich zu sein? Leidenschaft – klar. Know-how und Können – geschenkt. Ausdauer – natürlich. Familiäre Unterstützung? Das jedenfalls legt eine neue Studie des Global Entrepreneurship Monitor für Luxemburg nahe. Ein Drittel aller Unternehmer aus Luxemburg haben im vergangenen Jahr angegeben, dass das Abenteuer Unternehmertum ohne familiäre Unterstützung für sie nicht möglich gewesen wäre.

Und das würde wohl auch Guy Kirsch so unterschreiben. Der Metzger hat seinem Unternehmen und auch sich selbst einen neuen Look verpasst. Nun ist er dabei ein kleines Fleischimperium in Luxemburg aufzubauen – in Zeiten von veganen und vegetarischen Trends.

Auch Cathy Goedert hätte ohne die familiäre Unterstützung den Schritt zur eigenen Konditorei mitten in der Innenstadt wohl nie realisieren können. Doch nach vier Jahren musste die Pâtissière ihr Geschäft 2018 schließen – und nochmal zurück auf Los. Sie ist unter anderem gescheitert an der Dominanz der Big Four im Backwarengeschäft in Luxemburg: Namur, Fischer, Oberweis und Hoffman. 

Cultural Entrepreneurs sind eine Mischung aus Unternehmer und Künstler an der Schnittstelle von Kultur und Ökonomie. Es handelt sich bei ihnen meist um junge Vertreter der gehobenen Mittelschicht, die sich nach ihrem Studium in Design als unternehmerisches Ich verwirklichen wollen. Was sie vor allem mitbringen müssen, ist Idealismus. Und zwar eine Menge. Denn ein Blick auf die neuen Concept Stores Küb in Düdelingen und Am Gronn in der Hauptstadt oder auch auf das Coworking-Kollektiv Zollit zeigt, dass diese Form der kreativen Selbständigkeit oft mit Einkommen um den Mindestlohn einhergeht. 

An der Schnittstelle von Kultur und Unternehmer befindet sich auch João Godinho – der Handwerker ist auf der Suche nach dem perfekten Gitarren-Sound und findet dafür genügend Abnehmer in Luxemburg. 

Dass der Zug des Unternehmertums nie abgefahren ist, zeigt Claire Royer. Die Vermögensberaterin hat zunächst Karriere am Finanzplatz gemacht und hat dann radikal ihren Lebensplan geändert – sie begann professionell zu töpfern

Auch Simon Tritz hat zunächst Erfahrung in einem eher klassischen Beruf gesammelt, um nach und nach einen Plan auszuarbeiten und den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen: Er hat sich vor wenigen Jahren auf Reinigungsprozesse spezialisiert. 

Robert Glaesener ist als Unternehmer längst schon über die schwierigen Anfangsjahre hinweg. Sein Unternehmen Talkwalker spielt in der Champions League des Big data und Social Media Monitoring. Talkwalker scannt derart präzise das Netz für seine Kunden ab, dass Glaesener mit seinen Partnern mittlerweile über 300 Mitarbeiter anstellen kann mit eigner Zweigstelle in New York.

Pol Schock
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