Willkür am Hof

Der Großherzog und die Großherzogin unter einem Regenschirm auf dem Balkon des Palais
Foto: Patrick Galbats
Aktuelle Meldung vom 31.01.2020 17:21

Die Regierung hat am Freitag den Bericht von Jeannot Waringo veröffentlicht. Und der Text bestätigt den Inhalt des Artikels  Schweigegelübde am Hof , den d‘Lëtzebuerger Land vor zwei Wochen veröffentlicht hat.  Das Land ging der Frage nach, warum die Regierung mit Jeannot Waringo einen Sonderbeauftragten an den großherzoglichen Hof entsandt hatte. Wir haben uns bei den Recherchen mit rund einem Duzend Personen unterhalten, die dem Hof nahestehen. Sie alle haben ein kohärentes Bild gezeichnet, das allerdings geradezu erschreckend ist: der Hof wird vom Großherzog und der Großherzogin geführt wie zu Zeiten des Feudalismus. Entscheidungen werden willkürlich getroffen, Arbeitsrecht wird missachtet, Angestellte werden bedroht, gedemütigt oder entlassen. 

Und damit davon nichts an die Öffentlichkeit gelangt, hat der Hof eine Kultur des Schweigens, ein System der Omertà aufgebaut. Die entscheidende Rolle kommt dabei Großherzogin Maria Teresa zu; sie gibt den Takt vor, trifft sämtliche Entscheidungen und verbreitet Angst und Schrecken beim Personal.

Der Artikel traf auf reges Interesse (die Ausgabe des Land war innerhalb weniger Stunden vergriffen) und löste eine große Debatte in der Öffentlichkeit aus, die weit über die Grenzen Luxemburgs hinausging. Der Großherzog hat sich Anfang der Woche dazu entschieden, in diese Debatte einzugreifen und die Presse zu kritisieren. Er unterstellte unter anderem, dass Großherzogin Maria Teresa nicht die Möglichkeit erhielt, ihre Sicht der Dinge darzulegen. Dieser Vorwurf ist jedoch zurückzuweisen: das Land wartet bis heute auf eine Beantwortung von Fragen, die schriftlich und mündlich eingereicht worden sind.

Der Bericht von Jeannot Waringo bestätigt dabei in erstaunlich klarer Sprache die Recherchen des Land: Am Hof herrscht eine Kultur der Angst, die auf intransparente Strukturen und die Rolle der Großherzogin zurückgeht. Er fordert weitreichende Reformen und erstellt unter anderem mit Blick auf moderne konstitutionelle Monarchien ein Organigramm, in dem die Rollen zwischen Großherzog, Großherzogin sowie Hofmarschall  und Personal klar verteilt sind. In der kommenden Woche werden wir ausführlich auf den Bericht eingehen. 

Bereits in der Vergangenheit hat sich die Zeitung dabei mit dem Thema der Monarchie in Luxemburg beschäftigt. Hier ein Best-of unserer Artikel zum Thema Monarchie seit 2006: 

Selbstdemontage

Der Generaldirektor im Palais: Der Großherzog will die Probleme der Monarchie nun mit Managerismus lösen lassen

Popularitätstest: Nach zehn Jahren Krise der Monarchie soll die Hochzeit des Thronfolgers das Land wieder mit der Dynastie versöhnen

Die Verstrickung von Privat- und Staatsangelegenheiten: Darf eine Erbgroßherzogin jüdisch sein? Oder schwarzhäutig? Darf sie die Euthanasie befürworten? Darf sie vorbestraft oder gar arm sein? Darf nach der Einführung der Homoehe ein Erbgroßherzog einen Erbgroßherzog heiraten?

Lande, Leute, Güter, Renten: Der Großherzog wehrt sich gegen die geplante Verfassungsrevision

Juncker for President? Die Vorrechte des Großherzogs

Machtbeschneidung

Der schwarze Prinz: Aussage des anonymen Zeugen von RTL

 

 

 

Pol Schock
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