Decoding Gen Z

Foto: Sven Becker
Aktuelle Meldung vom 11.02.2020 15:55

Etwas Geduld noch: Im Jahr 2021 erscheint der neue Nationale Jugendbericht. Die Fragebögen sind eingesammelt, im Sommer vergangenen Jahres war die Haupterhebung. Schwerpunkt werden die Gesundheit und das Wohlbefinden der Mädchen und Jungen sein, verrät Jugendforscher Robin Samuel von der Uni Luxemburg. Der 37-Jährige ist Soziologieprofessor und neuer Leiter des alle fünf Jahre erscheinenden Jugendberichts und löst damit Helmut Willems ab. Die Studie soll Aspekte zur Gesundheit der Jugendlichen, von Sexualität und Körperbewusstsein, über Drogen, Ernährung, bis Freizeit und Sport ermitteln. Zum Wohlbefinden zählen außerdem Einflüsse, wie das familiäre Umfeld oder die soziale Herkunft und anderes mehr.
Ob es zur Veröffentlichung dann Schlagzeilen zur „wertkonservativen Jugend“ geben wird, wie in Deutschland bei der Vorstellung der Shell-Jugendstudie im Oktober 2019? Die Jugendforscher hatten wiederholt festgestellt, dass Jugendliche materielle Sicherheit wollen: ein Haus, einen guten Job mit gesichertem Einkommen. Sie streben das klassische Familienmodell an mit männlichem Ernährer, während Frau mit Kind zumindest zeitweise zuhause bleibt. Ihre Eltern sind ihnen wichtige Vorbilder und Vertrauenspersonen. Politik und Kultur interessiert manche mehr als früher, aber längst nicht die große Mehrheit; die Null-Bock-Haltung der 2000-er Jahre gehört allerdings der Vergangenheit an.
Wie aber passt das zusammen mit einer Jugend heute, die im Rahmen von „Fridays for Future“ auf die Straße geht, um gegen Umweltverschmutzung, Klimawandel und kapitalistischen Raubbau an der Natur zu protestieren und die Eltern- und Großeltern für den Schlamassel verantwortlich macht? „OK Boomer“ ist ein Hashtag, der auf Twitter und Instagram für viel Spott und Häme sorgt und den zunehmenden Graben beschreibt, der sich zwischen Vertretern der Babyboomer (die 50- bis 70-jährigen) und der so genannten Generation Z auftut.
Der Generationenkonflikt macht sich längst nicht mehr nur am Alter und den damit verbundenen unterschiedlichen Erfahrungshorizonten fest, oder an den machtvolleren Positionen, die die Älteren – noch – in Politik und Wirtschaft besetzen. Ganz besonders klafft die Lücke zwischen den Digital natives auf der einen Seite, also denjenigen, die mit Messenger-Diensten Whatsapp, Snapchat und Tiktok aufgewachsen sind, die den neusten Urban Chic, das coolste Meme oder die beste Netflix-Serie per Smartphone erleben. Und derjenigen Generation auf der anderen Seite, die auf Facebook schon verloren ist und das Handy bestenfalls als Kalender, Wecker und mobiles Navigationsgerät nutzt.
Die Sozialforscher tun sich schwer, mit dem Tempo Schritt zu halten, Netz-Phänomene zu analysieren, etwa wie sich Online-Pornografie auf die Sexualität der Jungen und Mädchen auswirkt, oder ein Darkweb, in dem praktisch alles, auch Illegales, zu kaufen ist. Oder eingebaute Optimierungsfunktionen in Kamera-Apps und Youtube-Influencer, die die perfekte Schönheit suggerieren?
Es gibt insgesamt nur wenige Studien, die die Trends untersuchen, denen die Jugend folgt und denen sie teilweise ausgeliefert ist; und in Luxemburg herrscht diesbezüglich besonders Nachholbedarf. Mit der Beilage will das Land Facetten der Lebenswelt der Jugendlichen, ihre Wünsche und Bedürfnisse beleuchten – ohne Anspruch auf Vollständigkeit, sondern subjektiv und individualistisch. Ganz im Zeitgeist.

Ines Kurschat
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