Universität Fribourg, Kaderschmiede der Luxemburger Rechten

Jean-Pierre Kirsch mit seinen Studenten in der Domitilla-Katakombe
Photo: Édouard Molitor : biografische Studie mit dem Titel: "Monseigneur J.P. Kirsch"
Actualité du 26.06.2020 00:00

1948 hielt der CSV-Abgeordnete Nicolas Margue eine Festrede an der Universität im Schweizer Fribourg. Und sagte: "Sans vouloir l'annexer, nous considérons un peu comme nôtre votre université". In einer dreiteiligen Artikelserie zeigt der Historiker Claude Wey im Land, wie Margues Aussage sich verstehen lässt. Einerseits scherzhaft natürlich. Aber das konservative Luxemburger Bürgertum empfahl die Université de Fribourg schon ab Ende des 19. Jahrhunderts seinen Kindern gern als Studienort: Die Stadt Fribourg war nicht viel größer als Luxemburg-Stadt, da drohte keine Begegnung mit liberalem Geist wie in Paris oder Wien. Gelehrt wurde an der zweisprachigen Universität in Deutsch und Französisch. Und sie war fest im Katholizismus verankert, viele ihrer Professoren pflegten enge Beziehungen zum Vatikan.

Claude Wey beschreibt im ersten Teil seiner Serie den akademischen Weg des aus Dippach stammenden Jean-Pierre Kirsch. Kirsch war von 1890 bis 1932 in Fribourg Professor für Archäologie und Kirchengeschichte, pflegte ein klerikal-konservatives Netzwerk in ganz Europa und ebnete geeigneten jungen Luxemburgern den Weg zum Studium in Fribourg, beziehungsweise an seinem eigenen Institut: Auf dem Foto sieht man ihn mit seinen Studenten beim Besuch der Domitilla-Katakombe (veröffentlicht von Édouard Molitor in seiner biografischen Studie Monseigneur J.P. Kirsch). Viele der von "Papa Kirsch" geförderten jungen Männer brachten es zu akademischen Ehren, manche wiederum zu Ämtern im deutschen Nazi-Staat. Das beschreibt Wey im zweiten Teil der Serie. Teil drei ist stärker Luxemburg gewidmet und demonstriert, wie « old boys fribourgeois » politisch Karriere in Rechtspartei und CSV machten.                 

Peter Feist
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