Bil: Aktionärswechsel? Nicht ausgeschlossen. Strategiewechsel? Auf keinen Fall.

Unabhängig von einem Aktionswechsel wird es bei der Bil keinen Strategiewechsel und auch kurzfristig keinen Sozialplan geben. Das sagte Bil-Verwaltungsratspräsident Luc Frieden am Mittwoch gegenüber dem Land. Am Dienstag hatte die Nachrichtenagentur Reuters gemeldet, die chinesische Legend Holding, der unter anderem der PC-Produzent Lenovo gehört, sei in fortgeschrittenen Gesprächen, um die 90-prozentige Beteiligung von Precision Capital an der Bil zu übernehmen. Die Transaktion könnte innerhalb der nächsten Wochen abgeschlossen werden und Legend Holding habe kein Interesse daran, die zehn Prozent im Besitz des Luxemburger Staates aufzukaufen.

Weder Precision Capital noch Luc Frieden wollten diese Information am Mittwoch bestätigen. „Die Bil hat sich seit 2012 enorm gut entwickelt und deshalb ist es ganz normal und auch nicht neu, dass sich immer wieder potenzielle Investoren für die Bil interessieren. Was ein positives Zeichen ist. Aber bisher hat Precision Capital keine Entscheidung in diesem Sinn getroffen“, so Frieden. Precision Capital, Luxemburger Holdinggesellschaft der katarischen Herrscherfamilie, bestätigte das gelegentliche Interesse und hatte „keine weitere Bemerkungen hinzuzufügen“.

Der Verwaltungsratspräsident und ehemalige CSV-Finanzminister, unter dessen Regie die Bil aus dem maroden Dexia-Konzern herausgelöst und an Precision Capital verkauft wurde, versuchte vorweg über die möglichen Folgen eines Verkaufs zu beruhigen: „Ich kann nur sagen, dass in allen Projekten, die bis jetzt angeschaut wurden, es immer ganz klar war, dass sogar wenn es eine Änderung auf Aktionariatsebene geben würde, dies keine Auswirkung auf die Strategie der Bank hätte. Ich kann auch sagen, dass unabhängig davon, ob dieser Aktionär [Precision Capital, Anmerkung der Redaktion] bleibt oder ein neuer kommt, innerhalb der nächsten drei Jahre kein Sozialplan bei der Bil vorgesehen ist. Das ist so, wenn dieser Aktionär bleibt und das ist so, wenn ein anderer kommt, denn das ist eines der Elemente, die immer wieder bestätigt wurden.“

Die Bil gilt nach den europäischen Bankenaufsichtsregeln als systemisch relevante Bank und wird direkt von der EZB kontrolliert. Ob eine Verkaufstransaktion tatsächlich innerhalb von Wochen abgeschlossen sein könnte, ist fraglich, da laut Frieden bisher bei den Aufsichtsbehörden kein Genehmigungsantrag zur Zulassung eines neuen Aktionärs gestellt wurde. „Wenn der Aktionär entscheiden würde zu verkaufen, müsste dies natürlich von der EZB diskutiert und genehmigt werden. Das ist ein wichtiges Element in der Analyse der Projekte“, so Frieden, der auf Nachfrage bestätigte: „Bisher sind keine solchen Genehmigungsanträge gestellt worden.“

Bisher wurde laut Land-Informationen weder der Verwaltungsrat noch das Management über derartige fortgeschrittene Verhandlungen mit Legend Holding informiert. Von der Durchführung eines Due-Dilligence-Prozesses, während dem Investoren die Bücher des Kaufobjektes in einem Datenraum nach unangenehmen Überraschungen durchsuchen, sei bei der Bil ebenfalls nicht zu spüren. Einer Anfrage, ob und wann der Staat über solche konkrete Verhandlungen mit Legend Holding in Kenntnis gesetzt wurde, kam das Finanzministerium kurzfristig nicht nach.

Quellen hatten der Nachrichtenagentur Reuters eine Kaufpreisspanne von einer bis 1,5 Milliarden Euro genannt. Ein möglicher Sozialplan beziehungsweise dringend notwendige Investitionen in die IT-Infrastruktur dürften bei Verhandlungen um einen Verkauf erheblichen Einfluss auf ein Preisgebot haben.

Michèle Sinner
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