In Oldtimer investieren

Altes Blech als Geldanlage?

d'Lëtzebuerger Land vom 31.01.2014

Menschen, die Oldtimer hegen und pflegen, haben nicht einfach einen kleinen Spleen, sondern eine nicht wegzukriegende Sehnsucht nach einer Zeit, in der die Dinge nicht wie heute bloße Recycling- oder Wegwerfobjekte waren. Und in der die Autos noch nach Leder, Öl und Benzin rochen. Doch waren Oldtimer gestern noch hauptsächlich ein Luxusspielzeug für mechanikverliebte Freaks, so interessieren sich heute auch vermehrt Anleger für die alten Fahrzeuge. Ihnen ist egal, was unter der Motorhaube steckt, und sie wollen mit dem Fahrzeug nicht angeben. Sie interessieren sich einzig und allein für die Rendite. Neuerdings auch in Luxemburg, wo über 4 000 Oldies offiziell registriert sind und dem Vernehmen nach weit über 1 000 Spekulationsobjekte von Banken und privaten Anlegern gebunkert werden.

Am 26. März beginnt in diesem Jahr die Techno Classica-Messe in Essen. Sie ist die Börse für Liebhaber, Anbieter und Interessenten von feinem, alten Blech. Die Hersteller wissen, wie wichtig Traditionspflege fürs Image ist. Darum stehen auf der Messe Schätze, die sonst in Lagerhallen und Werksmuseen ruhen.

In Europa sind 2,3 Millionen Oldtimer zugelassen, auch hier zeigt der Trend nach oben. Die Preise steigen ebenfalls: Der durchschnittliche Wert von Oldtimern wuchs laut Deutschem Oldtimer Index (Dox) des Verbands der Automobilindustrie (VDA) im vergangenen Jahr um 9,3 Prozent. „Mit neun bis zehn Prozent Rendite pro Jahr kann man fast immer rechnen“, sagt Marius Brune, Geschäftsführer vom Marktbeobachter Classic Data. Vor allem Fahrzeuge über 100 000 Euro seien für Anleger interessant, da die Wertsteigerung die Nebenkosten ausgleicht. „Das internationale Geldpublikum interessiert sich besonders für Autos mit einem Wert über einer halben Million Euro“, so Brune. Blech, Stahl und Chrom sind wertbeständiger als Gold, Silber, Ak-tien oder Immobilien – wenn man gut einkauft.

Während Analysten mahnen, dass keine Geldanlage mehr wirklich sicher sei, können sich Oldtimer-Händler vor Anfragen kaum retten. Historische Fahrzeuge bieten Schutz vor Inflation und versprechen steigende Rendite. Da originale Oldtimer nicht mehr nachgebaut werden und heutige Wagen wegen der vielen Elektronik kaum eine Chance haben, jemals zum Klassiker aufzusteigen, übersteigt die Nachfrage das Angebot. Bei bestimmten Modellen klettern die Preise beachtlich.

Auf wertvolle alte Autos spezialisierte Firmen haben ihre Umsätze in den vergangenen Jahren deutlich erhöht. Auch die Finanzkrise änderte daran nicht allzu viel. Der Gesamtumsatz dieser Branche wird in Deutschland auf etwa drei Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. Der Wert mancher Klassiker auf vier Rädern steigt rasant, weil sie immer beliebter werden. Die Nachfrage ist höher als das Angebot. Gab es in Deutschland 2001 noch 64 485 Fahrzeuge und Anhänger, die älter als 30 Jahre waren, so dürften es heute fast 200 000 sein – nur die angemeldeten Fahrzeuge, wohlgemerkt. Experten schätzen, dass weitere 500 000 Oldies wohlverwahrt im privaten Besitz vor sich hin schlummern.

Den größten Sprung von Platz 21 auf Rang fünf schaffte der Mercedes 300 SL Flügeltürer, der auch das teuerste Fahrzeug in den Top Ten ist. Bei Markteinführung 1954 kostete das Coupé stolze 29 000 D-Mark – einen VW Käfer 1200 Standard gab es für 3 950 D-Mark.

Aber während die Käfer-Preise heute im niedrigen fünfstelligen Bereich nur langsam anziehen, stiegen die des 300 SL schon 2005 auf rund 300 000 Euro. „In den vergangenen Jahren sind die Preise weiter geklettert. Ein guter und originaler 300 SL kostet heute 600 000 Euro“, sagt Klaus Kienle, Inhaber von Kienle Automobiltechnik. (Classic Driving News, 9. April 2013).

Das Online Journal für Kapitalanlage und Sachwerte am 23. Januar 2014: „Ein Stuttgarter Banker macht aus seiner Ansicht keinen Hehl: ‚Bei großen Vermögen wird breit gestreut – und da gehören auch Oldtimer dazu.‘“

Doch auch wenn seit einiger Zeit die Preise für populäre alte Kleinwagen deutlich steigen – für einen top restaurierten VW-Käfer aus den frühen Sechzigern muss man bereits gut und gerne 15 000 Euro hinblättern, für eine 2CV-Ente oder einen R4 im Zustand 1 mindestens 10 000 Euro –, so kann man in dieser Preisklasse kaum von einer Geldanlage reden. Nicht mal die schönen Briten aus den Fünfziger- und Sechzigerjahren können hier mithalten: Top MGs oder Triumphs übersteigen kaum die 40 000 Euro-Grenze, und die Sportwagen der Edelschmieden Austin Healey und Jaguar (vor allem die E-Type-Cabrios der ersten Serie) liegen mitunter über 100 000 Euro oder sogar höher, wenn sie einen prominenten Vorbesitzer hatten und somit eine „Geschichte“ ihr eigen nennen dürfen.

Bei Aston Martin sieht die Sache schon etwas anders aus: Ein gut erhaltener DB5 (bekannt aus dem James Bond-Klassiker Goldfinger) ist erstens schwer zu finden und zweitens richtig viel Geld wert: mindestens eine Viertelmillion Euro. Auch Vorkriegs-Bentleys und Rolls-Royce erzielen stattliche Preise, reichen aber kaum an Aston Martin heran.

Richtig teuer sind Marken wie Ferrari oder Bugatti. Ein Ferrari 250 GT Berlinetta swb, der von 1959 bis 1962 in knapper Stückzahl gebaut wurde, ist heute für etwa drei Millionen Euro zu haben, ein 250 GTO (1962-1964) ist noch viel teurer (bis zu 30 Millionen Euro), sofern man denn überhaupt einen findet. Die historischen Fahrzeuge der edlen Bugatti-Schmiede aus dem Elsass sind auch nichts für Kleinanleger: Sie reichen von etwa 250 000 Euro bis zu reinen Fantasiepreisen – für einen Atalante etwa oder einen Royal.

Auch Vorkriegsfahrzeuge wie der Mercedes 540 oder 500K aus den 1930er-Jahren sind eine gute Wahl. Solche Autos kosten rund eine Million Euro. Auch ein BMW 507 aus den 1950er-Jahren ist heute doppelt so viel wert wie noch vor fünf Jahren und wird mit 720 000 Euro gehandelt.

Beliebter Ort für den Kauf einer rollenden Geldanlage sind neben Händlern spezielle Auktionen wie eben die Techno Classica in Essen, die Klassiker-Show Concorso d’Eleganza Villa d’Este am Comer See oder das legendäre Tausend-Meilen-Rennen Mille Miglia.

Für Top-Preise sollte das Auto im Originalzustand sein, wenig Laufleistung und nur einen oder zwei Vorbesitzer eingetragen haben. Beim Kauf sollte unbedingt ein Fachmann dabei sein, der das Auto kennt. Auch ein Wertgutachten gibt Auskunft über den Zustand des Autos. Die Noten der Gutachten von Classic Data, TÜV oder Dekra reichen von eins bis fünf und geben eine Preisschätzung. Experten raten dazu, ein möglichst originales Auto in einem guten Zustand mit der Note 3+ oder besser zu kaufen. Denn eine Restaurierung erweist sich finanziell oft als ein Fass ohne Boden.

René Clesse
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