A Possen

In neuem Glanz

d'Lëtzebuerger Land du 25.03.2010

Der Kontrast im Museum A Possen in Bech-Kleinmacher könnte stärker nicht sein: Brandneue Räumlichkei­ten und Technik in den umgebauten Wellenstein-Häusern. Uralt hingegen die Gemäuer und Einrichtungsgegenstände in den anderen Häusern des Museums, die Ausstellungsort und Austellungsobjekt in einem sind, in denen die Besucher erfahren, wie vor 300 Jahren gelebt und gearbeitet wurde. Nachdem die erste Phase des seit Jahren geplanten Aus- und Umbaus in A Possen abgeschlossen ist – am Donnerstag war feierliche Eröffnung –, wird die umfangreiche Spielzeugsammlung im Ausbau in Szene gesetzt und erstrahlt in neuem Glanz. Wörtlich, denn die Beleuchtungstechnik ist beeindruckend, die Vitrinen von schlichter Eleganz und so gewählt, dass sie vom Inhalt nicht ablenken. Vor allem bieten sie den Aberhunder­ten von Spielsachen Raum und Platz, so dass die einzelnen Exponate auf die Besucher einwirken können, ohne dass er von der Vielfalt überwältigt wird.

Denn die Vielfalt ist groß. Nur einen Bruchteil der Kollektion, vom Gründer und Stifter des Museums, Dr Prosper Kayser, über viele Jahre hinweg gesammelt, wird aktuell ausgestellt. Darunter Stofftiere, vor allem Teddybären, große, kleine, mit beweglichen Gliedmaßen oder unbeweglich. Puppen, mit Köpfen aus Porzellan, Pappmaschee, Celluloid oder sogar Wachs – die meisten davon aus den späten Dreißigern – darunter auch das Googlie-Püppchen, das auf der Einladung für die Journées portes ouvertes dieses Wochenende um Besucher wirbt. Ein Vierrad aus dem 19. Jahrhundert steht neben knallbunten Dreirädern und Miniatur-Limousinen aus den 50-ern und 60-ern, zur Erschöpfung gerittene Schaukelpferde neben frühen Tretrollern. Eine zentrale Rolle erhält im neuen, am Donnerstag eingeweihten Spielzeug-Museum, die Miniatureisenbahn-Sammlung. Vor allem eine Anlage aus dem Jahr 1925, die auch jetzt immer noch fährt.

Ebenso stark kann einem der Kontrast zwischen dem Folklore-Museum überhaupt und seiner neuen Führungskraft vorkommen. Seit vergangenem Dezember leitet Vera Weisgerber A Possen, bisher bekannt als Photokünstlerin, Frontfrau einer Elektro-Formation, Dokumentarfilmemacherin, die aber auch Erfahrung in Luxemburger Kulturinstitutionen gesammelt hat, indem sie die Kollektion des Centre national de l’audiovisuel restrukturiert hat. Ein Fehlschluss; sie reizt die Herausforderung, die sie gemeinsam mit ihren engagierten Mitarbeitern Tommy Reuter und Nadine Pizzaferri angeht. Zudem bergen die Häuser ihrer Ansicht nach großes Potenzial nicht nur als Museum, sondern auch als Inspirationsquelle für zeitgenössische Künstler, die dort altes Kunsthandwerk entdecken und Ideen dafür finden können, wie sie geschichtliche Aspekte mit ihrer Kunst verbinden oder einbauen können.

Auch die Verbindung zur Bildung möch­te sie besser herausarbeiten. Weis­gerber sieht vor allem Möglichkeiten, den fächerübergreifenden Un­terricht für Schulkinder zu unterstützen und deswegen will A Possen ab September gezielte Visiten und Workshops für Schulklassen anbieten. Auch da erkennt sie – vom Eigenwert der sieben zum Museum gehörenden Häuser und der Kollektion abgesehen – unausgeschöpftes Potenzial. „Die Häuser bieten mit ihren Hochwasserschutzanlagen, den in­ternen Brunnen und Pumpen, die Gelegenheit zu zeigen, wie hier in der Moselgegend gebaut wurde“, nennt sie ein Beispiel, und wie versucht wurde, einerseits die Ressource Wasser zu nutzen und andererseits die Naturgewalt Wasser zu bändigen. Das Museum, mit seinen originalgetreuen Einrichtungen, beispielsweise der Schwarzküche im Muedelshaus – in deren Räucherkammer ein 150-jähriger Schinken hängt – zeigt nicht nur, mit welchen Werkzeugen und Möbeln sich die Menschen früher behalfen, es verdeutlicht vor allem, wie eng und beklemmend das Leben früher tatsächlich war.

Seit ihrem Amtsantritt hat Weisgerber nicht nur die Um- und Ausbauarbeiten koordiniert und überwacht, sondern den Kontakt mit den anderen Kulturakteuren in der Moselgegend gesucht. Ihre Idee ist es, den Austausch zwischen den Institutionen in der Region zu fördern auch, damit sich mit ihrer Programmgestaltung besser ergänzen. Unter ihrem Impuls soll außerdem eine neue Editionsreihe des Museums entstehen, immer mit Bezug auf die umfangreiche eigene Kollektion. „Zum Beispiel Ankleidepuppen aus Karton, deren Kleider man auswechseln kann“ oder Poster mit einer Flut von Objekten, die dem Betrachter verschiedenen Aufgaben auferlegen, die für Kinder mit Konzentrationsschwächen interessant sein können.

Ganz aus den Umbauarbeiten herauskommen wird die Museumsleiterin auch nach der Neueröffnung diese Woche wohl dennoch nicht. Die zweite Phase, der Umbau der Folklore-Ausstellung und deren Verbindung mit der Spielzeugausstellung auf der obers­ten Etage – wohin ein Fahrstuhl führt –, steht noch aus. Erst nach derem Abschluss würde den Besuchern der Rundgang durchs Museum möglich, ohne dass sie bereits durchquerte Räume in umgekehrter Richtung zurückgehen müssen, um in noch nicht besichtigte Ausstellungsteile zu gelangen. Erst dann wäre außerdem Rollstuhlfahrern der Zugang zum Großteil der Ausstellung gesichert. Das bleibt für A Possen eine Priorität. Längerfristig würde Weisgerber auch gern die Gestaltung der Räume überdenken, in denen das Weber- und das Schusterhandwerk vorgeführt werden, und die Weinherstellung – von der Rebe bis ins Fass – erklärt werden. Auch hier im Hinblick auf eine optimale Abstimmung mit anderen, regionalen Museen, die ähnliche Ausstellungen aber vielleicht andere Berufe zeigen.

Michèle Sinner
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