Laure Lamborelle

Reach for the moon

d'Lëtzebuerger Land vom 21.04.2011

„Relativ clean, puristisch, ohne Schnickschnack.“ So beschreibt Laure Lamborelle ihre Designs. Die Kreationen der 25-jährigen Modedesignerin vermitteln eine gewisse Melancholie und wirken auf den ersten Blick introvertiert und zerbrechlich. Erst beim zweiten Hinsehen erschließt sich die Vielschichtigkeit von Laures Kollektionen. Die ungewöhnliche Schnitte, die Materialen Leder und Seide der Glazed-Swan-Linie bilden einen Kontrast, der von der Zerbrechlichkeit ablenkt und der Kollektion eine gewisse provokative Ausstrahlung verleiht. Die Designerin selbst ist auf den ersten Blick ebenso zurückhaltend, vielleicht sogar schüchtern. Doch Laure Lamborelle ist unbeirrt: Sie weiß genau, was sie will.

Dieser Fokus half ihr durch ihre Ausbildung, die sie nach dem Gym­nasium in Luxemburg nach Berlin, Antwerpen und schließlich London führte. Das Studium an der ESMOD in Berlin fand Laure wenig inspirierend. „Die Stadt war interessant, doch die Mode dort hat mich nicht überzeugt. Retro und Streetwear waren damals immer noch sehr populär, und ich bevorzuge avantgardistische Designs. Außerdem fühlte ich mich unterfordert.“ Die junge Luxemburgerin schrieb sich für ein Foundation year an der belgischen Kunsthumaniora in Antwerpen ein. Nach dem Kurs studierte sie drei Jahre Fashion Design an der Royal Academy of Fine Arts in Antwerpen, ein Studium, das sich in seiner Intensität sehr von dem in Berlin unterschied. „Die Royal Academy of Fine Arts stellt sehr hohe Ansprüche an ihre Studenten. Man lernt dort, dem täglichen Druck stand zu halten und hart zu arbeiten.“ Die harten Lehrjahre haben sich gelohnt. Für den Stil der Modeschöpferin waren sie prägend: „In Antwerpen habe ich meinen Stil und meine Sparte gefunden und konnte graphisch mehr experimentieren“, erinnert sich Laure. Die professionelle Anerkennung ließ nicht lange auf sich warten. Die Kollektion Glazed Swan wurde mit dem Mittelmoda Fashion Award für die beste Recherche ausgezeichnet.

Das Diplom in der Tasche, zog es Laure nach Großbritannien, wo sie ein Praktikum bei Hussein Chalayan absolvierte. Von dem Modedesigner, der in den Neunzigern Björk einkleidete, war sie fasziniert. „Chalayan ist überraschend zugänglich und menschlich. Die Stimmung bei der Arbeit war immer sehr gut, was in der Modewelt nicht oft der Fall ist.“ Noch im selben Jahr schnupperte sie unter anderem bei Preen in London und A.F Vandevorst in Antwerpen hinein. Nach einem kurzen Abstecher am London College of Fashion, an dem Laure Lamborelle ihre Schnitttechnik perfektionierte, kam sie diesen Frühling zurück nach Luxemburg. „Hier kann ich meinen Beruf eigenständig ausüben und davon leben. Außerdem habe ich die Gelegenheit, andere Bereiche zu erkunden“, erklärt die 25-Jährige, die sich für zeitgenössischem Tanz interessiert. „Ich bin keine Tänzerin, doch ich habe eine Sensibilität für die tänzerische Bewegung und mit meiner Mode kann ich sie untermalen.“ Die Choreografin Sylvia Camarda, die eine von Laures Kreationen in der TV-Show Wanns de eppes kanns trug, scheint diese Meinung zu teilen: Nächstes Jahr starten Designerin und Tänzerin ein gemeinsames Projekt. Zur Zeit arbeitet Laure an einem privaten Auftrag. Weitere Designs werden in einem Musikvideo der luxemburgischen Band Birdbones zu sehen sein. Musik nennt Laure als eine wichtige Inspirationsquelle. „Ich würde gerne einmal Kim Gordon von Sonic Youth, PJ Harvey oder Patti Smith einkleiden. Diese Frauen haben alle starke Persönlichkeiten und sind sehr Rock’n Roll“, schwärmt Laure. Dieser Traum, ein Idol einzukleiden, könnte ein wenig naher rücken. Die britische Musikerin Anne Calvi, um die derzeit ein Riesenhype veranstaltet wird, besitzt bereits Kleider von ihr. Weniger Rock’n Roll, dafür aber umso bekannter, ist eine andere mögliche Kundin: Vor einigen Wochen hat Lady Gagas Produktionsteam die Luxemburgerin kontaktiert. Ein Porzellan-Hut der Kollektion Glazed Swan hatte ihr Interesse geweckt. Das Accessoire wurde in die USA geschickt. Ob der Hut das Haupt der Popikone beim Videodreh schmückte, weiß Laure noch nicht. In Zukunft plant sie, sich ein wenig von der Modewelt abzuwenden, um ihre Experimente in den Bereichen Tanz und Theater fortzusetzen. „Ich will mich nicht mehr so sehr auf feste Ziele begrenzen und einfach mal schauen, was mir Spaß macht. ‚Schwinge dich zum Mond empor, selbst wenn du ihn verfehlst, landest du immer noch bei den Sternen‘“, fügt Laure Lamborelle hinzu, „das ist mein neuer Leitsatz“. www.laurelamborelle.eu

Claire Barthelemy
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