FRanck Navarro

Golf-Demokrat

d'Lëtzebuerger Land du 24.05.2013

„Zum Golf bin ich durch Zufall gekommen“, erzählt Franck Navarro. Er sitzt hinter dem Schreibtisch seines Büros, das in einem winzigen Holzbau auf dem Gelände der Driving Range des Lux Golf Center in Kockelscheuer steht. „Schon als kleiner Junge war Sport für mich sehr wichtig – darin war ich gut –, und ich habe früh beschlossen, Profisportler zu werden. Ich habe auch Fußball und Tennis gespielt, aber im Tennis war ich nicht talentiert genug.“ Franck Navarro, Jahrgang ’78, wächst auf dem Land in der Pariser Umgebung auf. Die sonntäglichen Spaziergänge mit den Eltern führen an einem Golfplatz vorbei, wo er anfängt, fehlgeschlagene Bälle aufzusammeln. Mit zwölf schlägt er alleine im Garten der Eltern den ersten Ball ab – „mit einem Putter, der ist dafür eigentlich gar nicht geeignet“ –, der Ball fliegt eine perfekte gerade Linie und so weit wie ein Kanonenschuss. Da macht es „Klick“ bei Franck Navarro.

Fortan ist Golfspielen eine Priorität für den Teenager. Doch die Ausrüstung ist teuer, der Sport sehr elitär. Franck Navarro stammt nicht aus einer Golfer-Dynastie; seine Eltern haben, wie er sagt, eher bescheidene Mittel zur Verfügung. „Ich habe dafür schnell Lösungen gefunden.“ Über den brevet sportif, der Jugendlichen das Spielen in allen Clubs erlaubt, erhält er Zugang zum Golfplatz. Um die Ausrüstung zu finanzieren, sammelt er nachts mit seinem Vater verlorengegangene Bälle auf, die er vor dem Clubeingang neu verkauft, ein Franc das Stück, tausende davon. „Ich hab einen richtigen kleinen Handel aufgebaut, mir Visitenkarten machen lassen. Die Golfer vom Club haben mich angerufen, um im Voraus Bestellungen für bestimmte Bälle aufzugeben, die ich dann vorbereitet habe.“ Damit verdient Franck soviel Geld, dass er sich eine gute Ausrüstung kaufen kann. In punkto Golf läuft es nun rund. Die Clubs der Umgebung beginnen sich für ihn zu interessieren, als er 15 ist. Er beginnt für ihre Mannschaften Amateurturniere zu spielen, erzielt „sehr gute“ Ergebnisse auf dem Platz. Die könnten noch besser sein, würde er sich selbst bei Wettbewerben nicht so unter Druck setzen, dass er seine Trainingsleistungen nicht abrufen kann. In der Schule läuft es umso schlechter. Mit 17, er ist Golf-Landesmeister seiner Alterklasse, bricht er sie ab, sehr zum Unbehagen der Eltern. Um ein Einkommen zu haben, verdingt er sich als Caddy. Der trägt den Clubmitgliedern nicht nur die Schläger, sondern gibt ihnen auch Tipps zum Spiel. Francks Beratung kommt derart gut an, dass ihn die Golfer bald dafür bezahlen, dass er mit ihnen spielt. „So habe ich praktisch mit 17 angefangen, meine ersten Stunden zu geben“, erinnert er sich, „und dabei eine neue Leidenschaft entdeckt: das Unterrichten.“

Auf dem Gelände des Lux Golf Center, das 2012 in Sichtweite der Cloche d’or eröffnet hat, betreibt Navarro auch eine Golfschule für alle Alterskategorien. Schulklassen können dort gratis Schnupperkurse machen, in den zehn Monaten seit der Eröffnung haben 350 Kinder das Golfen probiert. 40 regelmäßige Schüler im Alter zwischen fünf und zwölf Jahren hat die Franck Navarro Golf Academy rekrutiert. Die Schule gebe ihm die Möglichkeit, die Passion für den Sport an andere weiterzugeben, sagt er. 50 Prozent der Kunden des Centers, in dem außer dem Abschlag auch das Putten geübt werden kann, sind laut Chef Golf-Novizen. Was Franck Navarro freut: „Die meisten Leute denken beim Stichwort ‚Golf’ an einen teuren Sport. An die elitären Clubs, in denen man die Mitgliedschaft erbt oder jahrelang auf einer Warteliste steht. Wer nicht aus diesem Milieu stammt, hat dann natürlich nicht besonders viel Lust, es zu probieren.“ Das will Franck Navarro ändern. „Ich bin selbst das beste Beispiel dafür, dass man im Golf auch dann erfolgreich sein kann, wenn nich schon die Eltern oder Großeltern gespielt haben.“

Dabei kämpft Navarro hart für seine Erfolge. Um Unterrichten zu dürfen, muss er Profi werden. Doch die Kurse der Golf-Föderation zur Vorbereitung auf die Prüfungen kann er sich – immer noch Teenager – nicht leisten. Als Außenseiter hat er kaum eine Chance; die Materie ist schwierig, das Wissen über den menschlichen Bewegungsapparat – das zur Grundausbildung aller Sporttrainer gehört – „entspricht Bac+2-Niveau, dabei war ich Bac-4“, scherzt er. Er rasselt durch, für ihn eine große Enttäuschung. Erst 2003, nach der Vorbereitung an einer privaten Schule, schafft er die Prüfungen, wird offiziell Profi. In der Zwischenzeit trainiert er das eigene Spiel, spielt Turniere, arbeitet in verschiedenen Clubs, lernt dadurch auch andere Aspekte, wie die Gestaltung und den Unterhalt von Golfplätzen, kennen. Und unterrichtet, „nicht ganz legal“, weiter.

Dass er die Zulassung zum Profi-Turnier-Circuit, den ganz großen Turnieren, „um zwei Punkte“, verpasst, ist für Navarro wieder ein schwerer Schlag. Aber auch die Wendung, die ihn nach Luxemburg führt, wo er sich heute sehr wohl fühlt; er lebt seit vielen Jahren in Schifflingen. Vom Preisgeld der kleinen Turniere, die er damals spielt, lässt sich der Lebensunterhalt nicht bestreiten. Franck Navarro verlegt sich deshalb definitiv aufs Unterrichten. Seinen ersten Vertrag als Profi-Golfer erhält er in Preisch, an der Luxemburger Grenze. „Andere Golfer sehen das Unterrichten als Strafe, als Zeichen dafür, dass sie nicht gut genug waren. Für mich ist das nicht so. Ich liebe den Austausch mit den Menschen beim Unterricht.“

Ab 2005 gärt in ihm die Idee, in Luxemburg ein Zentrum mit Schule zu eröffnen. Das Gelände in Kockelscheuer, auf das streikende Milchbauern 2009 ihre Milch schütten, pachtet er von der Stadt Luxemburg. Als die Prozeduren andauern, springen Banken und Geldgeber ab, das Projekt droht zu scheitern. „Da hab ich so eine Wut gekriegt, dass ich mich selbst auf den Bulldozer gesetzt habe.“ Erst allein, dann mit einem Helfer, arbeitet Navarro monatelang wie ein Besessener, drainiert, planiert, walzt, säht und mäht, bis das Gelände in Form und der Rasen perfekt ist. Die Erfahrung als Platzwart zahlt sich aus. „Die Leute haben mich für verrückt gehalten – und ich kann verstehen, weshalb“, zuckt Navarro mit den Schultern, um die er, ganz Golfer, den Pulli drapiert hat. Heute beschäftigt er einen jungen Gärtner, an der Schule unterrichten außer ihm zwei weitere Profis als freie Mitarbeiter. Viel Zeit fürs Privatleben bleibt ihm nicht, sagt Franck Navarro. Er und seine Partner haben viel investiert, aber nun läuft das Geschäft, sagt er. Das Klima ist nicht so günstig wie in Südfrankreich, wo er ursprünglich hinwollte. Dafür ist die Kundschaft in Luxemburger umso internationaler, für ihn ein Riesenvorteil. „Wenn man in einem Club arbeitet, sieht man ein Leben lang die gleichen Gesichter. Hier gibt es immer neue Leute zu entdecken“, sagt Navarro und macht sich auf, nach dem vielen Regen den Zustand des Rasens zu inspizieren.

www.luxgolfcenter.com, Tagestarif mit einem Eimer Bälle: 12 Euro, Durschnittspreis für eine Stunde: 80 Euro
Michèle Sinner
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