Luxemburgensia

Geistliche Arztney wider den Ewigen Todt.

d'Lëtzebuerger Land du 22.06.2000

"In diesen Hochbeschwerlichen ellenden Läuffen der jämerlichen / grewlichen / vnnd zudiesen vnseren zeiten / allenthalben Seuchten vnd Kräck-heit der Pestilentz" klagt sprachgewaltig 1597 der anonyme Übersetzer in seiner "Vorred an den Gottesförchtigen / Catholischen andechtigen Leser" des ersten in Luxemburg, im Jahr 1600 gedruckten Buchs. Es trägt den für seine Zeit üblichen etwas längeren, rot und schwarz gedruckten Titel:

Geistliche

Artzney wi=

der den Ewigen Todt.

Das ist /

Heilsamer Brauch / der zweyer

H. Sacramenten / der Beicht

vnd des Altars.

Durch den Würdigen P. FRANCISCVM

ARIAS, Priester der Societet IESVIn

Niderländisch beschriben / jetzt aber in Hoch=

teutsche Sprach / zu trost allen Gottes=

förchtigen vbergesetzt.

Mitt einer Regel sein Gewissen wol zu erfor=

schen / vnnd Etliche Catholische Gebett bey

Hochgemeltem Hochwürdigen Sacrament

zugebrauchen / Darneben seind hinzuge /

setzt die sieben Bußpsalmen sampt

der Letaney.

Gedrucket zu Lützemburg

/ Typ.& expen.

Matth. Birthon. Anno. M. DC.

Schrecklich am ausgehenden 16. Jahrhundert waren für einen guten Christenmenschen und insbesondere für einen Jesuiten, einen Angehörigen des militanten Stoßtrupps gegen den Protestantismus, die Kirchenspaltung in Katholiken und Protestanten. Sie führte zum Bürgerkrieg in Frankreich und zum Abfall der englischen Kirche von Rom. Die spanische Armada versank, die protestantischen nördlichen Niederlande spalteten sich vom katholischen Spanien ab, aus dem Osten drangen die heidnischen Türken vor, und Seuchen und Hungersnöte ließen die spanische Bevölkerung zwischen 1580 und 1650 um ein Drittel schrumpfen.

In dieser chaotischen Welt der Sünde und des Verrats ist das erste hierzulande gedruckte Buch ein aszetischer Leitfaden, der zur gnadenlosen Selbstzüchtigung rät, um christliche Vollkommenheit zu erreichen. Schon die Vorrede zitiert warnend aus dem ersten Brief Paulus' an die Römer: "dann wer nach dem Fleisch / das ist nach fleischlicher Wollust lebt / Und darin verharret der wird sterben in der verdamnus."

Dieses katholische Ideal richtete sich, ganz in der Politik der Jesuiten, an eine bürgerliche und adelige oder klerikale Elite. Denn "als Herr über seinen Leib war der dévot ein Mensch der totalen Kontrolle", schreibt Ronnie Po-chia Hsia in Gegenreformation (Frankfurt a.M. 1998, S. 211). Dagegen "trachtete die ländliche Bevölkerung des katholischen Europas nicht nach Selbstzucht und Kontrolle des Körpers, sondern vielmehr nach Befreiung von ihren Krankheiten". Und konnte ohnehin nicht lesen. Die Metapher des Titels von der "geistliche(n) Artzney" versucht, diesen sozialen wie religiösen Widerspruch zu überbrücken.

Das in Klein-Oktav gedruckte, 129 mal 80 mm große Werk umfasst 16 nicht nummerierte Seiten mit Titel und Einleitung, 397 Seiten Haupttexte und wiederum 33 nicht nummerierte Seiten Gebete. Die Auflagenhöhe des Buchs ist nicht mehr festzustellen. Doch zur Zeit des Erscheinens waren in Druckereien von Kleinstädten Auflagen von einigen hundert Exemplaren üblich. Ein einziges Exemplar der Geistliche(n) Artzney  ist laut Emil van der Vekenes Die Luxemburger Drucker und ihre Drucke bis zum Ende des 18. Jahrhunderts, Wiesbaden 1968, bekannt. Es stammt aus der Bibliothek der historischen Sektion des Großherzoglichen Instituts und wird heute in der Réserve précieuse der Nationalbibliothek aufbewahrt. Der in Pergament gebundene, stark abgegriffene Band trägt die handschriftliche Eintragung: "Júngffer Maria Elÿsabeth Manderscheidt diene ich, zú Gottes Ehr gebraúcht sie mich".

"Da nun diß Büchlein / in Niderländischer Sprach geschriben / nicht nach des Autors meinung / (wie ich's meiner einfalt nach / Christlich erachte)", hat der Übersetzer es ins Hochdeutsche übertragen, um ein größeres Publikum anzusprechen, schreibt er in der Vorrede, die er schließt mit: "Geben in vnserm Museo Ratingensi, den 30. August / im Jahr nach der Gnadenreichen geburt Jhesu Christi vnsers Erlösers. 1597".

"Der Ehrwürdige / Hochgelehrte vnnd Andechtige Franciscus Arias, Priester der Hochfruchtbarlichen Societet IESV" ist der Autor des ersten und längsten Teils des Buchs, "Der heilsam brauch der zweyen heiligen Sacramenten / der Beicht vnd des Altars", von Seite 1 bis 233. In XXIII Kapiteln erklärt das Traktat zuerst die Vorzüge einer häufigen Beichte und Kommunion (I. Kapitel). Denn "in kleineren Städten und benachbarten Pfarrgemeinden war noch Mitte des 17. Jahrhunderts die jährliche Beichte und Kommunion fast allgegenwärtig, während das neue Leitbild des individuellen Christen, der vor Gott (und dem Beichtvater) für seine Sünden selbst verantwortlich ist, kaum über die Kreise der spirituellen Eliten hinauswirkte", so Po-chia Hsia (S. 215).

Das Traktat warnt vor der "Unordnung", die entstehe, wenn Sünder sich in der Beichte zu rechtfertigen versuchten, es an Reue mangeln ließen oder Sünden aus Unwissenheit oder "Superstition" begingen, womit unter anderem die weit verbreiteten magischen Segenssprüche, Wallfahrten und Heiligenanrufungen gegen die Unglücke und Ungerechtigkeiten des Alltags gemeint sind (II.-VIII.). Als "nützliche Artzney" werden deshalb tägliche Gewissenserforschungen, zuverlässige Beichtväter und Generalbeichten empfohlen (IX.-XII.) Erörtert werden die Umstände, welche den Genuss der Früchte des Sakraments vereiteln, die tägliche Reinigung von Sünden, Ehrerbietung, Demut, Zucht, Stille, Ruhe und Dankbarkeit am Tisch Gottes, die Unterlassung der Kommunion, Kleinmut und Mäßigung (XIII.-XX.). Das Traktat schließt mit den Regeln der Kommunion, der nötigen "Fürsichtigkeit" der Beichtväter und der Frage, ob es nützlich sei, täglich die Sakramente zu spenden (XXI.-XXIII.).

Das Konzil von Trient hatte 1551 nicht nur das umstrittene Dogma der Transsubstantiation erhärtet, um sich vom Protestantismus abzugrenzen. "Beichte und Kommunion wurden zur Scheidelinie zwischen den dévots und den katholischen Massen. Erstere, ob Kleriker oder Laien, eiferten mit ihrer strengen Selbstprüfung und dem Trachten nach Heiligung dem Brauch der Klöster nach; letztere entzogen sich einer genaueren Kontrolle durch die kirchlichen und weltlichen Hierarchien, indem sie äußeren Anforderungen genügten. (...) Die Jesuiten waren natürlich starke Befürworter einer häufigen Beichte und Kommunion." (Po-chia Hsia, S. 216)

Der Autor Francisco Arias wurde 1533 in Sevilla geboren, wo er auch am 23. Mai 1605 starb. 1561 wurde er Jesuit. Er lehrte vier Jahre lang Moraltheologie in Trigueros und wurde Rektor des Jesuitenkollegiums in Cadiz. Arias war durch und durch ein religiöser Fanatiker: "En 1582 il est éloigné de la Province d'Andalousie et passe dix ans à Valence; son excessif rigorisme et son caractère difficile furent la raison de cette mesure: le P. Cordeses qui l'avait bien connu le dépeint en 1594 dans une lettre au général Acquaviva comme 'un saint homme, exemplaire, dévot, spirituel, mais insupportable (pesadisimo)' à cause de son absolutisme et de son entêtement qui mettent le trouble dans les communautés (Astrain, IV, p. 760). Pendant son séjour à Valence, il y publia, en 1588, un volume intitulé Aprovechimiento espiritual (...)," berichtet Marcel Villers, S.J. in seinem Dictionnaire de spiritualité, Paris, 1937, Bd. 1, Sp. 844.

Das Traktat "Der heilsame brauch der zweyen heiligen Sacramenten / der Beicht und des Altars" ist eine Übersetzung aus dem Niederländischen einer Übersetzung aus dem Spanischen, die zurückgeht auf den Apendice del buen uso de los Sacramentos aus dem zitierten Hauptwerk Arias', Aprovechiamento espiritual. Va diuidido en dos partes: En la primera se contienen los tratados suguientes. Exhortacion al aprouechiam ento espiritual. Desconfiança de si mismo. Rosario deuotissimo de los cinquenta mysterios. Imitacion de nuestra Señora. En la segunda parte se contienen estos tratados. De la Oracion mental. De la Mortificacion. Apendice del buen uso de los Sacramentos. Exercicio de la presencia de Dios: Como se vera en la pagina siguiente. Compuesto por el Padre Francisco Arias de la Compañia de Jesus. Dirigido al Illustrissimo y Reuerendissimo Señor Don Juan de Ribera Patriarcha de Antiochia y Arçobispo de Valancia. Impresso en Valladolid en casa de Diego Fernandez de Cordoua y Ouiedo, Año 1593 et 1592. A costa de Juan Boyer mercader de libros en Medina de Campo.

Die einzelnen Traktate dieses Werks wurden in vielen Sprachen und wechselnden Zusammensetzungen immer wieder veröffentlicht - Autorenrechte waren noch unbekannt. In Köln erschien 1623 bei Peter Henning eine der Luxemburger Ausgabe von 1600 stark ähnelnde Geistliche Artzney wider den Ewigen Todt. 

Seite 234 folgt der zweite Beitrag des Buchs: "Der Ander Theil dises Tractats der Geistlichen Artzeney und Heilsamen brauchs / des H. Sacram. der Beicht. Sicherer brauch sein Gewissen wol zuerforschen / insonderheit denen nützlich / die selten pflegen zu Beichten / oder die gemein Beicht begeren zu sprechen. Meisterheil gezoge aus den Schrifften P. IASPARIS ASTETE, priester der Societet IESV in funff Lehrstück begrif / fen." Diese "herzliche kurze / einfeltige Weise / vnd gewisse Regel / wie ein jeglicher sein Gewissen könne erforsch", wie sie in der Vorrede gelobt wird, richtet sich an jene, die noch nicht Arias' Rat zu den täglichen Sakramenten befolgen wollen.

In den beiden ersten Kapiteln befasst sie sich mit der Vorbereitung zur Beichte und den zehn Geboten (Abschnitt I.-X.) mit besonderer Berücksichtigung der Sünden von "Kauffleuthen" (VII.). Das dritte Kapitel handelt von den Hauptsünden, den fünf Sinnen und den Sünden verschiedener Stände, darunter Priester, Mönche, Richter, Anwälte und Ärzte. Die beiden letzten Kapitel empfehlen das Examen der Gedanken und die Arznei gegen Versuchung und Sünden.

Der Autor Gaspar Astete war ebenfalls ein spanischer Jesuit und strenger Aszet. Er wurde 1537 in Salamanca geboren und trat am 1. August 1555 in den Orden ein. Astete lehrte die klassischen Sprachen und Moraltheologie und leitete mehrere Kollegien und Noviziate. Der Katechet veröffentlichte eine Institucion y Guia de la juventud Christiana. Burgos, por Felipe Junta, 1592 und eine Segunda parte del libro de la juventud Chriatiana Donde se trate del estado de la Religion, y de su excelencia y perfection, y se ponen algunos tratados y homelias de Santos, de mucho provecho para las personas deseosas de su salvacion. Por el Padre Gaspar Astete, de la Compañia de Jesus. Con Privilegio. En Burgos. Por Philippe de Junta y Juan Baptista Varesio, 1594. Sein bekanntestes Werk ist der vielfach übersetzte und in Spanien Jahrhunderte lang nachgedruckte Catecismo de la Doctrina Cristiana. Astete starb am 30. August 1601 in Burgos.

Es folgt ab Seite 325 "Der dritte Theil dises Büchleins. Catholische Gebett von der Beicht vnd Hochwürdigsten Sacrament des Altars. Ein Allgemeine Christliche Beicht zu Gott." Der Haupttext schließt Seite  397 mit der Druckerlaubnis "Vidit & approbavit Siluester Pardo S. Theol. Licent. Catholicae Ecclesia D. Virg. Antverpiensis Canonicus Censot. 1. April 1597".

Auf nicht nummerierten Seiten folgen die sieben Bußpsalmen des Propheten David gegen die sieben Todsünden, "Die Letaney nach der Catholischen Kirchen / einhelligem altem bewertem brauch zu Gott und seinen Heiligen zu sprechen." und "Collect. Ein Gebett für die arme Christenheit", die unter Pestilenz, Hunger, Krieg leidet sowie, "unter den blutgiriegn Türcken vnnd alle Feind der Kirchen".

Dass das erste in Luxemburg gedruckte oder zumindest erhaltene Buch das Werk von Jesuiten ist, ist alles andere als ein Zufall. "Es scheint die Zahl der Protestanten Anfang 1560 ziemlich beträchtlich gewesen zu sein," klagt E. Donckel in Die Kirche in Luxemburg (Luxemburg 1950, S.74). Denn "die meisten Pfarrer waren unwissend", und "auch beim Volke gab es infolgedessen Verwilderung der Sitten, Sakrilegien, Aberglauben u.s.w." (S. 76). Deshalb schlug der Provinzialrat den Ständen Anfang 1577 vor, den Jesuitenorden um die Eröffnung eines Kollegiums und Seminars in Luxemburg zu bitten.

Doch Streitereien um Geld, Kompetenzen und eine Predigt gegen die Reichen verschleppten das Unternehmen, so dass die entsprechende Papstbulle erst 1588 eintraf und der Generalgouverneur der Niederlande den Jesuiten erst am 8. August 1594 das Patent erteilte - eine Woche später trafen bereits drei Patres und zwei Brüder ein.

Im April 1597 machten die Jesuiten schließlich Ernst und kauften ein Gebäude, in dem sie ihr Kollegium einrichten wollten. Ein Jahr später beantragte "Mathias Birthon, eschevin en vostre ville de Luxembourg, comme après avoir accomplit le course de philosophie et bonnes lettres" im März 1598 bei der Regierung in Brüssel die Erlaubnis, eine Druckerei zu eröffnen. Denn "faire dresser ung nouveau colliège des Pères Jésuites en ceste dicte vostre ville, pour ung estude général et escolles, dont les fundements sont desjà jectez si avant qu'il ne reste quasi que de procéder aux lissons et estant à ce requis et fort nécessair d'y avoir ung prèle et imprimerie, comme es aultres villes de V. M. pour fournir les livres aux estudiants et aultres choses y requises" (zitiert nach Jules Vannérus: Documents relatifs aux imprimeurs luxembourgeois Birthon et Reuland (1598-1618), Publications de la Section historique de l'Institut grand-ducal de Luxembourg, LII.

Die Erfindung des Buchdrucks, die 1584 schon Peru und 1588 Macao erreicht hatte, benötigte mehr als anderthalb Jahrhunderte für die kurze Strecke von Gutenbergs Mainz nach Luxemburg. Erst Ende des 16. Jahrhunderts schien die Nachfrage nach Gedrucktem auch in kleinen und mittelgroßen Städten auszureichen, um Drucker zu ernähren: "À la recherche d'une clientèle stable, ils se fixent, non plus auprès d'un Parlement, mais auprès d'une juridiction secondaire, dans un chef-lieu de bailliage par exemple ; ils vivent avant tout de l'impression d'actes officiels, d'affiches et de factums, en ces temps où la paperasseries se développe. Désormais, ils se fixent également auprès des collèges de Jésuites et d'Oratoriens qui apparaissent un peu partout, prenant le relais des universités. Auprès des collèges de Jésuites surtout, car ceux-ci favorisent l'établissement des ateliers typographiques nouveaux qui leur permettent d'imprimer les feuilles de classe et les manuels pour leurs élèves, et aussi les ouvrages de piété ou de controverse nécessaires à leur mission." (Lucien Febvre, Henri-Jean Martin: L'apparition du livre, Paris 1999, S. 257)

Laut François Lascombes' Chronik der Stadt Luxemburg 1444-1684, (Luxemburg 1976, S. 808) war Mathias Birthon von 1595 bis zu seinem Tod 1603 Schöffe der Stadt Luxemburg.

In seinem Niederlassungsgesuch vom März 1598 behauptet Birthon, dass zu "dresser en ceste dicte vostre ville ledit prèle et imprimerie, ayant desjà gens experts et exercez à la main pour y les employer." Doch "les maîtres qui dirigent de tels ateliers sont souvent, au XVIe et au XVIIe siècle, d'anciens compagnons qui ont réussi à s'installer ; ils travaillent aidés seulement de leur fils, ou même de leur femme ou de leur fille. Lorsqu'ils ont une commande pressée à exécuter, ils font appel à des compagnons de passage. Quelquefois, ils conservent près d'eux, à poste fixe, un ouvrier qui fait figure d'homme de confiance et qui partage la vie de la famille." (Febvre, Martin S. 203)

Am 10. April 1598 erteilte die Regierung in Brüssel im Namen des spanischen Königs und Herzogs von Luxemburg Birthon die Erlaubnis, eine Druckerei zu betreiben. Am 5. September wurde er vor dem Provinzialrat in Luxemburg als Drucker vereidigt.

Doch Birthon hatte sich verrechnet: das Jesuitenkollegium, für das er Schulbücher drucken wollte, war noch gar nicht bereit. Es sollten noch fünf Jahre vergehen, ehe das Kolléisch am 1. Oktober 1603 mit 385 Schülern und der Aufführung seines ersten Jesuitendramas eröffnet wurde. Bis dahin bekam Birthon einige öffentliche Aufträge, Bekanntmachungen von wenigen Seiten. Durch die Verzögerung musste sein Unternehmen wahrscheinlich mit dem Überleben kämpfen. Denn es ist wahr, "qu'il n'était pas nécessaire d'avoir beaucoup d'argent pour acheter une presse, des casses et même quelques fontes, et s'établir imprimeur - mais qu'il faillait en revanche disposer de capitaux considérables pour faire fonctionner régulièrement les presses: l'édition d'un seul ouvrage demandait d'après les chiffres que nous avons donnés, plus d'argent que l'acquisition d'un atelier typographique bien équipé. (...) Dans l'édition d'un ouvrage in-8°, le prix du papier représentait à peu près autant que le prix de l'impression." (Febvre, Martin, S. 168 u. 171)

Besonders in einer Kleinstadt wurden nur langsam und nur wenige Bücher verkauft, so dass das Kapital lange im Buchladen blockiert war - die ersten Drucker waren auch fast alle Buchhändler. Nur Schulbücher und religiöse Werke gewährleisteten einen halbwegs sicheren Absatz. Um zu überleben, bemühten die Druckereien sich um ein Monopol für ihre Stadt oder Region, das sie aus wirtschaftlichen Gründen, aber auch zur Erleichterung der Zensur oft erhielten.

Zwei Vignetten mit dem Jesuiten-Symbol in der Geistlichen Artzney wider den ewigen Todt legen den Verdacht nahe, dass es ein Druckwerk im Auftrag der Jesuiten war, die es möglicherweise sogar vorfinanzierten - und der jungen Druckerei so auch Arbeit verschafften, weil sie durch die verzögerte Eröffnung des Kollegiums in wirtschaftliche Schwierigkeiten zu geraten drohte.

Der Stadtschöffe Mathias Birthon erhielt am 8. März 1603, wenige Monate vor der Eröffnung des Kollegiums und kurz vor seinem Tod, das Monopol zum Druck der Schulbücher im Herzogtum Luxemburg. Aber aus seiner Druckerei sind keine Schulbücher erhalten. Als seine Witwe im Mai 1604 die Erneuerung und Ausweitung des Druckprivilegs beantragten und den Buchbinder Ursus Kemmer des Verstoßes gegen ihr Buchmonopol beschuldigte, behauptete sie jedoch, dass Birthon, um Schulbücher zu drucken, "auroit faict en cela son extrême debvoir(?) et y employé quasi tous ses moyens et des remonstrans, voires aussy s'endebté par l'assistance d'aultres, soubz espoir de recouvrir le tout avec le temps et en oultre faire quelque prouffict compétent pour l'entretènement de son mesnaige".

Aber der Rat in Luxemburg erinnerte am 2. September 1604 in einem Gutachten daran, dass "par la rescription dudict Père Recteur et sa déclaration verbale, il ne sera possible aux dicts supplians de y satisfaire sans leur dommaige et perte notable, à cause que ès dictes escoles les libvres se changent bien souvent, signament les libvres extraordinaires, et le nombre des escoliers n'est sy grand que l'achapt qu'ilz feront desdicts libvres que les supplians imprimeront, pouroit fournir à la moictié des despens de l'imprimerie".

Neben der Geistliche Artzney wider den Ewigen Todt sind drei weitere Bücher von Birthon bekannt, die 1603 gedruckt wurden, Ioannis Houdemius' Franciscani Christiados Rhythmicae Libri Sex, Petrus Hontoyrs Mens apostolica und Casparo Loartes Speculum seu instructio sacerdotum, et confessariorum, ehe seine Witwe den Betrieb übernahm.

Vielleicht befand sich, so Lascombes (S. 420), die erste Druckerei mit einer oder höchstens zwei Pressen in der Fleeschieregaass. "Laut Kartular von 1632 wohnt 'Frederich Birthon', der Sohn des Druckers, in dem Haus, das die Ecke von Fleischier- und Münzgasse macht. Möglicherweise befand sich auch hier der väterliche Betrieb, oder in der unteren Fleischiergasse, neben dem Eckhaus zum 'Rost', wo die Witwe von Math. Birthon dann wohnt."

hannescht bei Drécker

Romain Hilgert
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