Südbezirk

Bezirk Asselborn

d'Lëtzebuerger Land du 19.10.2018

Piraten und Grüne waren auch im Südbezirk die Wahlgewinner: Erstere steigerten sich gegenüber 2013 um fast vier Punkte auf 6,99 Prozent, Spitzenkandidat Marc Goergen nimmt in der neuen Abgeordnetenkammer Platz. Die Grünen machten einen Satz über die Zehn-Prozent-Marke, um die ihr Resultat bei den drei Wahlgängen 2004 bis 2013 oszilliert hatte, errangen 14,68 Prozent und einen dritten Sitz. Leicht hinzu gewann auch die ADR (1,25 Punkte auf 8,77%), ihre Abgeordneten Gast Gybérien und Fernand Kartheiser wurden wiedergewählt. Die Linke stagniert mit ihrem Plus um 0,23 Punkte bei 5,96 Prozent, der Abgeordnete Marc Baum behält seinen Sitz. Die KPL (1,78%) verlor 0,62 Punkte, die Splitterparteien Demokratie und déi Konservativ erzielten 0,35 beziehungsweise 0,52 Stimmen-Prozent.

Wer die Grünen noch für eine Anti-Establishment-Partei hält, könnte ihre Zugewinne in allen Bezirken in einem Trend mit denen von Piraten, ADR und Linken sehen. In Wirklichkeit dürften die Grünen vielen Mittelschichten-Wählern als die moderneren Liberalen erscheinen, und Justizminister Félix Braz, der sein persönliches Ergebnis um über 5 600 Stimmen auf 25 124 verbessern konnte, fuhr ebenso einen Establishment-Bonus ein wie der Differdinger député-maire Roberto Traversini, der um mehr als 10 000 Stimmen besser abschnitt als 2013 und mit 19 136 Stimmen Zweitgewählter auf der grünen Südliste wurde. Auch die Drittgewählte, die Bettemburger Abgeordnete Josée Lorsché, baute ihr Resultat aus.

Bei der DP fiel der größte Establishment-Bonus Finanzminister Pierre Gramegna zu, der erstmals zu einer Wahl antrat und mit 18 383 Stimmen Erstgewählter wurde. Claude Meisch, als Differdinger député-maire lange der Shooting Star der Süd-DP, verschlechterte sich von 22 255 auf 15 527 Stimmen, was wahrscheinlich einem Establishment-Malus für den Schulminister entspricht. Der einzige direkt Gewählte mit Bonus ist neben Gramegna der Abgeordnete Max Hahn: Als Drittgewählter überrundete er seinen Fraktionspräsidenten Eugène Berger, der ins Parlament nur nachrücken kann.

Hielt der Stimmenverlust der DP sich in Grenzen (-0,94 Punkte) und behält sie ihre beiden Süd-Sitze, ist sie nach den Stimmenanteilen mit 11,8 Prozent nur noch viertstärkste Kraft im Bezirk hinter den Grünen. Die CSV verlor mit 5,33 Punkten auf 26,91 Prozent so viel wie keine andere Partei. Sie schnitt schlechter ab als 1999 und verlor einen ihrer 2013 acht Sitze. Auf ihrer Liste errangen hinter Parteipräsident Marc Spautz (28 686 Stimmen), Felix Eischen, Georges Mischo, Michel Wolter, Jean-Marie Halsdorf, Gilles Roth und Nancy Kemp-Arendt Direktmandate. Bemerkenswert ist, dass der erst im Herbst zum Escher Bürgermeister gewählte Mischo Drittgewählter wurde.

Die LSAP kostete ihr Rückgang um 2,97 Punkte auf 22,23 Prozent ebenfalls einen Sitz, sie hält im Süden nun sechs. Doch dass sie zweitstärkste Kraft bleibt, verdankt sie wesentlich den persönlichen Resultaten ihrer Kandidaten: Außenminister Jean Asselborn wurde mit 40 283 persönlichen Stimmen regelrecht abgeschlagen Erstgewählter im ganzen Bezirk, und besser als der Zweitgewählte, Kammerpräsident Mars Di Bartolomeo (27 310), schnitt bezirksweit nur Marc Spautz ab. Innenminister Dan Kersch verbesserte sich auf 21 441 Stimmen und vom fünften auf den dritten Platz – vor dem Düdelinger Bürgermeister Dan Biancalana, der besser abschnitt als Fraktionspräsident Alex Bodry als nur Fünftgewählter. Sechstgewählter wurde der Sassenheimer député-maire Goerges Engel. Gesundheitsministerin Lydia Mutsch, 2013 Viertgewählte, stürzte auf Platz acht ab und wurde wie die knapp vor ihr Platzierte Taina Bofferding nicht direkt gewählt.

Auch wenn das Gewicht der LSAP im Bezirk weiter schwindet und sie nur in Düdelingen und Rümelingen an erster Stelle gewählt wurde, machten im Süden noch die meisten LSAP-Wähler ihr Kreuz für die ganze Kandidatenliste. Am Ende gewannen die Sozialisten einen Restsitz vor den Grünen, andernfalls hätten sie sogar zwei Mandate verloren.

Peter Feist
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