Tesla Motors wird demnächst auch in Luxemburg sein Model S und ab Herbst auch Model X anbieten. In den USA gibt es das Sport-SUV Model X optional mit „garantiert veganer“ Innenraumausstattung

In der Lifestyle-Nische

d'Lëtzebuerger Land du 22.01.2016

Die Betreuer des Stands von Tesla Motors beim Brüsseler Autosalon sind jung. Die vier Luxemburger unter ihnen sind besonders jung, Ende zwanzig, Anfang dreißig schätzungsweise. Sie werden es sein, die ab Ende März an der Route de Thionville in Bonneweg das erste Tesla-Autohaus im Großherzogtum betreiben werden, mit Store Manager Bas-tian Hosmar an der Spitze.

Hosmar berichtet: „Mehr als 70 Exemplare des Tesla Model S sind in Luxemburg schon im Verkehr. Da wird es Zeit, auch einen Showroom und eine Werkstatt aufzumachen.“ Bislang zeigte Tesla seine rein elektrisch angetriebene Sportlimousine auf „Special Events“ in Hotels oder Hypermärkten. Dort konnte sie probegefahren und gleich bestellt werden. Die Europa-Zentrale im niederländischen Tilburg liefert anschließend frei Haus. Für Reparaturen reist ein Techniker aus Brüssel an, wo die nächstliegenden Service-Niederlassung zu finden ist. Das soll demnächst anders werden, denn Tesla will natürlich mehr verkaufen, auch in Luxemburg.

Tesla, das ist nicht zu übersehen, gibt sich cool, jung und innovativ. Der Name ist Programm dafür. Firmenchef Elon Musk, der im Jahr 2000 mit seinem Online-Bezahldienst Paypal zum Milliardär geworden war und 2003 Tesla Motors gründete, hat vor Jahren Journalisten erzählt, dass die Automarke „beinahe“ den Namen „Faraday“ erhalten hätte. Nach dem englischen Naturforscher Michael Faraday, der nicht nur die „elektromagnetische Rotation“ beschrieb, die eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung von Elektromotoren wurde, sondern im Labor auch als erster Benzin herstellte. Musk gefiel „Tesla“ aber noch besser. Der serbischstämmige Ingenieur Nikola Tesla, der mit 28 in die USA ausgewandert war, meldete in seinem Erfinderleben mehr als 700 Patente an, darunter das über den ersten Drehstrommotor. Musk will die Rechte zur Nutzung des Namens einem „crazy guy“ aus Sacramento für 75 000 Dollar abgekauft haben.

Bei so viel crazyness in der Firmengeschichte überrascht es nicht, dass auf dem Brüsseler Autosalon die Sportlimousinen vom Typ Model S in Halle 1 stehen, wo ausschließlich „Luxusautos“ von Aston Martin über Ferrari bis hin zu Bentley und Rolls-Royce zu sehen sind, doch nur der Tesla-Stand keine Absperrung hat. Nur dort darf jeder Besucher sich den Ausstellungsstücken nähern, ohne vorher jungen Damen an einem Empfangsschalter sein besonderes Interesse glaubhaft gemacht zu haben.

Was nichts daran ändert, dass Teslas Luxuswagen sind. Einen Tesla kann man nicht nur per Internet nach Belieben konfigurieren, sondern auch ordern. Nach einer ersten Anzahlung von 2 000 Euro, die online erledigt werden kann, geht die Bestellung ihren Weg. Wenig später wird man von einem Tesla-Spezialisten kontaktiert und der Auftrag besprochen, ehe die zweite Anzahlung fällig wird, diesmal über 25 000 Euro. Das ist noch immer ganz schön weit weg vom Endpreis: Model S kostet in der kleinsten Ausführung mit 70-Kilowatt-Batterie und nur mit Hinterradantrieb knapp 66 000 Euro ohne weitere Extras. Für die Supersportwagenvariante mit dem „ludicrous speed drive“, die in drei Sekunden von null auf hundert spurtet, liegt schon der Basispreis bei 108 000 Euro. Wer die Star Wars-Parodie Space Balls von Mel Brooks gesehen hat, ist der „lächerlichen Geschwindigkeit“ schon begegnet und findet vielleicht, Elon Musk, der nur ein Jahr nach Tesla Motors sein privates Raumfahrtunternehmen SpaceX gründete, müsse schon ein cooler Typ sein und der Tesla ein cooles Auto. Zumal der Fahrer darin ständig online ist.

Wer kauft sich so ein Auto? „Unsere Kundschaft lässt sich einfach nicht in Kategorien fassen“, schwärmt Luxemburg-Manager Hosmar, als sei der Besitz eines Tesla ein reines Abenteuer. „Manche haben vorher einen Prius (das Hybridauto von Toyota) gefahren, andere einen Maserati. Auf jeden Fall wollen sie etwas ganz Außergewöhnliches.“

Und außergewöhnlich ist ein Tesla schon. Während vollelektrisch, also nur aus einer Batterie angetriebene PKW in ihrer Höchstgeschwindigkeit abgeregelt sind und kaum schneller werden können als 160 Stundenkilometer, ist im Tesla Model S je nach Ausführung erst bei 225 oder 250 Schluss. Und hängt den „klassischen“ Elektroautos nach wie vor der Ruf an, dass man mit ihnen nicht weit komme, ehe nachgeladen werden muss, ist es nicht zuletzt das dicke Batteriepaket, das einen Tesla teuer macht. Mit der 70-Kilowatt-Batterie im kleinsten Model S verspricht der Katalog 420 Kilometer Reichweite mit einer Vollladung, mit 85-Kilowatt-Paket mehr als 500 Kilometer. Selbst im Winter, wenn niedrige Außentemperaturen an der Batterieladung zerren, Heizung und Licht eingeschaltet werden müssen, sinke die Reichweite nicht unter 350 Kilometer, beteuert Hosmar. „Ich fahre im Jahr 60 000 Kilometer elektrisch und hatte noch nie ein Problem.“ Dafür soll auch das Tesla-eigene Ladenetz aus „Superchargers“ sorgen, die der Hersteller an Autobahnen und in Ballungszentren installiert hat. In Europa gibt es bislang über 1 100 Ladepunkte in 15 Ländern. Im Laufe dieses Jahres soll das Netz vor allem in Ost- und Südeuropa ausgebaut werden. Nachladen dürfen an den Hochleistungs-Säulen, wo einmal Volltanken 20 Minuten dauern soll, nur Tesla-Besitzer, denn der Strom ist im Kaufpreis des Autos inklusive. Was vermutlich obercool finden dürfte, wer sich einen Tesla leisten kann.

Wie andere Sportwagenhersteller, will auch Elon Musk, der bei Tesla Motors nicht nur CEO, sondern auch „Produktarchitekt“ ist, die Verkäufe seines Unternehmens mit einem SUV steigern. Tesla Model X ging in den USA im September vergangenen Jahres in den Verkauf. In Europa ist es für die zweite Hälfte dieses Jahres angekündigt: als ein Raumwunder, das bis zu sieben Personen bequem Platz bietet, und in seinen Leistungsdaten mit dem Sportlimousine Model S vergleichbar ist. Die Preise stehen noch nicht fest, aber die Tesla-Webseite fordert schon auf: „Reserve your Model X now!“

In zwei Jahren will Musk mit einem preiswerteren Tesla den Einstieg in den Massenmarkt versuchen. Was „preiswert“ heißen soll, ist noch ungewiss, was mit „Massenmarkt“ gemeint ist, ebenfalls. Denn eigentlich sind die Absatzchancen für Elektroautos wegen der niedrigen Benzin- und Dieselpreise derzeit nicht so gut. Zumindest im Premium-Segment aber wächst für Tesla die Konkurrenz von mehreren Seiten. Audi will Anfang 2018 eine Antwort auf Model X herausbringen, ein „Sport-SUV“ mit 435 PS Dauerleistung und über 500 Kilometer Batteriereichweite. VW will seine Luxuslimousine Phaeton etwa zur gleichen Zeit nur noch elektrisch anbieten. Und ein neues US-Unternehmen, das ironischerweise „Faraday Future“ heißt, hat angekündigt, im Norden von Las Vegas für 1,4 Milliarden Dollar eine Elek-troautofabrik hochzuziehen, in der ein Sportwagen vom Band laufen soll, der in weniger als drei Sekunden und damit noch schneller von null auf hundert beschleunigt als ein Tesla mit dem „ludicrous speed drive“. Finanzier der Start-up ist der chinesische Milliardär Jia Yueting, Gründer des chinesischen Netflix-Pendants Leshi TV.

In der Zwischenzeit stellen Tesla Motors und sein CEO mit dem Image eines Popstars fest, welche Herausforderungen es mit sich bringt zu behaupten, die umweltfreundlichsten Sportmobile aller Zeiten herzustellen, und so zu tun, als spiele Geld keine Rolle, wenn es um den Schutz der Umwelt geht. In den USA mehren sich Beschwerden, Nikola Tesla sei Vegetarier gewesen und im 21. Jahrhundert könne es nicht angehen, in einem Tesla auch nur Spuren tierischer Herkunft vorzufinden.

Solche Kritik kann auch von prominenter Seite kommen: Die New York Times berichtete am 15. Januar, die Rennfahrerin und Veganerin Leilani Münter habe erst nach einem Anruf bei Elon Musk persönlich das schnellste Tesla Model S ohne Echtledersitze erhalten können. Denn nur das Model X ist in den USA bereits in einer Option mit „veganer“ Innenraumausstattung zu haben. Tierrechtsgruppen drängen derweil darauf, in Teslas generell keine Ledersitze mehr einzubauen. Gleichzeitig wächst der Druck, für das Tesla-eigene Ladesäulennetz garantiert keinen grünen Strom aus Biokraftanlagen zu beziehen, die auch Tierfutterabfälle verarbeiten. Wie Tesla sich in seiner Lifestyle-Nische weiterentwickelt, wird interessant zu beobachten sein.

Peter Feist
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