Die kleine Zeitzeugin

Ab nach ToBuy!

d'Lëtzebuerger Land du 22.11.2019

Wo einst nach Perlen getaucht wurde und es jetzt eine Moschee aus Gold und Marmor gibt. Wo die höchsten Wolkenkratzer in den wolkenlosen Himmel wachsen. Wo nicht Darmausgänge künstlich angelegt werden, sondern Seehäfen und Inseln. Wo man Atlantis findet, einen Ort, den die Menschen andernorts immer noch sehnsüchtig suchen. Wo die großen Söhne und Töchter alle Söhne sind. Erstgeborene und Herrscher und Rennfahrer und Fußballspieler und Milliardäre. Statt komischer Künstler_innen oder Wissenschaftler_innen. Wo es noch, träum, Sklav_innen gibt. Und natürlich Shopping, jede Menge Shopping, den allermeisten Tourismus auf der ganzen Welt hat ToBuy, alle wollen zwischen artifiziellen Inseln hoppen, in der Wüste shoppen und dabei frieren. Dann schnell mal Schi in der Mall.

ToBuy, für die luxemburgerischen Geldbürgerinnen ein Klacks, da shoppt man so wie in London oder Paris, da macht man mal rüber. Mit Abu Dhabi nebenan, mit Kunst auch noch, wo es flott ist; die luxemburgische Botschafterin in Abu Dhabi zählt viel Flottes auf. Man kann sogar Rad fahren. Maggy Nagel wiederum ist sehr angetan von Dubai. Dort stellt sich die Welt nächstes Jahr selber aus. Und Luxemburg ganz vorn mit dabei, erstes Land, erster Spatenstich. Flott, sagt Maggy Nagel, und redet von Timing und Team Working und Place to be. 160 Events!

Zwischen Luxemburg und Dubai gibt es wirklich viele Gemeinsamkeiten. Geld wie Heu und Gold wie Sand am Meer. Die Hauptstadt von Dubai heißt Dubai und die Hauptstadt von Luxemburg Luxemburg. Die Einwohner_innen Dubais haben wie die Luxemburger_innen ziemlich viel Auto pro Hintern und sind dementsprechend ebenso immobil. Ihr natürliches Ambiente ist wie das der Luxemburger_innen der Stau. Die Monarchie ist zwar in Luxemburg nicht ganz so resolut. Die Zahl der im Land lebenden Ausländer_innen ist auch etwas geringer, doch wie in ToBuy erbringen sie den markanten Teil der Wirtschaftsleistung. Allerdings ist in ToBuy das Arbeitnehmerprofil unmissverständlicher definiert: Kräftige junge Männer sind gefragt, was schwache alte Frauen klar diskriminiert. Aber wahrscheinlich ist jetzt nicht gerade der Moment, das anzusprechen. Jetzt ist Konnektivität gefragt. Die Millionärsdichte ist übrigens in beiden Ländern ein Gedicht.

Damit unsere Landsleute sich ihr in der Wüste ausgestelltes Land anschauen, werden leistungsstarke Reiseangebote auf den Markt geworfen. Gar solche mit 40 Terminen! Mit VIP-Paketen, also einem Gutschein für ein Mittagessen und VIP-Aperitifs und Fast tracks direkt in den Luxemburg-Pavillon für alle, die schon schwer auf Entzug sind. Dorthin sollen die Luxemburger, von denen ja viele Dubai schon kennen würden, wie Maggy Nagel weiß, doch als erstes kommen. Dort will sie nämlich die fünf Sinne kitzeln. Zuerst natürlich den beliebtesten, den Geschmackssinn. Die luxemburgischen Besucher_innen können sich dort gleich luxemburgisches Essen einverleiben. Alkohol auch, beruhigt Maggy Nagel. In der Schengen Lounge kann man sich auf oder in Zwetschgentorte stürzen. Oder auf oder in Rindertartar. De Dood, jüngster luxemburgischer Sternekoch, serviert Luxemburg gar auf einem Teller.

Was gibt es sonst noch für Sinn? Nachhaltigkeit, betet Maggy Nagel fromm herunter, was die Menschen, die zuhause Wasser aus Plastik trinken, hier wahrscheinlich auch, vielleicht erstaunt. Und mit dem Einbaum sind sie auch nicht angereist. Unternehmergeist auch, ja, zwischen Weltall und Wüste, Luxemburg ist wahrlich unternehmungs-lustig. Und Diversität, immer gut, Inder und Pakistanis bauen den sehr eleganten Pavillon. Konnektivität, auch nicht schlecht. Mobilität sowieso, wer will nicht weg aus Luxemburg?

Und Schönheit, sagt Maggy Nagel. Die Besucher_innen des Luxemburg-Pavillons sollen sich anschauen, wie schön Luxemburg ist, und, so empfiehlt sie, sich Souvenirs aus Luxemburg mit nach Luxemburg nehmen. Simone Beissel von der DP wiederum berichtet auf RTL von einem mysteriösen Müllerthal-Geruch. Der wurde ebendort eingefangen, in Töpfchen. Wie und in welchen genau weiß sie nicht, im Wüstenpavillon wird er dann freigesetzt.

Michèle Thoma
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