Galileo Science Mobil und Musée-Bus: ein flexibles Kulturangebot

Das mobile Museum

d'Lëtzebuerger Land vom 24.03.2011

Das Problem des naturwissenschaftlichen Angebots in Luxemburg sei, dass das naturgeschichtliche Museum sich in der Hauptstadt befindet, so Stephane Risch und Aline Fischer, Verantwortliche der pädagogischen Abteilung des Naturmusée. Dies erschwere vielen entfernten Schulen den Zugang zu diesem kulturellen Angebot. Doch das Naturmuseum hat eine Lösung parat: Zwei Lastwagen, die mit Hilfe hydraulischer Vorrichtungen in Klassenzimmer oder Ausstellungsräume umgewandelt werden können.

Auch verfügen viele Schulen im Bereich der Naturwissenschaften nicht über das nötige Material. Viele Lehrer und Professoren begrüßen daher die Angebote des Musée-Bus und des Galileo Science Mobil. Als mobile Labore eignen sie sich für den Schulunterricht, sie werden aber auch regelmäßig zu Freizeit- und Ferienaktivitäten sowie zu Öffentlichkeitsarbeit gerufen.

In ihrer 30-jährigen Geschichte hat die pädagogische Abteilung des Naturmuseums schon mehrere innovative Projekte auf den Weg gebracht. In diesem Rahmen, zwischen Panda Club und Science Club, bewegen sich auch die beiden Wissenschaftsmobile. Der Museumsbus wurde 1994 ins Leben gerufen und das Galileo Science Mobil im Jahre 2002 eingeweiht. Auf dem Weg zu mehr pädagogischer Betreuung und Vermittlung der Lust an Natur und Wissenschaft ergänzen sich die Aktivitäten, so die Leiter der dezentralen Aktivitäten.

Mit Flexibilität und Demokratisierung der Kultur punkten der Musée-Bus und das Galileo Science Mobil. Die Frage bleibt jedoch bestehen, ob sie es schaffen, ihr Ziel zu erreichen und die Schüler und über diese hinaus die Bevölkerung für Natur und Wissenschaften zu begeistern. Dies Bestreben ist nämlich nicht gewonnen: „Bestimmte Ängste hemmen das Verhältnis zwischen Mensch und Natur einerseits und Mensch, Wissenschaft und Technik anderseits“ so die Leiter der pädagogischen Abteilung des Naturmuseums.

Daher wolle man Ängste nehmen und Unternehmergeist kultivieren, so Aline Fischer, Verantwortliche des Galileo Science Mobil. Letzterer richtet sich an Schüler des dritten und vierten Zyklus in Primärschulen, an die Schüler der 7e und 8e des technischen Sekundarunterrichts, an die der 7e und 6e des klassischen Sekundarunterrichts sowie an alle Klassen des Modulunterrichts. Das Thema ist aktueller oder wissenschaftlicher Natur und wechselt alle zwei bis drei Jahre.

Das Thema kann, muss aber nicht, im Schulprogramm festgelegt sein. Die momentane Ausstellung Der Sinn der Sinne fügt sich in den Biologiekurs der 6e ein, da dieser den Unterricht der Sinne vorsieht. Die Unterthemen sind die fünf Sinne, zwischen denen sich die Klasse für einen entscheidet. Die Ausstellung erklärt den jungen Besuchern auf interaktive Weise das Warum der Sinne: „Wir versuchen, so wenig wie möglich Frontalunterricht zu machen“ so Aline Fischer, „die Schüler sollen selbst Antworten auf ihre Fragen finden“.

Hands on science bedeutet soviel wie empirisch lernen. Anhand des im Galileo Science Mobil verfügbaren Materials prüfen die Schüler ihre Sinne, beschreiben ihre Sinnesempfindungen und ziehen eigene Schlussfolgerungen. Alltägliche banalisierte sinnliche Erlebnisse werden hinterfragt und physikalisch und chemisch dekonstruiert: „Warum sehen wir die Dinge farbig?“ oder „Warum wecken verschiedene Düfte Erinnerungen in uns?“.

Pädagogisch gesehen ist diese partizipative Methode sicherlich konstruktiv. Nur kann man sich die Frage stellen, in wie weit der Aufenthalt im Galileo Science Mobil den Lebenslauf der Schüler beeinflussen wird. Sehen die Schüler diese zwei Stunden nicht eher als Spiel und Spaß an? Schaden können die Aktivitäten wohl nicht. Dieser Auffassung scheinen Lehrer und Professoren zu sein. Die Aktivitäten sind auf ein Jahr ausgebucht. Die Schüler seien aufmerksamer und teilnahmelustiger, so eine Biologieprofessorin.

Auch die Aktivitäten des Musée-Bus verlangen von den Besuchern Aufmerksamkeit. Diese richten sich primär an Kinder der Grundschule. Deshalb unterstreicht Stephane Risch, dass der Ausflug in die Natur den Kindern vor allem ein Erlebnis sein sollte. Lust und Neugier für die Natur soll auch hier durch Interaktivität entwickelt werden.

Die behandelten Themen variieren je nach den Jahreszeiten und den natürlichen Gegebenheiten. Das Spektrum reicht vom Wald, den Wiesen, den Tieren, dem Boden über die Pilze und Steine bis zum Wasser und den Fossilien. Ein Treffen mit dem Musée-Bus beinhaltet normalerweise zwei Teile: Eine Führung durch ein Naturgebiet unweit der Schule mit anschließender Vertiefung des Themas im Museumsbus. Während im Wald oder auf Wiesen empirisches Wissen gesammelt wird, wird dieses später im Bus getestet.

Auf der Suche nach Spuren von Tieren lässt sich der Enthusiasmus der Kinder kaum bremsen. Ob es „die Badewanne“ der Wildschweine zu analysieren gilt, deren Haare ausfindig zu machen und später im mobilen Labor zu testen oder die Route der Spechte zu verfolgen, die Aktivität des Musée-Bus ähnelt eher einer Detektivjagd oder einer Schatzsuche als Schulunterricht. Spielend lernen scheint der Leitgedanke zu sein, auch die Lehrerin staunt nur so über die Aufmerksamkeit ihrer Schüler.

Wie lange die Begeisterung für die Natur der Kinder anhält, wird schwer prüfbar sein. Wahrscheinlich bleibt es schlussendlich doch die Aufgabe der Eltern, Interesse für Kultur bei ihren Kindern zu wecken. Wenn nun aber weder die Eltern noch die Schule mit diesen ins hauptstädtische Museum fahren, so ist wenigstens das Naturmusée zu ihnen gekommen, meint Stephane Risch.

45 Euro kostet ein zweistündiger Besuch des Galileo Science Mobil so wie des Musée-Bus eine Grundschulklasse und 40 Euro eine Sekundarschulklasse. Rentabel seien die Aktivitäten, so die Verantwortlichen, besonders da es keine gewaltigen laufenden Kosten gibt. Die einzige voluminöse Ausgabe sei der Kauf des Fahrzeugs, danach amortisiere sich diese Investition. Ein neues, moderneres, Natur Mobil soll Mitte Mai operationell sein. Der Lastwagen kostet 460 000 Euro, die durch Ersparnisse in das laufende Budget eingeschrieben wurden. Das Galileo Science Mobil erfreut sich zudem einer jährlichen Unterstützung von 20 000 Euro des Fonds national de la recherche.

Von den rund 50 000 Besuchern pro Jahr im Naturmusée sind gut 19 000 auf die externen Angebote zurückzuführen. So hat das Galileo Science Mobil im Jahr 2010 über 300 Aktivitäten mit 5 511 Besuchern verzeichnet, während der Musée-Bus mit 165 Aktivitäten 4 274 Besuchern gezählt hat. Aline Fischer und Stephane Risch bedauern jedoch, dass die Zahlen bisher nicht hervorgehoben wurden, so dass der Erfolg unbekannt bleibt. Man müsse die Bedeutung externer Aktivitäten unterstreichen, denn schließlich sind sie es, die den Zugang zur naturwissenschaftlichen Kultur ermöglichen.

Als kompletter Bestandteil des Mu­seums fügen die externen Angebote sich in dessen Programm ein. Trotzdem müsse man sich die einzelnen Aktivitäten separat anschauen und deren Effizienz analysieren. Dies würde dann vielleicht den Weg ebnen zu allgemein flexibleren Konzepten von Kulturangeboten.

Nathalie Oberweis
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