Kulturpolitik

Wir fahren nach Frankfurt

d'Lëtzebuerger Land vom 09.03.2018

Am vergangenen Dienstagnachmittag stellte das Kulturministerium im Auditorium des Cercle-Cité einem Fachpublikum aus Verlegern und Autoren seine Pläne für einen Stand bei der diesjährigen Frankfurter Buchmesse vor. Fünf Jahre lang hat es einen solchen Stand nicht gegeben, sehr zum Leidwesen der Luxemburger Buchbranche, die auf internationale Sichtbarkeit angewiesen ist, wenn es mit der vielbeschworenen Professionalisierung des Luxemburger Verlagswesens vorangehen soll. Frankfurt, das bedeutet eine Teilnahme an der wichtigsten deutschen Buchmesse, die Möglichkeit für Verlage und Autoren, die Literatur Luxemburgs außerhalb der Grenzen etwas bekannter zu machen, internationale Kontakte zu knüpfen und Zugänge zum deutschen Buchmarkt zu finden. Für die Luxemburger Verleger stellt das Angebot des Ministeriums den einzigen gangbaren Weg nach Frankfurt dar; die Kosten für das Anmieten eines Stellplatzes, die Sicherung von Leseslots im großen Lesezelt, wo Autoren sich Hoffnungen auf ein größeres Publikum machen können, sowie überhaupt die Gestaltung eines Standes und geeigneter Werbemaßnahmen könnten die vergleichsweise kleinen Verlage finanziell kaum stemmen.

Die konkrete Ausarbeitung muss noch geleistet werden, die Absichten sind indessen klar: Staatssekretär Guy Arendt (DP) gab zu verstehen, dass man die Nachfrage aus der Branche gehört habe. Ausgehend von einem Gutachten des Conseil national du livre wurde das Projekt entwickelt, im Haushaltsentwurf für 2018 290 000 Euro für die Umsetzung festgeschrieben, ein Stellplatz gemietet und in Anina Valle-Thiele (Mitarbeiterin beim Land, Anm. d. Red.) eine Koordinatorin eingestellt, die sich um die Organisation im Vorfeld und den Ablauf vor Ort kümmern soll. Das Konzept sieht eine Aufteilung der Präsentationsfläche nach verschiedenen Schwerpunkten vor: Während der Fokus auf Autoren und Büchern liegen soll, ist auch vorgesehen, dass Besucher in Datenbanken und Katalogen stöbern können, um sich Einblicke in Bereiche und Werke zu verschaffen, die nicht physisch ausgestellt werden. Darüber hinaus soll in diesem Jahr eine Zusammenarbeit mit dem CNA und dem Film Fund eine Annäherung von Literatur und Filmbranche fördern.

In den nächsten Wochen können von Verlagen und Autoren sowohl Bücher, als auch Vorschläge für literarische Veranstaltungen eingereicht werden. Mindestens vierzig aktuelle oder für ein ausländisches Publikum besonders ansprechende Bücher sollen am Ende mit zur Buchmesse.

„Wir fahren nach Frankfurt“, das klingt zunächst ganz wunderbar. Nur: Wer ist „wir“? Bei der Entscheidung, wer seine Bücher im Oktober präsentieren darf, hält sich das Ministerium zurück, auch was die Richtlinien anbelangt bzw. was unter der „Qualität“ eines Buches genau zu verstehen ist. Unabhängige Jurys sollen die Vorschläge auswerten. Sie werden bestimmen müssen, ob etwa schlechtes Layout ein Ausschlusskriterium sein soll, welche Verteilung zwischen jungen und älteren, männlichen und weiblichen Autoren wünschenswert ist, oder ob die Teilnahme von Büchern, die im Selbstverlag herausgegeben wurden, dem allgemeinen Wunsch nach Professionalisierung im Weg steht. Unbehagen bereitete einigen Anwesenden auch die Multifunktionalität des Standes – Engführung von Literatur und Film, Sitzecke für Geschäftsgespräche, Präsentierung von Institutionen. Bleibt da noch genug Platz für die Literatur, für Bücher und Autoren? Letztlich, das machte die Gesprächsbereitschaft des Ministeriums sowie die Offenheit des Projekts klar, wird der Erfolg von den Vertretern des Literaturbetriebs abhängen. Elise Schmit

Elise Schmit
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