Ende letzter Woche stand die US-Botschafterin Stacey Feinberg neben dem Gästebuch des Parlaments. Fürs Foto drückte sie CSV-Kammerpräsident Claude Wiseler die Hand, ihre Körper trennten gut fünf Zentimeter. „(…) ich freue mich darauf, im kommenden Jahr weitere Impulse zu setzen“, schrieb die Botschafterin auf ihren Online-Plattformen. Die Kammer informierte kurz auf Facebook über den US-Besuch. Ein User war trotz des formellen Tons entsetzt: „Den do Post op engem Dag, wou den Trump droht, Grönland z’iwwerfalen, an ICE eng Fra erschéist, wéi weltfriem sidd dir?“ Stacey Feinberg war vergangene Woche zudem auf dem Neujahrsempfang der Abgeordnetenkammer. Dort war der Umgang entspannter; vor allem im CSV-Abgeordneten Laurent Mosar scheint sie einen neuen Freund gefunden zu haben: RTL lichtete beide freudig lächelnd ab; Mosar drückt Feinberg an sich, hält sie am Oberarm. Das Foto postete die US-Botschaft auf Linkedin mit dem Vermerk, die Kammer habe 2025 „viel erreicht“. Mosar seinerseits hat das Foto nicht auf seinen Plattformen übernommen; auf Instagram erfährt man stattdessen, dass er zu Weihnachten ein „neues Familienmitglied“ begrüßt habe, den Hund Masay, „deen direkt aus China bei eis geland ass“. Im Mai letzten Jahres hatte der China-affine CSV-Politiker das Reich der Mitte bereist und auf Linkedin kommentiert: „Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass China im Zoll-Poker die besten Karten hat.“ Trumps Hand sei „viel schwächer“, als er glauben machen wolle.
China – das ist für Stacey Feinberg die große Gefahr. Bevor sie im Juni 2025 am Boulevard Emmanuel Servais einzog, erklärte sie in einer Anhörung im US-Senat, sie sehe es als ihre Aufgabe, das Großherzogtum über die Spionagetätigkeiten Chinas zu informieren. Mit dem Konfuzius-Institut der Universität Luxemburg werde das Bildungssystem bereits unterwandert. „Luxemburg benötigt keine Nachhilfe von China oder den USA. Wir sind weder der Vasall des einen noch des anderen“, antwortete darauf Außenminister Xavier Bettel (DP) in L’Essentiel. Anfang Dezember trafen sich Bettel und Feinberg erstmals in Luxemburg. Sie postete ein gemeinsames Bild mit dem Kirchberg im Hintergrund: „What a lovely day getting to know Luxembourg’s beloved Foreign Minister Xavier Bettel. So much to accomplish together, and we’ll have fun doing it.“ Chefdiplomat Bettel überging das Treffen auf seinen Accounts; stattdessen defilieren dort der armenische und der indische Außenminister sowie Aspro über die Bildfläche. Sein politisches Gespür sagt ihm, dass ihm sein Dackel derzeit mehr Wählersympathie einbringt als US-Außenpolitik. Zuvorkommender äußerte sich DP-Wirtschaftsminister Lex Delles Anfang Dezember auf Instagram gegenüber Feinberg: „Thank you for the productive meeting!“
Das lokale Sprachrohr Trumps hat keine diplomatische Vergangenheit. Ihren Posten verdankt die Unternehmerin unter anderem Spenden an die Republikanische Partei in Höhe von etwas mehr als einer halben Million Dollar. Zu Geld kam Feinberg durch ihren Vater Bob Woolf, einen erfolgreichen Sportagenten, sowie durch Investitionen in der Hedgefonds-Industrie. Laut Tageblatt stand sie bis etwa 2017 der Demokratischen Partei nahe. Dann traf sie Donald Trump in seinem Anwesen Mar-a-Lago; „a very special man“, urteilte sie. Zwei Jahre später lernte sie über eine Fox News-Journalistin Charlie Kirk kennen und schloss sich dem Beirat der von Kirk gegründeten NGO „Turning Point USA“ an, wie der Journalist Luc Laboulle recherchiert hat. Darüber hinaus ist ihr die Schauspielerei nicht fremd: Vor zehn Jahren war sie in einer Star Trek-Episode zu sehen und produzierte ein Broadway-Musical. Das Wort besuchte Mitte Dezember mit ihr die Kulissen des Luxemburger Theaterbetriebs und lobte die Amerikanerin für ihre „Affinität zu den feinen Künsten“.
Es vergnügt die 62-jährige Feinberg, sich mit Luxemburger Politikern, Unternehmern und Journalisten zu unterhalten und sich dabei in Szene zu setzen. Auf RTL Télé durfte sie schmeicheln: „Luxemburg ist ein Schmuckstück.“ Ähnlich wie die USA sei das Großherzogtum „pro business“. Seit Monaten ist bekannt, dass Trump und sein Team Regimewechsel hin zu rechtsextremen Positionen in der EU forcieren wollen und zunehmend das militärische Bündnis abwickeln wollen. Feinberg versicherte dennoch im Dezember im Wort, die USA stünden Europa „so nahe wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr“. Den transatlantisch agierenden CSV-Finanzminister Gilles Roth mögen diese Worte vielleicht beruhigt haben. Nachdem er sich vor fünf Wochen mit Feinberg unterhalten hatte, ließ er in den sozialen Netzwerken verlauten: „Unsere Nationen verbindet eine tief verwurzelte Freundschaft, die auf Vertrauen und gemeinsamen Werten basiert.“ Schon im Februar 2025 aber hatte CSV-Premier Luc Frieden mitgeteilt, der „neue Stil“ der Amerikaner bereite ihm Sorgen. Um dann doch Mitte November in seinen Meta-Netzwerken schreiben zu müssen, er „freue sich“, die Trump-Vertreterin Feinberg „willkommen zu heißen“.