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LEITARTIKEL

Grand Opening

Sarah Pepin

„Il sera plus aisé de construire un nouveau bâtiment que de démolir les préjugés qui l’entourent“, sagte Robert Krieps (LSAP) in den 1980-er-Jahren über die Gefängnispolitik. Vierzig Jahre später steht in Sassenheim mit dem Centre pénitentiaire d‘Uerschterhaff eine neue Haftanstalt. Die feierliche Laune, die die Eröffnung begleitete, hätte nicht stärker im Kontrast stehen können zur Stimmung, die beim Protest des Künstlerkollektivs Richtung22 und des Vereins Eran, eraus an elo? herrschte. Sie hatten sich am Mittwochnachmittag am Rande des grauen Riesenbaus versammelt, um ihrem Unmut gegenüber dieser neuen Struktur Luft zu machen, goldenes Konfetti und Luftballons inklusive. Dabei wurde sich auch mal in der Wortwahl vergriffen, der zweite Vortrag hörte sich zum Teil so an, als hätten Angeklagte in Luxemburg kein Anrecht auf einen fairen Prozess.

Das häufig überbelegte und renovierungsbedürftige Gefängnis Schrassig, das über 600 Plätze verfügt, soll durch Uerschterhaff entlastet werden. Dabei sind die 400 Plätze in Sassenheim ausschließlich für männliche Untersuchungshäftlinge vorgesehen – bei einer Gesamt-Häftlingszahl von 635 in Schrassig scheint eine solche Aufstockung tatsächlich hoch. Der maroden Infrastruktur von Schrassig, gegen die die Gefangenen dort (unter anderem) zuletzt 2018 protestierten, soll jedoch dadurch der Garaus gemacht, die dortigen Haftbedingungen durch einen Umbau, der bis 2037 (!) dauern soll, verbessert werden.

Nächste Woche werden die ersten U-Häftlinge aus Schrassig nach Sassenheim überführt, insgesamt wird die Umzugsaktion der 250 Untersuchungshäftlinge bis Mitte März 2023 dauern. Der Bau hat statt der 156 Millionen zu Beginn geplanten nun schlussendlich 171 Millionen Euro gekostet, was der Entwicklung des Bebauungspreises geschuldet ist.

In Anwesenheit vieler Staatsbeamten, des Großherzogs, der Justizministerin Sam Tanson, des Vizepremiers François Bausch und des Polizeiministers Henri Kox (alle Grüne), wurden diese Fakten vorgetragen und Reden gehalten. Der Direktor der Gefängnisverwaltung Serge Legil kam am Ende seines Vortrags den Tränen nahe, als er sich bei seinen Mitarbeitern für die harte Arbeit bedankte. Die Justizministerin versuchte in ihrem Vortrag auf die Vorwürfe der Protest-Organistoren zu antworten; eine Gesellschaft ohne Gefängnis sei nicht möglich, insofern solle die Haftanstalt so human wie möglich gestaltet werden, und der Freiheitsentzug immer als letzte Option gelten. Das Gefängnis sei keinesfalls gebaut worden, um die Zellen zu füllen, so Tanson, sondern um einen würdevolleren Umgang mit den Häftlingen zu ermöglichen.

Der feierliche Unterton der Veranstaltung zog sich durch den gesamten Nachmittag, und er war schwer auszuhalten, fühlte das Ganze sich doch mitunter wie ein Thé dansant an. In Anbetracht dessen, dass der Strafvollzug in Luxemburg seit jeher stiefmütterlich behandelt wird und niemand sich so richtig um die Gefängnisse und den Freiheitsentzug schert, war die Veranstaltung umso bizarrer. Ihren absurden Zenit erreichte die Eröffnung in dem von der Gefängnisverwaltung produzierten Branding-Video, in dessen Genuss das Publikum der prall gefüllten Gefangenen-Sporthalle gegen Ende kam. Darin spaziert der Gefängnisdirektor des Uerschterhaff Jeff Schmitt mit einem fiktiven Journalisten durch den Knast, das Ganze ästhetisch mit Electronica unterlegt, Drohnen und schwungvolle Kameraeinstellungen zeigen die moderne Struktur von innen und aus der Vogelperspektive, die beiden sprechen nach Drehbuch miteinander. Will man damit für den Luxemburger Filmpreis ins Rennen gehen?

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