Kommunale Chancengleichheitsdelegierte

Wunschkandidatin

d'Lëtzebuerger Land du 25.05.2006

In punkto Frauenförderung kann sich die Chancengleichheits-ministerin Marie-Josée Jacobs (CSV) zunehmend ein Beispiel an den Gemeinden nehmen. Sie haben die nationale Verantwortliche in wichtigen Bereichen, etwa in der Personalpolitik,
bereits überholt. So hat beispielsweise nach Bettemburg bereits die alte rot-rot-grüne Koalition in Esch/Alzette in ihrem Programm neben einem Chancen-gleichheitsamt einen Gleichstellungs-plan angekündigt und verabschiedet. Darin sind veschiedene Maßnahmen vorgesehen, welche die Chancengleichheit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadtverwaltung verbessern sollen. Diese beschränken sich nicht auf formale Aspekte, wie die Verwendung der weiblichen und männlichen Form bei Stellenausschreibungen.

Als ein Kriterium bei der Personalauswahl gilt neben der Qualifikation, der Berufserfahrung und anderer Kompetenzen das Geschlecht: Bei gleicher Qualifikation und gleicher oder gleichwertiger Kompetenz wird das unterrepräsentierte
Geschlecht vorrangig eingestellt. Eine erste Zwischenbilanz über die Umsetzung des Escher Gleichstellungs-plans liegt auch schon vor, in einigen Bereichen, in denen Frauen bislang wenig vertreten waren, wurde ihre Zahl aufgestockt. Eine gründliche Bestandaufnahme ist für September 2007 vorgesehen.

Auch Luxemburg-Stadt zieht nun in der kommunalen Gleichstellungspolitik nach. Anstelle einer dem Personalservice zugeordneten Halbtagskraft wird die bisherige Sozialexpertin der Industriellenvereinigung Fedil, Christiane Bertrand-Schaul ab Herbst einen Vollzeit-Job als Chancengleichheitsdelegierte der Stadt antreten. Sie ist dem Schöfföffenrat direkt unterstellt.
Ein kluger Schachzug der zuständigen Schöffin Viviane Loschetter (Déi Gréng), wobei die Tatsache, dass Bertrand-Schaul aus dem Arbeitgeberlager stammt, die Akzeptanz dieses Postens durch erklärte DP-Gleichstellungsskeptikerinnen und -skeptiker sicherlich erleichtern dürfte.

Die neue Chancengleichheitsdelegierte ist jedoch nicht nur viele Jahre Fedil-Sozialexpertin gewesen. Als ehemalige Präsidentin des „Comité du travail féminin“ und Mitglied des „Comité des actions positives“ weiß sie über die verschiedenen (partei)politischen Positionen bei der Gleichstellung Bescheid, kennt die Wirksamkeit der unterschiedlichen Förderungsinstrumente und verfügt überdies über eine Reihe Kontakte. Es war zudem Christiane Bertrand-Schaul, die sich damals gemeinsam mit der kürzlich zurückgetretenen Präsidentin des „Comité du travail féminin” Ginette Jones vehement gegen die Pläne von Juncker [&] Co. wehrte, die Mammerent aus der Rentenkasse zu bezahlen. Wenngleich erfolglos.

Die erste Aufgabe der neuen Delegierten steht bereits fest: Sie soll endlich die Bestandsaufnahme über die Situation von Frauen und Männern in Stadt und Verwaltung erstellen, mit der eigentlich schon ihre Vorgängerin beauftragt gewesen war. Auf Grundlage der Analyse soll dann ein kommunaler Aktionsplan nach dem Ansatz des Gender-Mainstreaming formuliert werden, der alle Dienststellen und Politikbereiche umfassen soll. Insbesondere die Personalpolitik soll gerechter und auch transparenter werden. Vorgesehen ist, die Chancen-gleichheitsdelegierte bei allen Einstellungsgesprächen dabei zu haben. In diesem Zusammenhang sind, entgegen einer anders lautenden Meldung des Wort, Einstellungsquoten offoffenbar doch kein Tabu. „Vorrangig geht es um die Analyse und die Ausarbeitung eines Plans, alles weitere werden wir offen diskutieren“, sagte Schöffin Viviane Loschetter dem
Land, die mit der getroffoffenen Wahl der Gleichheitsdelegierten „äußerst zufrieden“ ist.

Ines Kurschat
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