Arcelor Mittal

Kein Interesse

d'Lëtzebuerger Land du 22.02.2007

Lakshmi Mittal hat seine Meinung geändert. Beteuerte er während der Übernahme stets, nicht CEO eines fusionierten Konzern, Arcelor Mittal werden zu wollen, so war es vorgestern bei der Bilanzpressekonferenz just der CEO Lakshmi Mittal, der sagte: „Ich hatte nie Interesse daran, Chairman des Verwaltungsrates zu werden.“ Dies in Antwort auf die Frage ob er den Posten anstrebe, wenn der aktuelle Verwaltungsratvorsitzende Joseph Kinsch abtritt. Auch sehe er keinen Anlass, den rund 43-prozentigen Anteil der Familie an Arcelor Mittal im Zuge eventueller weiterer Akquisitionen zu verringern.

Solche Neuerwerbungen fasst Arcelor Mittal weiter ins Auge, der CEO bestätigte vorgestern ein Angebot für den Erwerb eines Mehrheitsanteil an der indischen Sesa Goa. Außerdem erwarte man bis Ende Juni eine Entscheidung der chinesischen Autoritäten über die Beteiligung an Laiwu Steel.

Der kombinierte Konzern hat im vergangenen Jahr nach Proforma-Zahlen einen Umsatz von von 88,58 Milliarden Dollar erzielt, eine Steigerung im Vergleich zum Vorjahr. Dennoch wurde weniger Gewinn erzielt, 7,973 Milliarden Dollar gegenüber8,26 Milliarden im Jahr 2005. Das liege vor allem an der Steuerlast, erklärte Finanzvorstand Adittya Mittal, die sei gegenüber dem Vorjahr angestiegen. Auch die Fusionskosten schlugen bei Arcelor mit 271 Millionen Euro zu Buche. Der weltwei größte Stahlhersteller hat dennoch seine Dividendenpolitik, sprich die Verteilung von 30 Prozent der Gewinne an die Aktionäre, bekräftigt. Neben den 1,8 Milliarden Dollar, die ausgezahlt werden, wurde ein Aktienrückkaufprogramm in Höhe von 590 Millionen Dollar angekündigt.

Das laufende Jahr werde „sehr viel besser“ als das vergangene, sagte Adittya Mittal. Es gebe Anzeichen für eine Erholung des nordamerikanischen Marktes, Europa werde stark bleiben und die chinesischen Exporte würden weniger bedrohlich. Bereits im ersten Quartal werde das Resultat vor Steuern und Abschreibungen bei bis zu 4,2 Milliarden Euro liegen.

„Die Notwendigkeit einer klassischen Stahltripartite stellt sich momentan nicht“, so die Botschaft des VorstandsmitgliedsMichel Wurth am Mittwoch. Die Tripartite sei ein Kriseninstrument,im Moment seien aber keine Restrukturierungsmaßnahmen nötig. Falls es aber dennoch Erklärungsbedarf auf Seiten der Partner gäbe, könne man durchaus „zu dritt zusammenkommen“, so Wurth. In Luxemburg hätten sich die Aktivitäten positiv entwickelt, meinte er am Mittwoch, das Langstahlgeschäft habe sich unter anderem dank der Erholung der europäischen Baubranche gut entwickelt. Ein positiver Einfluss sei auf das Joint Venture mit der CFL zurückzuführen, dies habe „Fortschritte in der Logistik“ gebracht. Das Werk Ewald Giebel habe durch die völlige Übernahmeund die Integration in Galvalange Düdelingen „gerettet“ werdenkönnen. Auch für das Werk im französischen Florange sind die Aussichten gut. Bei einer neueren Bestandsaufnahme habe sich gezeigt, der Hochofen sei in einem besseren Zustand als bisher angenommen, daher erwäge man, die Laufzeit über 2010 hinaus zu verlängern. Problematisch dabei sei jedoch, dass momentandafür nicht die nötigen C02-Emissionszertifakte vorhanden seien, erklärte Wurth.

 

Michèle Sinner
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